Einteilung topischer Corticosteroide


Viktoria Anderle

Symbolbild: Eine Nahaufnahme von einem Cremeklecks.
Die Wirkstärkenklasse gibt eine wichtige Orientierung bei Dermocortikoiden. Für die Wirkung und das Nebenwirkungsrisiko spielen jedoch auch Anwendungsdauer, Körperstelle und Hautzustand eine Rolle.Foto:stock.adobe.com/Marykor

Topische Corticosteroide zählen zu den wichtigsten Arzneimitteln zur Behandlung entzündlicher Hauterkrankungen. Doch nicht alle Wirkstoffe sind ident: Je nach Wirkstoff reicht die Wirkstärke von schwach bis sehr stark. Die Einteilung in vier Klassen erleichtert es, die Potenz eines Präparats einzuschätzen.

Topische Corticosteroide, auch Dermocortikoide genannt, gelangen in die Zellen und binden dort an Glucocorticoid-Rezeptoren. Der entstehende Komplex beeinflusst die Genexpression: Die Bildung entzündungshemmender Proteine wie Annexin A1 wird gefördert, während die Expression proinflammatorischer Zytokine und Enzyme wie Cyclooxygenase-2(COX-2) gehemmt wird. Dadurch wirken die Arzneistoffe entzündungshemmend, antiallergisch, immunsuppressiv, gefäßverengend und juckreizlindernd. Eingesetzt werden sie unter anderem bei Ekzemen, atopischer Dermatitis, Psoriasis und allergischen Hautreaktionen.

Zur Verfügung stehen Cremen, Salben, Lotionen, Lösungen, Gele, Schäume sowie Präparate für die Kopfhaut. Welche Zubereitung geeignet ist, richtet sich nicht nur nach der Erkrankung, sondern auch nach der betroffenen Körperstelle und dem Zustand der Haut.

Vier Stärkeklassen

In Europa werden topische Corticosteroide üblicherweise in vier Wirkstärkeklassen eingeteilt. Die Zuordnung bezieht sich dabei nicht allein auf den Wirkstoff. Auch dessen Konzentration, die Grundlage und die Darreichungsform beeinflussen, wie stark ein Präparat wirkt. 

Klasse I: schwach wirksam

Schwach wirksame Corticosteroide kommen vor allem bei leichteren Entzündungen und an empfindlichen Hautstellen infrage. Auch bei Kindern werden, sofern eine Behandlung angezeigt ist, möglichst schwach wirksame Präparate gewählt.

  • Hydrocortison, Hydrocortisonacetat 
  • Prednisolonacetat

Auch Murmeltiersalbe enthält mit Hydrocortison einen natürlichen Vertreter der schwach wirksamen Corticosteroide.

Klasse II: mittelstark wirksam

Mittelstark wirksame Präparate werden bei ausgeprägteren, aber noch nicht schweren entzündlichen Hautveränderungen eingesetzt.

  • Hydrocortisonbutyrat
  • Clobetasonbutyrat
  • Flumetasonpivalat
  • Fluprednidenacetat (Decoderm)
  • Triamcinolonacetonid (Pevisone, in Kombination mit Econazol)

Klasse III: stark wirksam

Stark wirksame Corticosteroide kommen bei deutlich ausgeprägten oder hartnäckigen Entzündungen zum Einsatz. Aufgrund ihres höheren Nebenwirkungspotenzials sollten sie besonders an empfindlichen Hautstellen nur zurückhaltend angewendet werden.

  • Betamethasonvalerat (Betnovate)
  • Diflucortolonvalerat (Neriforte; Travocort in Kombination mit Isoconazol, Nerisona)
  • Fluocinonid
  • Methylprednisolonaceponat (Advantan)
  • Mometasonfuroat (Elocon, Momecutan)
  • Fluticasonpropionat

Klasse IV: sehr stark wirksam

Sehr stark wirksame Corticosteroide sind schweren und therapieresistenten Hauterkrankungen vorbehalten. Sie sollen nur kurzzeitig und auf begrenzten Flächen angewendet werden.

  • Clobetasolpropionat (Dermovate)

Clobetasolpropionat gehört zur höchsten Wirkstärkeklasse. Es wird unter anderem bei hartnäckigen Ekzemen, Psoriasis, Lichen planus und diskoidem Lupus erythematodes eingesetzt, wenn schwächer wirksame Präparate nicht ausreichend helfen. Die Behandlung soll grundsätzlich vier Wochen nicht überschreiten.

Wirkstärke ist nicht gleich Nebenwirkungsrisiko

Mit zunehmender Wirkstärke steigt grundsätzlich auch das Risiko unerwünschter Wirkungen. Allerdings entscheiden nicht nur Wirkstoff und Konzentration darüber. Auch Anwendungsdauer, behandelte Fläche, Körperstelle, Hautzustand und Grundlage beeinflussen die Aufnahme. Unter luftdichten Verbänden, auf entzündeter Haut sowie im Gesicht, in Hautfalten und im Genitalbereich können größere Wirkstoffmengen aufgenommen werden.

Mögliche lokale Nebenwirkungen sind Brennen, Juckreiz, Hautreizungen und allergische Reaktionen. Bei zu langer oder unsachgemäßer Anwendung können Hautatrophien, Dehnungsstreifen, Pigmentveränderungen, eine verstärkte Behaarung und sichtbare Gefäßerweiterungen entstehen. Bei großflächiger Anwendung können stark wirksame Präparate zudem systemische Corticosteroidwirkungen verursachen.

Dünn und so kurz wie notwendig

Dermocortikoide werden in der Regel ein- bis zweimal täglich dünn auf die betroffenen Stellen aufgetragen. Häufigeres Auftragen verbessert die Wirkung meist nicht, kann das Nebenwirkungsrisiko jedoch erhöhen. Wichtig ist es zu wissen, dass bei einer fachgerechten und zeitlich begrenzten Anwendung ist die oftmals verbreitete Angst vor Cortisonsalben unbegründet ist.



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