Elektrolytgetränke im Trend: Was bei der Einnahme zu beachten ist


Viktoria Anderle

Symbolbild: Elektrolyte im Wasser aufgelöst. Eine Hand hält das Glas mit der Rosinen Flüssigkeit.
Zu beachten sind bei Elektrolytlösungen sowohl die Natriumzufuhr als auch die enthaltene Zuckermenge, insbesondere bei Menschen mit Diabetes.New Africa/AdobeStock_548220681

Elektrolytgetränke liegen im Trend: beim Sport, nach starkem Schwitzen und mittlerweile auch als Hilfe gegen den Kater nach einer durchzechten Nacht. Die Pulver und Brausetabletten sollen Flüssigkeit und Elektrolyte liefern. Doch was steckt tatsächlich darin, wie funktioniert die Aufnahme im Darm und für wen sind die Produkte nicht geeignet?

Elektrolytgetränke werden meist als Pulver oder Brausetabletten angeboten und vor der Einnahme in Wasser aufgelöst. Ihre Zusammensetzung orientiert sich am Prinzip oraler Rehydratationslösungen. Typische Bestandteile sind Natrium, Kalium, Chlorid und Citrat sowie häufig Glucose. Je nach Produkt kommen weitere Mineralstoffe wie Magnesium und Calcium, Vitamine, Aromen, Süßungsmittel oder Farbstoffe hinzu. Auch Varianten ohne Zucker sind erhältlich.

Zum Einsatz kommen die Nahrungsergänzungsmittel vor allem nach starkem Schwitzen, beim Sport, bei körperlicher Belastung oder großer Hitze. Wichtig ist allerdings die Abgrenzung: Die frei angebotenen Elektrolytgetränke sind keine Arzneimittel und damit nicht automatisch mit medizinischen oralen Rehydratationslösungen gleichzusetzen.

Vorbild aus der Medizin

Orale Rehydratationslösungen werden eingesetzt, um Wasser- und Elektrolytverluste auszugleichen. Die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene Lösung mit enthält unter anderem Glucose, Natriumchlorid, Kaliumchlorid und Trinatriumcitrat. Pro Liter enthält sie jeweils rund 75 mMol Glucose und Natrium. Die Zusammensetzung ist gezielt auf eine effiziente Aufnahme von Flüssigkeit und Elektrolyten im Darm abgestimmt.

Die WHO-Lösung besteht aus vier Komponenten:

  • 1 Liter Trinkwasser
  • 4 bis 6 Teelöffel Haushaltszucker (Saccharose, wird in Fructose und Glucose gespalten)
  • ¾ Teelöffel Kochsalz (Natriumchlorid) 
  • 1 Tasse Orangensaft (alternativ zwei Bananen essen für das Kalium)

Handelsübliche Elektrolytgetränke greifen dieses Prinzip auf, ihre Zusammensetzung kann jedoch je nach Produkt deutlich variieren. Sie sind daher nicht automatisch ein Ersatz für eine zur Behandlung einer Dehydratation vorgesehene orale Rehydratationslösung.

Glucose zieht Natrium mit

Entscheidend für die Wirkung klassischer Rehydratationslösungen ist das Zusammenspiel von Glucose und Natrium im Dünndarm. An der luminalen Membran der Enterozyten sitzt der Natrium-Glucose-Cotransporter 1 (SGLT1). Er transportiert Natrium und Glucose gemeinsam aus dem Darmlumen in die Zelle.

Angetrieben wird dieser Transport durch den Natriumgradienten, den die Natrium-Kalium-ATPase an der gegenüberliegenden, basolateralen Zellmembran aufrechterhält. Sie befördert Natrium wieder aus dem Enterozyten. Glucose verlässt die Zelle anschließend unter anderem über den Glucosetransporter 2 (GLUT2) in Richtung Blut. Durch den Transport von Natrium und Glucose entsteht zugleich ein osmotischer Gradient, dem Wasser folgt. Auf diese Weise kann die Flüssigkeitsaufnahme im Darm verbessert werden.

Citrat erfüllt ebenfalls eine Funktion: Es wird metabolisiert und trägt zur Bereitstellung von Bicarbonat bei. Bei medizinischen Rehydratationslösungen kann es dadurch helfen, einer mit ausgeprägtem Flüssigkeitsverlust verbundenen metabolischen Azidose entgegenzuwirken.

Nicht für alle gleichermaßen geeignet

Dass Elektrolyte grundsätzlich im Körper benötigt werden, bedeutet nicht, dass zusätzliche Mengen für jeden sinnvoll sind. Besonders bei einer Niereninsuffizienz ist Vorsicht geboten. Ist die renale Ausscheidung von Elektrolyten eingeschränkt, können unter anderem Natrium und Kalium schlechter reguliert werden.

Auch bei bereits bestehender Hypernatriämie oder einer metabolischen Alkalose sind entsprechende Produkte nicht ohne Weiteres geeignet. Wer aus medizinischen Gründen auf seine Natriumzufuhr achten muss, sollte zudem einen Blick auf die enthaltene Menge werfen.

Eine falsche beziehungsweise übermäßige Einnahme kann selbst zu Störungen des Elektrolythaushalts führen. Deshalb sollten Pulver und Brausetabletten immer mit der vom Hersteller angegebenen Wassermenge zubereitet und nicht stärker konzentriert eingenommen werden.

Bei Bewusstlosigkeit, Schock oder anhaltendem Erbrechen ist ein Elektrolyt-Nahrungsergänzungsmittel ebenfalls keine geeignete Selbstbehandlung. In solchen Situationen ist eine medizinische Abklärung erforderlich.

Zucker nicht vergessen

Auch für Menschen mit Diabetes lohnt sich ein genauer Blick auf die Nährwertangaben. Nicht jedes Elektrolytgetränk ist zuckerfrei, manche Produkte enthalten bewusst Glucose, während andere auf Süßungsmittel setzen.

Wer seine Kohlenhydratzufuhr für die Insulintherapie berechnet, sollte die enthaltenen Kohlenhydrate entsprechend berücksichtigen. Flüssige Kohlenhydrate können den Blutzucker rasch ansteigen lassen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Glucose in einer medizinischen Rehydratationslösung grundsätzlich unerwünscht wäre: Dort ist sie ein wesentlicher Bestandteil des Wirkprinzips und unterstützt über SGLT1 die Aufnahme von Natrium und Wasser. Bei Elektrolytgetränken als Nahrungsergänzungsmittel entscheidet hingegen der jeweilige Einsatzzweck darüber, ob ein glucosehaltiges oder zuckerfreies Produkt sinnvoller ist.



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