Empfindliche Haut: Die häufigsten Pflegefehler


Sanja Agatic

Symbolbild: Eine Damen mit gerötetem Gesicht blickt in einen Spiegel.
Zu viele Wirkstoffe, aggressive Reinigung und fehlender Sonnenschutz gehören zu den häufigsten Ursachen dafür, dass empfindliche Haut mit Rötungen, Brennen oder Spannungsgefühl reagiert.Foto:stock.adobe.com/Shisu_ka

Brennen, Spannen oder Rötungen entstehen bei empfindlicher Haut oft nicht durch ein einzelnes Produkt, sondern durch vermeidbare Fehler in der täglichen Pflegeroutine. Gerade der Wunsch, die Haut möglichst intensiv zu pflegen, verschlimmert die Beschwerden häufig. Wer die häufigsten Stolperfallen kennt, kann die Hautbarriere gezielt entlasten.

Dass empfindliche Haut keine Einbildung, sondern ein eigenes Hautsyndrom ist, beschreibt die Übersichtsarbeit „Sensitive Skin Syndrome: Research Progress on Pathogenesis, Diagnosis, and Daily Care“. Darin fassen die Autorinnen und Autoren den aktuellen Wissenstand zusammen: Als zentrale Mechanismen gelten eine gestörte Hautbarriere, ein erhöhter transepidermaler Wasserverlust sowie eine verstärkte Aktivierung sensorischer Nerven, insbesondere über den TRPV1-Rezeptor (The Transient Receptor Potential Vanilloid 1).

Der TRPV1-Rezeptor ist ein Sensor auf den Nervenenden der Haut. Er reagiert auf Reize wie Hitze, UV-Strahlung, Reibung oder bestimmte Inhaltsstoffe in Kosmetika. Bei empfindlicher Haut ist dieser Rezeptor leichter aktivierbar und setzt Botenstoffe frei, die Blutgefäße erweitern und Entzündungsreaktionen fördern. Dadurch entstehen typische Beschwerden wie Brennen, Rötungen, Kribbeln oder Spannungsgefühle.

Hautbarriere nicht „überfordern“

Empfindliche Haut wird häufig mit immer neuen Seren, Cremes oder Wirkstoffen behandelt. Genau das kann zum Problem werden. Retinol, Fruchtsäuren (AHA), Salicylsäure (BHA), Benzoylperoxid oder hoch dosierte Vitamin C beschleunigen die Zellerneuerung oder lösen Hornzellen. Werden mehrere dieser Wirkstoffe gleichzeitig verwendet, kann die Hautbarriere überfordert werden. Typische Folgen sind Brennen, Rötungen, Spannungsgefühl und Schuppung. Beschwerden, die oft fälschlich als Unverträglichkeit eines einzelnen Produkts gedeutet werden. Wer einen neuen Wirkstoff testen möchte, sollte deshalb nicht gleichzeitig die gesamte Pflegeroutine umstellen. Nur so lässt sich beurteilen, worauf die Haut reagiert.

Dass eine gestörte Hautbarriere die Empfindlichkeit gegenüber äußeren Reizen erhöht, gilt heute als einer der zentralen Mechanismen empfindlicher Haut. Barriereschäden gehen mit einem erhöhten transepidermalen Wasserverlust (TEWL) einher und erleichtern das Eindringen potenzieller Reizstoffe.

Reinigung und Peelings

Ein weiteres Problem beginnt bereits bei der Reinigung. Schäumende Produkte mit starken Tensiden, häufiges Waschen oder heißes Wasser entfernen nicht nur Schmutz, sondern auch hauteigene Lipide. Dadurch steigt der transepidermale Wasserverlust, die Haut trocknet schneller aus und reagiert empfindlicher auf äußere Reize. Auch Peelings gehören zu den häufigsten Fehlerquellen. Mechanische Peelings mit Schleifpartikeln oder chemische Peelings mit AHA- oder BHA-Säuren können bei bereits gereizter Haut die Beschwerden verstärken. Wer Brennen oder anhaltende Rötungen bemerkt, sollte zunächst die Hautbarriere stabilisieren, statt mit weiteren Peelings gegenzusteuern. Dermatologische Empfehlungen raten deshalb zu milden Syndets mit hautnahem pH-Wert statt alkalischer Seifen, da sie die Hautbarriere deutlich weniger beeinträchtigen.

Duftstoffe sind nicht der einzige Reizfaktor

Viele greifen automatisch zu parfümfreien Produkten. Das ist oft sinnvoll, löst das Problem aber nicht immer. Auch ätherische Öle, Menthol, Kampfer oder hohe Alkoholkonzentrationen können empfindliche Haut reizen. Entscheidend ist deshalb die gesamte Formulierung. Zur Unterstützung der Hautbarriere haben sich Inhaltsstoffe wie Ceramide, Glycerin oder Panthenol bewährt. Urea spendet zwar Feuchtigkeit, kann auf bereits gereizter oder rissiger Haut jedoch vorübergehend brennen und sollte deshalb individuell dosiert werden. Empfindliche Haut reagiert nicht nur auf Kosmetik, sondern auch auf UV-Strahlung. Sie kann Entzündungsprozesse fördern und eine bereits geschädigte Hautbarriere zusätzlich belasten. Das gilt besonders bei der Anwendung von Retinoide oder Fruchtsäuren, die die Lichtempfindlichkeit erhöhen können.

Bleiben Rötungen, Brennen oder Schuppungen trotz angepasster Pflege bestehen oder treten zusätzlich Papeln und Pusteln auf, sollte die Ursache dermatologische abgeklärt werden. Hinter vermeintlich empfindlicher Haut können auch Erkrankungen wie Rosacea, eine Kontaktallergie oder eine periorale Dermatitis stecken.



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