Wer an eine Apotheke denkt, hat meist die klassische Tara vor Augen: Patient:innen lösen Rezepte ein, lassen sich beraten oder kaufen Arzneimittel für die Hausapotheke. Doch ein großer Teil der Arzneimittelversorgung findet abseits des öffentlichen Kundenverkehrs statt. In Anstaltsapotheken sorgen Apotheker:innen und PKA dafür, dass Krankenhäuser rund um die Uhr mit Medikamenten versorgt werden. Obwohl beide Einrichtungen demselben Ziele dienen, unterscheiden sich Aufgaben und Arbeitsalltag deutlich.
Der größte Unterschied liegt im Versorgungsauftrag. Öffentliche Apotheken versorgen die Bevölkerung direkt mit Arzneimitteln, Medizinprodukten und Gesundheitsdienstleistungen. Sie sind Anlaufstelle für Rezeptabwicklung, Selbstmedikation und pharmazeutische Beratung.
Anstaltsapotheken hingegen versorgen ausschließlich Krankenanstalten. Die Arzneimittel gelangen nicht direkt an Patient:innen, sondern werden an Stationen, Ambulanzen oder Funktionsbereiche des Krankenhauses abgegeben. Der Kontakt zur Öffentlichkeit entfällt weitgehend. Trotz dieser unterschiedlichen Aufgaben erfüllen beide Einrichtungen eine zentrale Funktion im österreichischen Gesundheitssystem: die sichere und qualitativ hochwertige Versorgung mit Arzneimitteln.
Kundenkontakt versus Krankenhauslogistik
Der Arbeitsalltag in öffentlichen Apotheken ist stark vom direkten Patientenkontakt geprägt. Beratungsgespräche, Rezeptabrechnung, Sichtwahlmanagement, Warenpräsentation und organisatorische Aufgaben gehören zum täglichen Geschäft. In Anstaltsapotheken stehen dagegen andere Schwerpunkte im Vordergrund. Hier geht es vor allem um die Versorgung von Stationen, die Bevorratung von Arzneimitteln und die Zusammenarbeit mit Ärzt:innen und Pflegepersonal.
Zusätzlich übernehmen viele Krankenhausapotheken Aufgaben, die in öffentlichen Apotheken deutlich seltener vorkommen. Dazu zählen etwa die Herstellung steriler Arzneimittel, die Zubereitung individueller Infusionslösungen oder die Produktion von Zytostatika für die Krebstherapie. Dadurch ähnelt der Arbeitsalltag in manchen Bereichen eher einem pharmazeutischen Produktionsbetrieb als einer klassischen Apotheke.
Welche Rolle spielen PKA?
Auch für pharmazeutisch-kaufmännische Assistent:innen unterscheiden sich die Tätigkeiten je nach Arbeitsumfeld. In öffentlichen Apotheken sind PKA häufig erste Ansprechpartner:innen für organisatorische Anliegen. Sie kümmern sich um Warenwirtschaft, Bestellungen, Sichtwahlpflege, Lagerhaltung, Kosmetikprodukte und unterstützen das pharmazeutische Personal im Tagesgeschäft.
In Anstaltsapotheken verschiebt sich der Schwerpunkt stärker auf Logistik und Versorgung. PKA übernehmen unter anderem die Warenannahme, Lagerverwaltung, Kommissionierung von Stationsanforderungen, Dokumentation sowie Organisation großer Arzneimittelbestände. Während in öffentliche Apotheken täglich zahlreiche Kundengespräche stattfinden, arbeiten PKA in Krankenhausapotheken meist im Hintergrund des Versorgungsprozesses.
Dieselben Gesetze, unterschiedliche Anforderungen
Sowohl öffentliche Apotheken als auch Anstaltsapotheke basieren auf dem österreichischen Apothekengesetz. Dennoch ergeben sich im Krankenhaus zusätzliche Anforderungen. Krankenhäuser müssen umfangreiche Qualitäts- und Sicherheitsstandards einhalten. Besonders bei sterilen Arzneiformen, Zytostatika oder patientenindividuellen Zubereitungen gelten strenge Dokumentations- und Kontrollpflichten. Qualitätssicherung, Rückverfolgbarkeit und standardisierte Prozesse spielen in Anstaltsapotheken eine besondere große Rolle.
Unterschiede beim Kollektivvertrag
Auch arbeitsrechtlich unterscheiden sich die beiden Bereiche. Beschäftigte öffentlicher Apotheken fallen grundsätzlich unter die Kollektivverträge des österreichischen Apothekenwesens. Dort sind Gehälter, Arbeitszeiten, Zulagen und weitere Rahmenbedingungen geregelt.
In Anstaltsapotheken hängt der Kollektivvertrag hingegen vom jeweiligen Krankenhausträger ab. Je nach Bundesland oder Betreiber können Landesdienstrecht, Gemeindeverträge, Ordensspital-Kollektivverträge oder andere Krankenhausregelungen zur Anwendung kommen. Dadurch können sich Gehaltsschemata, Zulagen, Dienstzeiten und Karrierewege teilweise deutlich unterscheiden.
