Kaffee kann Medikamente ausbremsen


Sanja Agatic

Symbolbild: Eine Kaffee von der Vogelperspektive.
Wer bestimmte Medikamente mit Kaffee einnimmt, riskiert, dass weniger Wirkstoff aufgenommen wird und die Therapie möglicherweise nicht wirkt.Foto:stock.adobe.com/lizaelesina

Für viele Menschen beginnt der Tag mit einer Tasse Kaffee, oft direkt nach dem Aufstehen und nicht selten gemeinsam mit den ersten gemeinsam mit den ersten Medikamenten. Was harmlos wirkt, kann jedoch die Wirksamkeit bestimmter Arzneimittel deutlich beeinträchtigen. Der Grund liegt nicht in der Milch, sondern meist in den Inhaltsstoffen des Kaffees selbst.

Wer Medikamente einnimmt, denkt bei Wechselwirkungen häufig an andere Arzneimittel. Tätsachlich können aber auch Getränke die Therapie beeinflussen. Besonders Kaffee steht dabei immer wieder im Fokus. Anders als häufig angenommen, ist dabei nicht primär das Koffein das Problem. Kaffee enthält hunderte bioaktive Substanzen, darunter Polyphenole, Chlorogensäuren und Gerbstoffe. Diese können die Aufnahme bestimmter Wirkstoffe im Darm stören oder mit ihnen Komplexe bilden, die der Körper schlechter verwerten kann.

Levothyroxin

Eine der am besten untersuchten Wechselwirkungen betrifft Levothyroxin (Euthyrox, Thyrex). Studien zeigen, dass Kaffee die Aufnahme des Schilddrüsenhormons im Dünndarm deutlich reduzieren kann. Gleichzeitig beschleunigt Kaffee die Magen-Darm-Passage, wodurch dem Wirkstoff weniger Zeit für die Aufnahme bleibt. Die Folge zeigen sich oft schleichend: Trotz korrekter Einnahme können Müdigkeit, Konzentrationsprobleme oder Gewichtszunahme bestehen bleiben. Betroffene und manchmal sogar Behandelnde vermuten dann eine zu niedrige Dosierung, obwohl die Ursache lediglich im morgendlichen Kaffee liegen kann.

Deshalb gilt für Levothyroxin eine klare Empfehlung: Die Tablette sollte nüchtern mit Leitungswasser eingenommen werden. Erst danach sollte mindestens 30 bis 60 Minuten bis zum ersten Kaffee gewartet werden.

Eisenpräparate

Auch bei Eisenpräparaten (Tardyferon, Ferretab) spielt nicht das Koffein die Hauptrolle. Verantwortlich sind vor allem Polyphenole und andere Pflanzenstoffe im Kaffee. Sie können Eisen im Darm binden und schwer lösliche Komplexe bilden, die der Körper deutlich schlechter aufnehmen kann. Betroffen sind insbesondere orale Eisenpräparate mit Wirkstoffen wie Eisen(II)-sulfat, Eisen(II)-fumarat, Eisen(II)-glycinsulfat-Komplex oder Eisen(III)-hydroxid-Polymaltose-Komplex. Wird das Präparat regelmäßig gemeinsam mit Kaffee eingenommen, kann die Eisenaufnahme deutlich sinken. Gerade bei Patient:innen mit Eisenmangelanämie, Schwangere oder Personen mit chronischen Blutverlusten kann dies dazu führen, dass sich die Eisenwerte trotz regelmäßiger Einnahme langsamer verbessern als erwartet.

Empfehlenswert ist daher ein Abstand von mindestens ein bis zwei Stunden zwischen Eisenpräparat und Kaffee. Für die optimale Aufnahme sollten Eisen möglichst mit Wasser eingenommen werden, Vitamin-C-haltige Getränke wie Orangensaft können die Eisenaufnahme zusätzlich fördern.

Osteoporose-Medikamente

Noch kritischer ist die Situation bei Bisphosphonaten wie Alendronat (Fosamax) oder Risedronat (Actonel). Diese Wirkstoffe werden selbst unter optimalen Bedingungen nur in sehr geringen Mengen aufgenommen. Bereits kleine Einnahmefehler können die Bioverfügbarkeit weiter reduzieren. Kaffee, Tee, Milch, Fruchtsäfte oder Mineralwasser können die Aufnahme zusätzlich beeinträchtigen. Deshalb sollten Bisphosphonate ausschließlich mit Leitungswasser eingenommen werden. Danach sollte mindestens 30 Minuten lang weder gegessen noch Kaffee getrunken werden.

Kaffee zählt zu den am besten untersuchten Getränken der Welt. Gerade weil er täglich von Millionen Menschen konsumiert wird, beschäftigen sich Forschende seit Jahren mit seinem Einfluss auf Arzneimittel. Das Ergebnis: Selbst alltägliche Gewohnheiten können pharmakologisch relevanter sein als viele vermuten.



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