5, 10 oder 30 Prozent Urea?


Sanja Agatic

Symbolbild: Eine trockene Ferse von hinten.
Von trockener Haut bis zu ausgeprägten Verhornungen: Urea kann je nach Konzentration unterschiedliche dermatologische Aufgaben übernehmen.Foto:stock.adobe.com/H_Ko

Trockene Haut, raue Stellen oder verhornte Fersen: Urea zählt zu den häufigsten eingesetzten Wirkstoffen der Dermokosmetik. Doch nicht jede Urea-Creme wirkt gleich. Entscheidend ist die Konzentration, denn sie bestimmt, ob ein Produkt Feuchtigkeit spendet, die Haut glättet oder Verhornungen löst.

Urea, auch Harnstoff genannt, gehört zu den natürlichen Bestandteilen der Haut und ist Teil des sogenannten Natural Moisturizing Factor (NMF), der für die Feuchtigkeitsbindung in der Hornschicht verantwortlich ist. Aufgrund seiner vielseitigen Eigenschaften findet sich der Wirkstoff in zahlreichen dermokosmetischen Produkten. Mit steigender Konzentration verändert sich jedoch seine Wirkung deutlich, von der Unterstützung der Hautbarriere bis hin zur gezielten keratolytischen Anwendung bei starken Verhornungen. Urea besitzt die Fähigkeit, Wasser in der Haut zu binden und dadurch den Feuchtigkeitsgehalt der Hornschicht zu erhöhen. Gleichzeitig kann der Wirkstoff die Hautbarriere unterstützen und die Geschmeidigkeit der Haut verbessern.

5 Prozent Urea

Produkte mit 5 Prozent Urea dienen in erster Linie der Hydratation. Sie erhöhen die Wasserbindung in der Hornschicht und können Spannungsgefühle sowie feine Schuppungen reduzieren. Die Konzentration eignet sich insbesondere für trockene, empfindliche oder zu Irritationen neigende Haut. Eingesetzt wird sie häufig bei leichter Xerosis (raue, schuppige Haut), trockener Gesichtshaut oder zur Basispflege bei chronischen Hauterkrankungen wie Neurodermitis. Im Vordergrund steht dabei nicht die Entfernung von Verhornungen, sondern die langfristige Stabilisierung der Hautbarriere.

10 Prozent Urea

Bei Konzentration um 10 Prozent kommt neben der feuchtigkeitsspendenden Wirkung ein leichter keratolytischer Effekt hinzu. Die Haut wird glatter, raue Areale können reduziert und die Abschuppung unterstützt werden. Anwendungsgebiete sind etwa ausgeprägtere Xerosis, Keratosis pilaris oder trockene Hautzustände im höheren Lebensalter. Auch in der Pflege von Menschen mit Diabetes werden häufig Formulierung in diesem Konzentrationsbereich eingesetzt, um trockene Haut an den Füßen zu behandeln und der Entstehung von Schrunden vorzubeugen.

20 bis 30 Prozent Urea

Hochkonzentrierte Urea-Produkte werden gezielt eingesetzt, wenn Verhornungen im Vordergrund stehen. Durch ihre keratolytische Wirkung lockern sie die Verbindung zwischen den Hornzellen und erleichtern den Abbau verdickter Hautschichten. Typische Anwendungsgebiete sind Hyperkeratosen, starke Hornhaut an den Fersen, Schwielen oder lokal begrenzte Verhornungsstörungen. Die Anwendung erfolgt meist auf klar definierte Hautareale und nicht großflächig.

Zur Entfernung von pilzbefallenen Finger- oder Zehennägeln kann eine 40-prozentige Harnstoffsalbe eingesetzt werden. Durch die regelmäßige Anwendung löst sich der betroffene Nagelanteil schrittweise ab und kann vorsichtig entfernt werden. Nach etwa zwei bis drei Wochen ist der befallene Bereich in der Regel vollständig abgetragen.

Diabetische Fußpflege

Menschen mit Diabetes leiden häufig unter ausgeprägter Hauttrockenheit. Eine verminderte Schweißproduktion kann dazu führen, dass die Haut insbesondere an den Füßen an Elastizität verliert und leichter einreißt. Urea-haltige Pflegeprodukte können helfen, den Feuchtigkeitsgehalt der Haut zu verbessern und Schrunden vorzubeugen. Die Konzentration richtet sich dabei nach dem Hautzustand. Während bei trockener Haut häufig Produkte mit 5 bis 10 Prozent Urea ausreichend sind, können bei stärkerer Verhornung auch höhere Konzentrationen zu Einsatz kommen. Nicht angewendet werden sollten Urea-Produkte jedoch auf offenen Wunden oder diabetischen Ulzera.

Wann Vorsicht geboten ist

Obwohl Urea grundsätzlich als gut verträglich gilt, kann der Wirkstoff aus geschädigter Haut oder bei offenen Hautstellen brennen. Besonders bei Säuglingen, Kleinkindern oder stark entzündeten Hautzuständen sollte die Konzentration sorgfältig gewählt werden. Nicht jede trockene Haut benötigt automatisch eine hohe Dosierung. Oft ist die Hautbarriere gestört und profitiert mehr von einer konsequenten Pflege mit niedrigeren Konzentrationen als von einem möglichst hohen Urea-Gehalt. Bei Niereninsuffizienz ist von einer großflächigen Anwendung harnstoffhaltiger Präparate abzuraten, da Harnstoff über die Haut resorbiert werden kann und bei eingeschränkter Nierenfunktion eine zusätzliche Belastung vermieden werden sollte.

Urea gehört zu den vielseitigsten Wirkstoffen der Dermokosmetik. Seine Stärke liegt gerade darin, dass sich die Wirkung über die Konzentration gezielt steuern lässt.



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