Kinder Apotheke: Wenn der Beruf greifbar wird


Sanja Agatic

Das gesamte Studententeam das bei der Veranstaltung geholfen hat.
Frau Bao Chau Dao (4. v. l.) und das Team der Kinder Apotheke geben Kindern zwischen 6 und 13 Jahren Einblicke in die vielfältige Welt der Pharmazie.TARA24

Kapseln füllen, Zäpfchen gießen, Salben mischen, Blutdruck messen und Tee verkosten: Bei der Kinder Apotheke in der Apothekerkammer wird Pharmazie nicht erklärt, sondern erlebt. Am 28. und 29. Mai öffnete die Veranstaltung erneut ihre Stationen für Kinder zwischen sechs und 13 Jahren und zeigt, dass Apotheke weit mehr ist als das, was junge Kund:innen an der Tara sehen.

Für viele Kinder ist die Apotheke vor allem mit einem kurzem Besuch verbunden: ein Medikament wird abgeholt, vielleicht gibt es ein Traubenzucker oder eine Kinderzeitschrift dazu. Die Kinder Apotheke setzt genau dort an und erweitert dieses Bild. Sie macht sichtbar, was hinter dem Beruf steckt: Herstellung, Beratung, Arzneiformen, Dosierung, Pflanzenkunde, Gesundheitswissen und Verantwortung.

Die Veranstaltung findet heuer zum zweiten Mal statt und das Interesse ist deutlich gestiegen. Während sie im Vorjahr noch an einem Tag durchgeführt wurde, wurde sie diesmal auf zwei Tage ausgeweitet. Dennoch waren die Plätze rasch vergeben. Es gibt bereits Wartelisten von Schulen, die dieses Mal nicht vor Ort teilnehmen konnten. Pro Stunde kann eine Schulklasse mit maximal 30 bis 40 Kindern die Stationen durchlaufen. Damit die Kinder möglichst individuell angesprochen werden können, wird jede Klasse in vier bis fünf kleinere Gruppen aufgeteilt.

Pharmazie zum Angreifen

An bis zu fünf Stationen lernen die Kinder unterschiedliche Bereiche der Apotheke kennen.

Besonders anschaulich wird es bei der Herstellung von Kapseln: Die Kinder arbeiten mit Milchzucker und erleben, wie genaues Arbeiten, Dosierung und Arzneiform zusammenhängen.

Bei der Zäpfchen-Station wird mit Glitzer und Farbe gegossen, spielerisch, aber mit ernstem Hintergrund. Denn auch hier wird sichtbar, warum gleichmäßige Verteilung und saubere Herstellung entscheidend sind.

Ähnlich funktioniert die Salben-Station. Mit Lebensmittelfarbe und Grundlage auf Öl- oder Wasserbasis können die Kinder beobachten, warum richtiges Mischen so wichtig ist. Der Wirkstoff soll schließlich nicht irgendwo konzentriert bleiben, sondern gleichmäßig verteilt sein.

Eine weitere Station widmet sich Tees. Dort lernen Kinder verschiedene Teedrogen kennen, können riechen, schauen, vergleichen und am Ende auch kosten. So wird Pflanzenkunde nicht abstrakt vermittelt, sondern über Geruch, Geschmack und Aussehen erfahrbar gemacht.

Die Station zu Blutdruck und Impfen bringt wiederum Gesundheitswissen näher: Was bedeutet Blutdruck? Warum wird gemessen? Was ist beim Impfen wichtig? Auch hier geht es nicht um trockene Theorie, sondern um Verstehen durch Mitmachen.

„Der beste Ausflug ever“

Frau Bao Chau Dao, Contact Person des akademischen Fachbereich österreichischer Pharmazeut:innen (AFÖP) und Forum der International Pharmaceutical Students Federation (IPSF), ist genau dieses aktive Erleben der zentrale Punkt.

„Wir möchten den Kindern zeigen, dass Apotheke nicht nur die Abgabe von Medikamenten bedeutet, sondern dass dahinter sehr viel Wissen, Handwerk und Verantwortung steckt.“

Wichtig sei ihr, dass Kinder nicht nur zuhören, sondern selbst ausprobieren können: „Wenn sie eine Kapsel füllen oder eine Salbe mischen, verstehen sie ganz konkret, worum es in der Pharmazie geht.“ Im Gespräch erzählt sie, dass die Rückmeldungen bisher mehr als positiv seien. Besonders im Kopf geblieben ist ihr die Aussage einer Schülerin: Es sei „der beste Ausflug ever“ gewesen und sie wollte unbedingt Apothekerin werden. „Solche Momente zeigen uns, dass das Konzept funktioniert“, sagt Dao. „Die Kinder gehen nicht einfach mit einem netten Erlebnis nach Hause, sondern mit einer neuen Vorstellung davon, was dieser Beruf alles sein kann.“

Solche Reaktionen zeigen, was die Kinder Apotheke leisten kann. Sie weckt nicht nur Neugier, sondern bringt den Beruf in Verbindung mit echten Tätigkeiten. Kinder sehen nicht nur die Tara, sondern erlebe, was Arzneimittel können, wie sie hergestellt werden und warum pharmazeutisches Wissen im Alltag eine Rolle spielt. Dao betont: „gerade dieses Aha-Erlebnis ist uns wichtig. Viele Kinder kennen die Apotheke nur von vorne, von der Kundenseite. Hier dürfen sie einen Blick hinter die Tara werfen.“ Unterstützt wird die Veranstaltung von Pharmaziestudierenden, die freiwillig bei den Stationen helfen.

Mehr als ein Ausflug

Die Kinder Apotheke soll weiterentwickelt werden. Die Stationen werden laut Dao laufend überdacht und angepasst, damit sie zeitgemäß bleiben und die tatsächliche Vielfalt des Berufs abbilden. „Wir überlegen jedes Jahr, was gut funktioniert hat und wo wir noch näher an der Lebensrealität der Kinder sein können“ erklärt sie. Auch eine Ausweitung ist denkbar: Weil die Nachfrage der Schulen so stark steigt, wird überlegt die Veranstaltung künftig auch direkt an Schulen zu bringen. „Wenn nicht alle Klassen zu uns kommen können, müssen wir uns ansehen, wie wir vielleicht zu ihnen kommen“, sagt Dao.



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