Im November kommen erstmals Nachfolger des Antikonvulsivums Perampanel in den Grünen Bereich des Erstattungskodex (EKO). Weitere Neuaufnahmen betreffen unter anderem Denosumab-Präparate und Zilucoplan-Fertigpens. Gleichzeitig werden 25 Arzneispezialitäten gestrichen.
Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) stellt im November Fypalan und Perampanel „ratiopharm“ in den Mittelpunkt. Sie sind die ersten Nachfolgepräparate zu Fycompa im Grünen Bereich. Der darin enthaltene Wirkstoff Perampanel ist ein Antikonvulsivum. Es wird als Zusatztherapie bei bestimmten fokalen und primär generalisierten tonisch-klonischen epileptischen Anfällen eingesetzt.
Erste Perampanel-Nachfolger im Grünen Bereich
Aufgenommen werden Filmtabletten in den Stärken 2, 4, 6, 8, 10 und 12 mg. Sie wechseln von der Red in die Green Box. Während das Erstanbieterpräparat Fycompa im Dunkelgelben Bereich bewilligungspflichtig bleibt, sind die Nachfolger unter Einhaltung der Fachgruppen-Bestimmung N für Neurologie frei verschreibbar. Laut ÖGK sollten sie aufgrund des Preisvorteils und des Ampelprinzips „Grün vor Gelb vor Rot“ besonders bei Neueinstellungen bevorzugt werden.
Weitere Nachfolgepräparate im Grünen Bereich
Auch folgende Präparate werden neu in den Grünen Bereich aufgenommen. Dabei sind die jeweiligen Verwendungsvorgaben (etwa Indikationen, Facharztbindungen) zu beachten:
- Apremilast „+pharma“: Weiterer Nachfolger zu Otezla, das im Dunkelgelben Bereich bleibt. Neu sind die Starterpackung mit 10, 20 und 30 mg sowie die 30-mg-Filmtabletten. Apremilast wird unter anderem bei Psoriasis und Psoriasis-Arthritis eingesetzt. Diagnose, Erstverordnung und regelmäßige Kontrollen erfolgen durch die entsprechenden Fachrichtungen.
- Yuflyma 80 mg Fertigpen: Der Humira-Nachfolger enthält Adalimumab und wird in der Ein-Stück-Packung ausschließlich zur Anbehandlung aufgenommen.
- Obodence 60 mg Fertigspritze: Der Prolia-Nachfolger enthält Denosumab. Die Erstattung umfasst Osteoporose bei hohem Zehn-Jahres-Frakturrisiko oder nach osteoporotischer Fraktur, wenn Bisphosphonate nicht angezeigt sind. Nach dem Absetzen ist auf eine antiresorptive Anschlusstherapie zu achten.
- Xbryk 120 mg Injektionslösung: Weiterer Denosumab-Nachfolger zu Xgeva, erstattungsfähig bei osteolytischen Knochenprozessen neoplastischer Genese.
- Paliperidon „Genericon“: Der Xeplion-Nachfolger kommt als Depot-Fertigspritze in fünf Stärken von 25 bis 150 mg hinzu. Paliperidon wird zur Behandlung der Schizophrenie eingesetzt.
- Omlyclo 300 mg Fertigpen: Der Omalizumab-Nachfolger zu Xolair ist nun auch in dieser Stärke als Fertigpen im Grünen Bereich verfügbar. Das Biological wird bei schwerem allergischen Asthma oder Urtikaria verordnet.
- Brinzo-Vision sine 10 mg/ml: Die konservierungsmittelfreie Brinzolamid-Augentropfensuspension mit dem Referenzprodukt Azopt wird in der 5-ml-Packung aufgenommen. Brinzolamid senkt den erhöhten Augeninnendruck.
