Laxanzien-Missbrauch: Wie der Teufelskreis entsteht und der Entzug gelingt


Viktoria Anderle

Frau auf der Toilette
Als besonders problematisch im Zusammenhang mit einem Missbrauch gelten laut Expert:innen anthraglykosidhaltige Laxanzien wie Aloe, Faulbaumrinde, Sennesblätter oder Rhabarber sowie die synthetischen Wirkstoffe Bisacodyl und Natriumpicosulfat.Foto: Goffkein/stock.adobe.com

Abführmittel gelten vielen Menschen als harmlose Hilfe bei Verstopfung. Bei längerer Anwendung können bestimmte Präparate jedoch einen Teufelskreis aus Darmträgheit, Dosiserhöhungen und gesundheitlichen Problemen auslösen. Besonders problematisch sind dabei sogenannte darmreizende Laxanzien, vor deren Missbrauch Experten warnen.

Die Anwendung von Abführmitteln kann in bestimmten Situationen erforderlich sein, ist jedoch nicht frei von Risiken. Vor allem bei längerfristiger oder unsachgemäßer Anwendung können gesundheitliche Probleme entstehen. Mit den Folgen eines Laxanzien-Missbrauchs sowie den Möglichkeiten eines sicheren Entzugs beschäftigt sich die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) auf ihrer Informationsplattform „Medikamente und Sucht“.

Vorsicht bei darmreizenden Laxanzien

Laxanzien, auch Abführmittel genannt, fördern die Darmentleerung auf unterschiedliche Weise. Manche Präparate erhöhen das Volumen des Darminhalts und regen dadurch die Darmbewegung an. Dazu zählen beispielsweise Quellstoffe wie Flohsamenschalen, Leinsamen oder Weizenkleie. Auch osmotisch wirkende Substanzen wie Lactulose binden Wasser im Darm und erleichtern so den Stuhlgang. Daneben gibt es Gleitmittel, die den Stuhl geschmeidiger machen und die Darmpassage erleichtern.

Besonders kritisch im Bezug auf einen Missbrauch bewertet die DHS jedoch die sogenannten darmreizenden Laxanzien. Zu dieser Gruppe zählen unter anderem:

  • Bisacodyl
  • Natriumpicosulfat
  • Sennesblätter
  • Aloe
  • Faulbaumrinde
  • Rhabarberwurzel

Diese Wirkstoffe hemmen die Rückresorption von Wasser und Elektrolyten wie Natrium aus dem Darm und fördern gleichzeitig deren Ausscheidung.

Wann sind sie sinnvoll?

Laxanzien können in bestimmten Situationen sinnvoll sein, etwa bei längerer Bettlägerigkeit, nach Operationen im Bauchraum oder nach einem Herzinfarkt beziehungsweise einer Thrombose, wenn starkes Pressen vermieden werden soll. Auch bei Verstopfung infolge einer Diverkulitis oder durch die dauerhafte Einnahme morphinhaltiger Arzneimittel können Abführmittel erforderlich werden. Bevorzugt werden sollten dabei Quellstoffe wie Flohsamenschalen, Leinsamen oder Weizenkleie sowie osmotisch wirksame Präparate wie Lactulose.

Da viele Laxanzien rezeptfrei erhältlich sind, weist die DHS ausdrücklich auf die Verantwortung von Apotheker:innen und PKA hin, durch gezielte Beratung und Aufklärung einem Missbrauch vorzubeugen. 

Was ist das Problem?

Das Hauptproblem besteht darin, dass sich der Darm an die regelmäßige Reizung gewöhnen kann. Mit der Zeit reagiert er immer weniger auf natürliche Reize und „wartet“ gewissermaßen auf die Einnahme des Abführmittels. Die Folge: Um dieselbe Wirkung zu erzielen, werden häufig höhere Dosierungen benötigt. Es entsteht ein Teufelskreis aus Einnahme, Gewöhnung und Dosiserhöhung.

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen betont, dass Laxanzien zwar nicht zu den klassischen Suchtstoffen zählen, da sie keine direkten Wirkungen auf das zentrale Nervensystem besitzen. Dennoch könne sich ein suchtähnliches Verhalten entwickeln. Neben der körperlichen Gewöhnung spiele dabei oft auch die psychische Fixierung auf Verdauung, Gewicht oder vermeintliche „Entschlackung“ eine Rolle.

Häufig falsche Vorstellungen über Verdauung

Ein häufiger Grund für den Missbrauch ist laut DHS die falsche Annahme, täglicher Stuhlgang sei zwingend notwendig. Tatsächlich gelte alles zwischen dreimal täglich und einmal alle drei Tage als normal.

Wichtig: Nach einer vollständigen Entleerung durch ein Laxans benötigt der Darm meist zwei bis drei Tage, bis erneut Stuhlgang möglich ist. Bleibt dieser am Folgetag aus, sollte daher nicht vorschnell nachdosiert werden!

Auch die Vorstellung, den Körper durch häufige Darmentleerungen von „Giftstoffen“ zu befreien, bezeichnet die DHS als Irrglauben. Dieser gehe auf historische Vorstellungen aus Antike und Mittelalter zurück und habe keine wissenschaftliche Grundlage. Hinzu kommt der Missbrauch von Laxanzien als vermeintliche Schlankheitsmittel. Besonders bei Essstörungen kann die regelmäßige Einnahme Teil eines problematischen Verhaltensmusters werden.

Welche Folgen drohen?

Die langfristige Anwendung von Abführmitteln kann verschiedene gesundheitliche Probleme verursachen:

  • zunehmende Darmträgheit,
  • Elektrolytverluste, insbesondere Kalium,
  • Herzrhythmusstörungen,
  • Muskelschwäche,
  • krampfartige Magen-Darm-Beschwerden sowie
  • Reizungen der Darmschleimhaut.

Vor allem der Verlust von Kalium kann schwerwiegende Folgen haben und das Risiko für kardiale Komplikationen erhöhen.

Wie gelingt der Entzug?

Wer Laxanzien über längere Zeit eingenommen hat, sollte diese laut DHS nicht abrupt absetzen. Ein plötzliches Absetzen könne das Risiko eines Darmverschlusses erhöhen. Stattdessen empfehlen die Experten, die Dosis schrittweise über einen Zeitraum von ein bis drei Wochen zu reduzieren. Bei höheren Dosierungen oder längerem Missbrauch sollte dies ärztlich begleitet werden.

Zusätzlich rät die DHS zu:

  • einer ausreichenden Trinkmenge von mindestens 2,5 Litern täglich,
  • regelmäßiger körperlicher Bewegung sowie
  • einer Aufklärung über die normale Funktion der Verdauung.

Gerade letzterer Punkt gilt als besonders wichtig. Falsche Vorstellungen über die Häufigkeit des Stuhlgangs oder die vermeintliche „Entgiftung“ des Körpers könnten andernfalls zu Rückfällen führen.

Prognose hängt von der Ursache ab

Wie gut sich ein Laxanzien-Missbrauch überwinden lässt, hängt laut DHS wesentlich von den Ursachen ab. Liegt beispielsweise eine Essstörung zugrunde, richtet sich die Prognose vor allem nach der Behandlung der Grunderkrankung. Beruht der Missbrauch hingegen auf Fehlinformationen über eine normale Verdauung, sind die Aussichten bei entsprechender Aufklärung meist günstig.



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