Fusionsgerüchte um AstraZeneca und Bristol Myers


Viktoria Anderle

Logo von AstraZenca auf Hauswand.
Analysten sehen einen möglichen Zusammenschluss von AstraZeneca und Bristol Myers Squibb skeptisch und halten ihn weder strategisch noch finanziell für sinnvoll.OleksKao/AdobeStock_474497649

Ein möglicher Zusammenschluss von AstraZeneca und Bristol Myers Squibb sorgt für Unruhe an den Börsen. Nach einem Bericht der „Financial Times“ über erste Gespräche zwischen den beiden Pharmakonzernen, der sich auf einen Insider beruft, verlor die AstraZeneca-Aktie am Montag in London 4,8 Prozent.

Ob die Gespräche derzeit noch fortgesetzt werden, ist nicht bekannt. AstraZeneca wollte sich dazu nicht äußern, während Bristol Myers Squibb eine Anfrage zunächst unbeantwortet ließ. Die Aktien des US-Konzerns Bristol Myers Squibb stiegen im vorbörslichen Handel um rund fünf Prozent. Analysten und Investoren bezweifelten zugleich, dass ein solcher Zusammenschluss für AstraZeneca sinnvoll wäre. Beide Unternehmen zusammen sind an der Börse derzeit mit rund knapp 400 Milliarden Dollar (rund 345 Milliarden Euro) bewertet.

Ein Merger von AstraZeneca mit Bristol Myers Squibb macht weder strategisch noch finanziell Sinn“, sagte Markus Manns, Portfoliomanager beim Aktionär Union Investment. Falls die Fusionsgerüchte wahr sind, wäre dies der FIFA-Privatisierungs Moment der Pharmabranche.“ Es handle sich um einen schlecht durchdachten Vorschlag, der bei vielen Marktteilnehmern auf Unverständnis stoße. Das Unternehmen sollte die Merger-Gespräche unverzüglich beenden und sich wie bisher auf die Entwicklung der Pipeline fokussieren“, forderte Manns.

AstraZeneca soll Konstruktion nicht nötig haben

Auch andere Experten äußerten sich kritisch. Wenn es ein Unternehmen gibt, das keine derartigen Finanzkonstruktionen nötig hat, dann ist es AstraZeneca“, schrieben die Analysten von Jefferies. Der Konzern verfüge über eine starke Pipeline und weniger Druck durch auslaufende Patente als Bristol Myers. Ein Zusammenschluss würde das Wachstum der Briten kurzfristig verwässern, warnte auch Lukas Leu vom Aktionär ATG Healthcare.

Eine Fusion dürfte auch auf erhebliche kartellrechtliche Hürden stoßen. Einem Insider zufolge gibt es Bedenken, wie die US-Wettbewerbsbehörden unter US-Präsident Donald Trump einen solchen Deal beurteilen würden. Trump drängt Unternehmen zu Investitionen und Produktion in den USA – nun würde mit AstraZeneca ein britisches Unternehmen einen großen US-Pharmakonzern übernehmen. Hinzu kommen deutliche Überschneidungen im Geschäft: Beide Unternehmen erzielen einen erheblichen Teil ihrer Umsätze mit Krebsmedikamenten. Analyst Sean Conroy von Shore Capital verwies auf die direkten Konkurrenten Opdivo von Bristol Myers und Imfinzi von AstraZeneca.

Kartellrechtliche Bedenken

Für Bristol Myers Squibb könnte ein Zusammenschluss strategisch attraktiv sein: Der Patentschutz für wichtige Medikamente wie Opdivo und den Blutverdünner Eliquis läuft voraussichtlich bis 2028 aus. Um drohende Umsatzeinbrüche abzufedern, hatte der Konzern bereits 2019 den Rivalen Celgene für rund 80 Milliarden Dollar (etwa 69,7 Mrd. Euro) übernommen. AstraZeneca-Chef Pascal Soriot, unter dessen 14-jähriger Führung sich der Aktienkurs mehr als vervierfacht hat, treibt unterdessen die Ausrichtung auf den US-Markt voran. Der Konzern peilt bis 2030 einen Jahresumsatz von 80 Milliarden Dollar an, wovon die Hälfte in den USA erwirtschaftet werden soll. Im vergangenen Jahr hatte AstraZeneca zudem Pläne für eine direkte Notierung in den USA vorgestellt, um von den dortigen höheren Unternehmensbewertungen zu profitieren.

Große Übernahmen waren in der Pharmabranche zuletzt selten. Gründe dafür sind kartellrechtliche Bedenken sowie der politische Druck in den USA, die Medikamentenpreise niedrig zu halten. Die nun bekannt gewordenen Gespräche kommen rund zwölf Jahre nach dem gescheiterten Übernahmeversuch des US-Konzerns Pfizer, den AstraZeneca damals erfolgreich abwehren konnte. Ich gehe davon aus, dass eine von Trump geführte US-Wettbewerbsbehörde FTC die Fusion genau prüfen wird“, sagte Kartellrechtsanwalt Andre Barlow von der DBM Law Group. Sollte es bei bestimmten Arzneien zu großen Überschneidungen kommen, seien wohl bedeutende Verkäufe von Unternehmensteilen nötig.

APA



Newsletter

Bleiben Sie stets informiert!