Barrierestärkende Cremes im Trend


Sanja Agatic

Symbolbild: Eine Nahaufnahme von einem Cremeklecks.
Hautschuzcremes können eine geschwächte Hautbarriere unterstützen. Für gesunde Haut sind sie jedoch nicht notwendig.Foto:stock.adobe.com/Marykor

Barrierestärkende Cremes, häufig auch als Barrier Creams bezeichnet, erleben derzeit einen Boom. In sozialen Medien gelten sie als Lösung für trockene, gereizte oder angeblich „geschädigteHaut. Sie können die Hautbarriere unterstützen, sie sind jedoch längt nicht nur für jeden Hauttyp sinnvoll.

Die Hautbarriere bilde die äußerste Schicht der Haut und erfüllt gleich mehrere Aufgaben: Sie schützt vor Bakterien, Allergenen und anderen Umwelteinflüssen und verhindert gleichzeitig, das zu viel Feuchtigkeit verloren geht. Vereinfacht besteht sie aus Hornzellen, die von einer Lipidmatrix zusammengehalten werden. Ceramide zählen dabei zu den wichtigsten Bestandteilen.

Wird die Schutzfunktion der Hautbarriere gestört, steigt der transepidermalte Wasserverlust (TEWL) an. Die Haut fühlt sich trocken an, spannt, schuppt oder brennt und reagiert häufig empfindlicher auf Kosmetikprodukte. Ursache sind oft äußere Einflüsse wie trockene Heizungsluft, intensive UV-Strahlung oder häufiges Händewaschen. Auch eine übertriebene Hautpflegeroutine mit mehreren Peelings oder hoch dosierten Wirkstoffen wie Retinol oder Fruchtsäuren kann die Hautbarriere vorübergehend beeinträchtigen.

Was barrierestärkende Cremes leisten können

Barrierestärkende Cremes bauen die Hautbarriere nicht neu auf. Die Regeneration übernimmt die Haut selbst. Die Produkte unterstützen diesen Prozess, indem sie den Feuchtigkeitsverlust verringern und die Haut mit pflegenden Inhaltsstoffen versorgen. Zu den am besten untersuchten Inhaltsstoffen zählen Ceramide. Sie sind natürlicher Bestandteil der Hautbarriere und werden deshalb häufig in barrierestärkenden Cremes eingesetzt. Ergänzt werden sie häufig durch Feuchthaltemittel wie Glycerin sowie Inhaltsstoffe wie Petrolatum oder Dimethicon, die einen schützenden Film auf der Haut bilden und den Wasserverlust verringern.

Dass dieser Ansatz wissenschaftlich begründet ist, zeigt eine 2023 veröffentliche systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse. Sie kam zu dem Ergebnis, dass ceramidhaltige Feuchtigkeitspflegen bei Menschen mit atopischer Dermatitis die Barrierefunktion verbessern und den Wasserverlust der Haut reduzieren können. Es wird darauf hingewiesen, dass die Wirkung von der jeweiligen Formulierung abhängt und weitere hochwertige Studien notwendig sind.

Nicht jede Haut braucht zusätzlichen Schutz

Der aktuelle Trend vermittelt häufig den Eindruck, jede Haut benötige eine barrierestärkende Creme. Dafür gibt es jedoch keine wissenschaftliche Grundlage. Sinnvoll sind diese Produkte vor allem bei sehr trockener oder empfindlicher Haut, bei Neurodermitis oder wenn die Haut durch Retinoide, Benzoylperoxid oder chemische Peelings vorübergehend gereizt ist. Auch im Winter können sie helfen, den erhöhten Feuchtigkeitsverlust auszugleichen. Wer dagegen eine intakte Hautbarriere hat, profitiert meist nicht von einer besonders reichhaltigen Pflege. Im Gegenteil: Zu viele Produkte oder unnötige komplexe Hautpflegeroutinen können die Haut zusätzlich reizen.

Bleiben die Beschwerden trotz angepasster Pflege bestehen oder kommen starker Juckreiz nässende Hautstellen oder Entzündungen hinzu, soll die Ursache dermatologisch abgeklärt werden. Hinter den Symptomen können auch Erkrankungen wie eine Neurodermitis, Rosazea oder ein allergisches Kontaktekzem stecken.



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