Diskussionsabend mit Hacker: Versorgung, Onlinehandel und Sicherheit im Fokus


Viktoria Anderle

Die angesprochenen Themen will Stadtrat Hacker (links) auch in den weiteren Gesprächen mit dem Wiener Kammerpräsidenten Saiko aufgreifen.TARA24

Im Vorfeld der Wahl des Österreichischen Apothekerverbands luden die Kandidat:innen der Liste „Wir Wiener Apotheker:innen“ am 8. September den Wiener Stadtrat für Soziales, Gesundheit und Sport, Peter Hacker, zum Austausch ins Filmquartier Wien ein. Im Mittelpunkt standen die Rolle der Apotheken in der Gesundheitsversorgung, Onlinehandel, Impfen sowie die aktuelle Sicherheitslage.

Moderiert wurde der Diskussionsabend von Mag. pharm. DDr. Philipp Saiko, Präsident der Apothekerkammer Wien. Gleich zu Beginn hob Hacker die Bedeutung der Apotheken für das Wiener Gesundheitssystem hervor. „Mir ist wichtig, dass Sie wissen, wie wichtig Sie, die Apothekerschaft, mir sind. Ich schätze Ihre Leistungen sehr“, betonte der Gesundheitsstadtrat.

Mit Saiko habe er in den vergangenen Jahren „teilweise herausfordernde, aber immer sehr wertschätzende und konstruktive Gespräche“ geführt. Gleichzeitig verwies Hacker auf die Anpassungsfähigkeit der Apothekerschaft: „Ich freue mich jedes Mal über Ihre Kreativität und Flexibilität.“ Als Beispiele nannte er unter anderem die Herausforderungen während der Corona-Pandemie sowie die Erweiterungen des Wiener Nachtdienstturnus.

Apotheken als Teil der Versorgungsstruktur

Eine der zentralen Fragen sei derzeit, wie sich die Gesundheitsversorgung in Österreich weiterentwickeln müsse. Neben den Wiener Spitälern verwies Hacker dabei auch auf die rund um die Uhr gewährleistete Arzneimittelversorgung durch die Apotheken. „Das ist sehr essenziell, Sie leisten einen großen Beitrag dazu.“

Als „zentrale Unit“ der Gesundheitsversorgung bezeichnete Hacker die Gesundheitshotline 1450, in die Apotheken bereits eingebunden seien. „Menschen wollen Versorgungssicherheit und Erreichbarkeit, um ihre Sorgen loszuwerden“, so Hacker. „Dabei kann ich mich auf die Apotheken verlassen.“

„App muss mit 1450 kompatibel sein“

Auch die nun möglichen Anpassungen der Öffnungszeiten sprach der Gesundheitsstadtrat an. Eine Ausweitung bis 20 Uhr sei nicht überall notwendig, könne aber beispielsweise in innerstädtischen Wiener Bezirken einen zusätzlichen Beitrag zur Versorgung leisten.

Hacker würdigte zudem die zwei bis drei Nachtdienste pro Monat im derzeitigen Turnus sowie die Möglichkeit, die Verfügbarkeit von Arzneimitteln digital abzufragen. Hier sieht er noch Potenzial für eine stärkere Vernetzung: „Die Apps müssen meiner Meinung nach künftig mit 1450 kompatibel sein, die Hotline ist als Schnittstelle vorgesehen.“

Onlinehandel: Wie positioniert sich die Apothekerschaft?

Auch der zunehmende Onlinehandel mit Arzneimitteln war Thema des Abends. Die Apothekerschaft werde sich damit auseinandersetzen müssen, wie sie künftig mit Online-Apotheken umgehen wolle, meinte Hacker.

„Das wird künftig eine wichtige Frage sein. Viele Online-Händler stehen schon in der Türe und ich weiß, es ist eine Herausforderung, aber man muss sich dieser stellen.“ Als mögliche nationale Alternative brachte Hacker eine gemeinsame österreichische Online-Apotheken-Plattform ins Gespräch.

Einschachteln und Impfen in Apotheken

Diskutiert wurde außerdem das Einschachteln von Arzneimitteln in Apotheken. Ein Teilnehmer erinnerte daran, dass Ärzt:innen diese Leistung vor rund 30 Jahren bei Bedarf verordnen konnten und Apotheken dafür eine Vergütung erhielten. Für Hacker und viele Anwesende war diese frühere Regelung neu. „Danke für diesen Hinweis, auch das werde ich aus dem Gespräch mitnehmen.“

Beim Impfen in Apotheken zeigte sich der Gesundheitsstadtrat grundsätzlich offen. „Aus meiner Sicht spricht überhaupt nichts dagegen, dass Apotheker impfen. Es braucht allerdings klare Spielregeln.“

Klar sei, dass bei Patienten mit Erkrankungen vor einer Impfung eine entsprechende ärztliche Abklärung erfolgen müsse, führte Hacker weiter aus. Saiko stimmte dem zu und verwies darauf, dass sich ein Impfangebot in Apotheken auf unkomplizierte Impfungen bei gesunden Erwachsenen konzentrieren würde, etwa gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oder Influenza.

Einbrüche beschäftigen Wiener Apotheken

Zum Abschluss rückte auch die Serie von Einbrüchen in Wiener Apotheken in den Fokus. Eine Apothekerin berichtete, dass bereits viermal in ihren Betrieb eingebrochen worden sei. Rund 10.000 Euro habe sie mittlerweile in zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen investiert. Aus dem Publikum kam der Wunsch nach größerer politischer Aufmerksamkeit und raschen Maßnahmen.

Hacker erklärte, die Vorfälle bereits zu verfolgen. „Ich habe diese Einbrüche am Radar. Es wird sich ehrlicherweise nichts über Nacht ändern, das kann ich Ihnen nicht versprechen.“ Man stehe dazu sowohl mit der Wiener Apothekerkammer als auch mit dem Wiener Polizeipräsidenten in regem Austausch. Für Hacker steht fest: „Wir brauchen einfach mehr Polizisten.“

Zum Abschluss bedankte sich Hacker für die Einladung und den fachlichen Austausch. „Ich habe viel dazugelernt und werde mit neuen Gedanken nach Hause gehen.“ Die angesprochenen Themen wolle er auch in den weiteren Gesprächen mit Saiko aufgreifen.



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