Neu im Gelben Bereich
Im Dunkelgelben Bereich (RE1) ist vor der Kassenverordnung grundsätzlich eine chef- beziehungsweise kontrollärztliche Bewilligung erforderlich. Neu aufgenommen wird Tadalafil „Bluefish“ 20 mg als weiterer Nachfolger zu Adcirca zur Behandlung der pulmonalen arteriellen Hypertonie. Bis zu drei Packungen können auf einem Rezept verordnet werden. Eine Langzeitbewilligung für zwölf Monate ist möglich.
Weitere Aufnahmen von der Red in die Yellow Box (RE1) sind:
- Dawnzera (Donidalorsen): Zur Prophylaxe häufiger schwerer Attacken eines hereditären Angioödems mit C1-Esterase-Inhibitor-Mangel ab zwölf Jahren, wenn wiederholte Akutbehandlungen nicht ausreichen.
- Tryngolza (Olezarsen): Ergänzend zur Diät bei Erwachsenen mit genetisch bestätigtem familiärem Chylomikronämie-Syndrom unter definierten Voraussetzungen. Die Aufnahme ist bis 31. Dezember 2029 befristet.
- Saphnelo Fertigpen (Anifrolumab): Eingesetzt wird das Immunsuppressivum bei Erwachsenen mit moderatem bis schwerem, aktivem Autoantikörper-positivem systemischem Lupus erythematodes. Verordnet werden kann der Fertigpen, wenn die Erkrankung durch die Standardtherapie nicht ausreichend kontrolliert wird. Eine Langzeitbewilligung für sechs Monate ist möglich.
- Zilbrysq-Fertigpens (Zilucoplan): Unter umfangreichen Erstattungsvoraussetzungen kann das Arzneimittel zur Zusatzbehandlung einer Acetylcholin-Rezeptor-Antikörper-positiven generalisierten Myasthenia gravis verordnet werden. Sie ersetzen die bisherigen Fertigspritzen. Diagnose, Therapieeinleitung und Kontrollen erfolgen laut ÖGK in einem intramuralen Myasthenia-gravis-Zentrum.
Rizmoic 200 mcg (Naldemedin) kommt hingegen in den Hellgelben Bereich (RE2). Hier gilt bei Einhaltung der Verwendungsvorgaben eine Dokumentationspflicht anstelle der vorherigen Bewilligung. Erstattet wird die Behandlung einer Opioid-induzierten Obstipation, wenn zumindest zwei laxative Therapien aus dem Grünen Bereich nicht ausreichend wirken. Bleibt ein Ansprechen nach vier Wochen aus, ist Naldemedin abzusetzen.
25 Streichungen aus dem EKO
Mit November wurden 25 Arzneispezialitäten aus dem EKO gestrichen und damit in die No Box verschoben. Nach Präparaten zusammengefasst betrifft das:
- Acetolyt Granulat
- Claversal 250 mg Zäpfchen
- Clozapin „Accord“ 25 und 100 mg Tabletten
- Jamesi 50 mg/1000 mg Filmtabletten
- Lasix retard 60 mg Kapseln
- Mytolac 60, 90 und 120 mg Fertigspritzen
- NovoEight 250, 500, 1000, 2000 und 3000 IE
- Panchol 20 und 40 mg Tabletten
- Sorafenib „Bluefish“ 200 mg Filmtabletten
- Tannosynt flüssiges Badekonzentrat und Lotio
- Tramastad 50 mg Kapseln
- Viramune 200 mg Tabletten und 400 mg Retardtabletten
- Zilbrysq 16,6, 23 und 32,4 mg Fertigspritzen
Bei Zilbrysq ist die Änderung der Darreichungsform entscheidend: Die Fertigspritzen werden gestrichen, während die Fertigpens im November in den Dunkelgelben Bereich aufgenommen werden.
Zusätzlich entfallen bei Enalapril „+pharma“ 10 und 20 mg Tabletten jeweils die Zehn-Stück-Packungen. Die 30-Stück-Packungen bleiben im Grünen Bereich gelistet.
