Pflaster drauf, Schmerz weg?


Redaktion

Symbolbild: Der untere Rücken eines Mannes mit einem Pflaster bedeckt.
Wärme, Diclofenac und Lidocain wirken gegen unterschiedliche Arten von Schmerz, entscheidend ist, ob Verspannung, Entzündung oder Nervenschmerz dahintersteckt.Foto:stock.adobe.com/Uwe Grötzner

Sie kleben auf dem Rücken, der Schulter oder dem Knie und sehen auf den ersten Blick ähnlich aus. Doch Wärmepflaster, Diclofenac- und Lidocain-Pflaster verfolgen völlig unterschiedliche Strategien gegen Schmerzen. Wer nur nach „einem Pflaster gegen Schmerzen“ sucht, kann deshalb schnell beim falschen Wirkprinzip landen.

Ein verspannter Rücken nach langem Sitzen, ein schmerzendes Knie nach dem Sport oder brennende Nervenschmerzen nach einer Gürtelrose: Für all diese Beschwerden gibt es Pflaster. Während Wärmepflaster ohne Arzneistoff auskommen, hemmt Diclofenac Entzündungsprozesse. Lidocain wiederum setzt direkt an der Weiterleitung von Schmerzreizen in den Nerven an. Welche Variante sinnvoll ist, hängt deshalb weniger vom Schmerzort als von der Art des Schmerzes ab.

Wärme, damit Muskeln entspannen

Wärmepflaster erzeugen über mehrere Stunden eine gleichmäßige lokale Wärme. Dadurch steigt die Durchblutung, die Muskulatur kann sich entspannen und das Schmerzempfinden nimmt ab. Typische Einsatzgebiete sind muskuläre Verspannungen oder unspezifische Rückenschmerzen. Die Studienlage ist allerdings nicht völlig eindeutig. Ältere randomisierte Untersuchungen fanden bei akuten unspezifischen Kreuzschmerzen eine Schmerzlinderung durch kontinuierliche Niedrigtemperatur-Wärme.

Eine 2026 veröffentlichte randomisierte Studie von Cote-Picard und Kolleg:innen mit 99 Erwachsenen kam dagegen zu einem nüchterneren Ergebnis: Nach einer Woche war ein Wärmewickel weder allein noch gemeinsam mit Übungen einem Scheinpflaster bei der schmerzbedingten Einschränkung statistisch überlegen.

Wärme bleibt damit vor allem eine symptomatische Maßnahme. Bei einer frischen Verletzung mit deutlicher Schwellung, Überwärmung oder akuter Entzündung passt das Prinzip dagegen weniger gut.

Diclofenac gegen die Entzündung

Ein Diclofenac-Pflaster gehört zu den topischen nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAID). Der Wirkstoff hemmt Cyclooxygenasen und damit die Bildung von Prostaglandinen, die an Schmerz und Entzündung beteiligt sind. Das macht Diclofenac vor allem bei Prellungen, Zerrungen, Verstauchungen und anderen lokal begrenzten Beschwerden des Bewegungsapparates interessant. Anders als beim Wärmepflaster wird hier nicht nur das Schmerzempfinden beeinflusst, sondern ein entzündlicher Prozess pharmakologisch gedämpft.

Ein systematischer Review wertete 23 Studien mit insgesamt 5170 Teilnehmenden zu akutem muskuloskelettalem Schmerz aus. Diclofenac-Pflaster waren Placebo überlegen; rechnerisch musste etwa bei fünf Personen behandelt werden, damit eine zusätzliche Person eine deutliche Schmerzlinderung erreichte.

Auch eine weitere randomisierte Studie mit 164 Personen nach akuten Sportverletzungen zeigte nach 48 Stunden eine deutlich stärkere Abnahme der Bewegungsschmerzen unter einem Diclofenac-Pflaster als unter Placebo. „Lokal“ bedeutet allerdings nicht „ohne Nebenwirkungen“. Hautreizungen sind möglich und auch topisch angewendetes Diclofenac wird teilweise systemisch aufgenommen. Begleiterkrankungen, andere NSAR und die jeweiligen Fachinformationen bleiben deshalb relevant.

Pflaster oder Gel?

Diclofenac gibt es auch als Gel. Das macht Pflaster und Gel nicht vollkommen austauschbar. Beim Pflaster wird über längere Zeit Wirkstoff an einer definierten Stelle abgegeben, während ein Gel je nach Präparat mehrmals täglich aufgetragen wird. Interessant ist, dass in der systematischen Auswertung von Wiffen und Xia die Wirksamkeit je nach Formulierung unterschiedlich ausfiel. Für einige Diclofenac-Gele war die Effektstärke sogar höher als bei Pflastern.

Lidocain bei neuropathischen Schmerzen

Beim Lidocain-Pflaster geht es weder um Wärme noch primär um Entzündung. Lidocain ist ein Lokalanästhetikum und blockiert spannungsabhängige Natriumkanäle in Nervenzellen. Dadurch können Schmerzsignale schlechter weitergeleitet werden. Sein klassisches Einsatzgebiet sind deshalb lokalisierte neuropathische Schmerzen, insbesondere nach einer Gürtelrose. Typisch sind brennende, stechende oder elektrisierende Schmerzen und eine ausgeprägte Berührungsempfindlichkeit.

Ein Review kommt zu dem Schluss, dass 5-prozentige Lidocain-Pflaster vor allem bei klar umschriebenen neuropathischen Schmerzen eine etablierte lokale Therapieoption darstellen. Was leicht übersehen wird: Ein Lidocain-Pflaster ist nicht einfach das „stärkere Schmerzpflaster“. Bei einer entzündeten Sehne oder einem verstauchten Knöchel verfolgt es nicht dasselbe therapeutische Ziel wie Diclofenac.



– Newsletter

Bleiben Sie stets informiert!

[sibwp_form id=1]