Einnahme abends: Aber wann genau?


Viktoria Anderle

Symbolbild: Schlafpillen in Form von „Z-Z-Z“ sind aus einem Glas verstreut.
Wann genau die Einnahme „abends“ erfolgen soll, hängt vom jeweiligen Präparat ab. Während Z-Drugs unmittelbar vor dem Schlafengehen eingenommen werden, wird Baldrian üblicherweise etwa eine halbe bis eine Stunde davor angewendet.Bohdan/AdobeStock_1378066852

„Nehmen Sie das Arzneimittel abends ein“, diese Anwendungsempfehlung ist häufig an der Tara zu hören. Doch wann genau ist der richtige Zeitpunkt: nach dem Abendessen, eine Stunde vor dem Zubettgehen oder erst unmittelbar davor? Entscheidend sind unter anderem die Resorptionsgeschwindigkeit, die Anflutungszeit und der gewünschte Wirkeintritt des jeweiligen Wirkstoffs.

Für einige Arzneimittel wird die Einnahme oder Anwendung vor dem Schlafengehen empfohlen. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass alle diese Präparate zum selben Zeitpunkt verabreicht werden sollen. Je nach Wirkstoff können zwischen der Einnahme und dem Zubettgehen einige Minuten oder sogar eine Stunde liegen.

Besonders deutlich werden diese Unterschiede bei Schlafmitteln. Sie sollen ihre dämpfende oder schlaffördernde Wirkung am Abend und während der Nacht entfalten. Wann die Einnahme erfolgen soll, richtet sich danach, wie rasch die Wirkung einsetzt. Auch das individuelle Ansprechen kann dabei eine Rolle spielen.

Baldrian braucht etwas Vorlaufzeit

Baldrianpräparate werden bei nervös bedingten Einschlafstörungen eingesetzt. Da die Wirkung nicht unmittelbar nach der Einnahme einsetzt, wird eine Einnahme bis zu einer Stunde vor dem Schlafengehen empfohlen. Wer etwa um 22 Uhr zu Bett gehen möchte, sollte das Präparat daher je nach Gebrauchsinformation bereits gegen 21 Uhr einnehmen. Wichtig ist zudem, dass Baldrianpräparate regelmäßig eingenommen werden sollten, da sich der maximale Effekt häufig erst nach zwei bis vier Wochen einstellt.

Etwa 30 Minuten vorher

Auch sedierende Antihistaminika wie Doxylamin werden zur kurzfristigen Behandlung von Schlafstörungen eingesetzt. Die Einnahme erfolgt üblicherweise etwa eine halbe Stunde vor dem Zubettgehen. Dadurch kann sich die schlaffördernde Wirkung bis zur geplanten Schlafenszeit entwickeln.

Auch die Benzodiazepine Lorazepam (Temesta) und Oxazepam (Praxiten) werden bei der Behandlung von Schlafstörungen etwa 30 Minuten vor dem Schlafengehen eingenommen, damit ihre dämpfende und schlaffördernde Wirkung rechtzeitig zum Zubettgehen einsetzt.

Zolpidem unmittelbar vor dem Schlafengehen

Bei Z-Substanzen ist der Abstand deutlich kürzer. Zolpidem soll laut Fachinformation unmittelbar vor dem Schlafengehen als Einmalgabe eingenommen werden. Gemeint ist damit tatsächlich die Einnahme direkt beim Zubettgehen oder bereits im Bett.

Auch bei Benzodiazepinen hängt der genaue Einnahmezeitpunkt vom jeweiligen Wirkstoff und Präparat ab. Patient:innen sollten daher nicht nur den Hinweis „abends“ erhalten, sondern möglichst genau erfahren, wie lange vor dem Zubettgehen das verordnete Arzneimittel einzunehmen ist.

Vaginalzäpfchen bleiben länger am Wirkort

Vaginal anzuwendende Arzneimittel wie Vaginalzäpfchen, Tabletten oder Cremes werden häufig vor dem Schlafengehen verabreicht. Im Liegen kann das Präparat länger am vorgesehenen Wirkort verbleiben. Zudem lässt sich ein vorzeitiges Austreten nach der Anwendung eher vermeiden. Ein typisches Beispiel sind Antimykotika zur Behandlung einer Pilzinfektion der Scheide.

Abführmittel wirken am nächsten Morgen

Auch bestimmte Abführmittel werden am Abend eingenommen. Präparate mit Sennesblättern beziehungsweise Sennosiden benötigen mehrere Stunden, bis die Wirkung einsetzt. Die abendliche Einnahme ist daher darauf ausgerichtet, die Darmentleerung am folgenden Morgen zu ermöglichen. „Vor dem Schlafengehen“ beschreibt hier keinen sofortigen Effekt, sondern berücksichtigt die verzögert einsetzende Wirkung.

Fosfomycin nüchtern und bei leerer Blase

Ein weiteres Beispiel der Wirkstoff Fosfomycin (Cystium, Monuril). Das Antibiotikum wird zur Behandlung unkomplizierter Harnblaseninfektionen bei Frauen und weiblichen Jugendlichen eingesetzt. Der Beutelinhalt wird in Wasser aufgelöst und nüchtern eingenommen. Der Einnahmezeitpunkt sollte vor dem Schlafengehen und nach dem Entleeren der Blase liegen. Nüchtern bedeutet hierbei laut Gebrauchsinformation zwei bis drei Stunden vor oder zwei bis drei Stunden nach einer Mahlzeit. Nahrung kann die Aufnahme von Fosfomycin und somit die maximale Harnkonzentration um bis zu vier Stunden verzögern. 

Das Antibiotikum gelangt nicht direkt in die Blase, sondern kommt über den Blutkreislauf und die Ausscheidung in den Harn erst an seinen Wirkort. Die vorherige Blasenentleerung und die anschließende nächtliche Ruhe unterstützen eine möglichst lange Verweildauer des Wirkstoffs in der Blase.

„Abends“ reicht als Hinweis nicht immer aus

Die Beispiele zeigen, dass „vor dem Schlafengehen“ je nach Arzneimittel etwas anderes bedeuten kann. Bei der Beratung an der Tara sollte daher immer die konkrete Empfehlung der jeweiligen Fachinformation oder Gebrauchsinformation berücksichtigt werden.



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