Mundwinkelrhagaden im Faktencheck


Sanja Agatic

Symbolbild: Nahaufnahme vom Mundbereich mit Mundwinkelrhagaden.
Mundwinkelrhagaden entstehen häufig durch mehrere Faktoren gleichzeitig. Neben einer geschädigten Hautbarriere können auch Speichel, Infektionen oder Nährstoffmängel eine Rolle spielen. Foto:stock.adobe.com/KseniyA

Sie brennen, schmerzen beim Essen und reißen immer wieder auf: Mundwinkelrhagaden zählen zu den häufigsten Veränderungen im Bereich der Lippen. Hinter den kleinen Einrissen steckt jedoch weit mehr als trockene Haut, die Ursachen reichen von ständigem Lippenlecken über Infektionen bis hin zu Grunderkrankungen oder Nährstoffmängeln.

Mundwinkelrhagaden oder Mundecken, medizinische auch anguläre Chleilitis genannt sind entzündliche Einrisse an den Mundwinkeln. Die haut ist dort besonders empfindlich, weil sie bei jedem Sprechen, Essen oder Gähnen gedehnt wird. Wird die Hautbarriere geschädigt, entstehen schmerzhafte Risse, die sich entzünden und nur langsam abheilen können. Die aktuelle Übersichtsarbeit „Angular Cheilitis“ unter der Leitung von Brizuela beschreibt Mundwinkelrhagaden als Erkrankung mit einer multifaktoriellen Ursache. Meist kommen mehrere Auslöser gleichzeitig zusammen und nicht nur ein einzelner Faktor.

Speichel kann die Heilung verhindern

Viele Betroffene befeuchten die schmerzende Stelle immer wieder mit der Zunge. Was kurzfristig angenehm erscheint, verschlechtert die Situation häufig. Speichel enthält Verdauungsenzyme, die die ohnehin geschädigte Haut zusätzlich reizen. Gleichzeitig bleibt die Haut dauerhaft feucht und weicht auf. Dadurch können sich Keime leichter vermehren. Besonders häufig werden Candida albicans sowie Staphlococcus aureus nachgewiesen. Laut Brizuela zählen diese Errerger zu den häufigsten infektiösen Ursachen beziehungsweise Begleitinfektionen von Mundwinkelrhagaden. Auch schlecht sitzende Zahnprotesen, vermehrter Speichelfluss, häufiges Mundatmen oder tiefe Hautfalten im Mundwinkel können dazu beitragen, dass Speichel ständig an den Mundwinkeln bleibt.

Nicht nur eine mögliche Ursache

Im Zusammenhang mit eingerissenen Mundwinkeln wird häufig sofort an Eisenmangel gedacht. Es können ein Mangel an Eisen, Vitamin B2 (Riboflavin), Vitamin B6, Vitamin B12 oder Vitamin B9 (Folsäure) Mundwinkelrhagaden begünstigen, sie sind jedoch längst nicht für alle Fälle verantwortlich.

Ebenso können Diabetes mellitus, Neurodermitis, Kontaktallergien, entzündliche Hauterkrankungen oder Medikamente, die den Mund austrocknen, das Risiko erhöhen. Wiederkehrende oder schlecht heilende Mundwinkelrhagaden sollten deshalb nicht ausschließlich mit einer Salbe behandelt werden. In solchen Fällen kann eine ärztliche Abklärung mit Blutuntersuchung sinnvoll sein, um mögliche Grunderkrankungen oder Nährstoffmängel auszuschließen. Darauf weist auch die aktuelle Übersichtsarbeit hin.

Die Behandlung richtet sich nach dem Auslöser

Nicht jede eingerissene Mundwinkelstelle benötigt dieselbe Behandlung. Liegt lediglich eine gereizte Hautbarriere vor, können fetthaltige Schutzsalben beispielsweise mit Vaseline oder Dexpanthenol helfen, die Haut vor weiterer Feuchtigkeit und Reibung zu schützen. Besteht dagegen eine Pilzinfektion, reichen reine Pflegesalbe meist nicht aus. Dann sind antimykotische Cremes erforderlich. Bei einer bakteriellen Infektion können antibiotische Präparate notwendig sein. Wird ein Eisen- oder Vitaminmangel festgestellt, sollte dieser gezielt behandelt werden. Nur so lässt sich verhindern, dass die Beschwerden immer wieder auftreten.

Diese Fehler verzögern die Heilung

Wer Mundwinkelrhagaden möglichst rasch loswerden möchte, sollte typische Fehler vermeiden:

  • ständig über die Mundwinkel lecken
  • Krusten oder eingerissene Haut abziehen
  • scharfe, stark saure oder sehr salzige Speisen auf die entzündeten Stellen gelangen lassen
  • ständig zwischen verschiedenen Lippenpflegeprodukten wechseln
  • Kortisoncremes ohne ärztliche Diagnose anwenden, insbesondere bei einer Pilzinfektion können sie die Beschwerden verschlechtern
  • nur die Symptome behandeln, ohne nach der eigentlichen Ursache zu suchen


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