Betäuben, Entzündung bremsen oder Keime reduzieren: Bei Halsschmerztabletten entscheidet nicht nur der Geschmack über die Wirkung. Lidocain, Flurbiprofen, Benzydamin und klassische Antiseptika setzen an unterschiedlichen Stellen an und sind deshalb nicht für jede Beschwerde gleichermaßen sinnvoll.
Der Hals kratzt, Schlucken tut weh, am Abend kommt deutliches Brennen dazu. Vor dem Regal sehen viele Präparate dennoch ähnlich aus: Lutschtablette, Minz- oder Zitronengeschmack, schnelle Hilfe gegen Halsschmerzen. Pharmakologisch liegen dazwischen deutliche Unterschiede.
Lidocain: Wenn der Schmerz im Vordergrund steht
Lidocain gehört zu den Lokalanästhetika. Es blockiert spannungsabhängige Natriumkanäle in den Nervenzellen und unterbricht damit vorübergehend die Weiterleitung von Schmerzreizen. Im Hals macht sich das als Taubheitsgefühl bemerkbar. Eine randomisierte, placebokontrollierte Studie von Wonnemann und Kolleg:innen mit 240 Patient:innen untersuchte Lutschtabletten mit 8 mg Lidocain bei akuter Pharyngitis. Die Lidocain-Gruppe erreichte eine stärkere Schmerzlinderung als die Placebogruppe.
Der Effekt hat allerdings eine Kehrseite: Durch die örtliche Betäubung können auch Zunge und Rachen weniger empfindlich sein. Direkt danach sehr heiße Speisen oder Getränke zu konsumieren, ist deshalb keine gute Idee, denn Verbrennungen werden unter Umständen später bemerkt. Lidocain nimmt außerdem den Schmerz, beseitigt aber nicht dessen Ursache. Altersgrenzen unterscheiden sich bei Kombinationspräparaten und sollten anhand der jeweiligen Gebrauchsinformation geprüft werden.
Flurbiprofen: gegen Schmerzen und Entzündungen
Ist der Hals deutlich entzündet und das Schlucken schmerzhaft, verfolgt Flurbiprofen einen anderen Ansatz. Der Wirkstoff gehört zu den nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) und hemmt die Bildung von Prostaglandinen. Dadurch werden sowohl die Entzündungsreaktion als auch der Schmerz gedämpft.
In der randomisierten Studie „Relief of sore throat with the anti-inflammatory throat lozenge flurbiprofen 8.75 mg“ mit 301 Patient:innen war Flurbiprofen 8,75 mg dem Placebo bei mehreren Schmerzparametern überlegen. Eine Besserung der Halsschmerzen zeigte sich bereits nach 15 Minuten und hielt über Stunden an.
Trotz der lokalen Anwendung bleibt Flurbiprofen jedoch ein NSAR. Bei früheren Reaktionen auf Acetylsalicylsäure oder andere NSAR, bestimmten Magen-Darm-Erkrankungen sowie schwerer Nieren-, Leber- oder Herzinsuffizienz ist besondere Vorsicht geboten. Auch die gleichzeitige Einnahme anderer NSAR sollte berücksichtigt werden. Flurbiprofen-Lutschtabletten sind für die kurzfristige Anwendung gedacht, entsprechende Präparate sind typischerweise ab zwölf Jahren zugelassen und sollen laut Fachinformation maximal drei Tage verwendet werden.
Benzydamin: lokal gegen Entzündung und Schmerz
Benzydamin liegt gewissermaßen zwischen den Kategorien. Der Wirkstoff wirkt lokal entzündungshemmend und schmerzlindernd und besitzt zusätzlich lokalanästhetische Eigenschaften. Damit eignet er sich besonders, wenn Schmerz und gereizte oder entzündete Schleimhaut gemeinsam auftreten.
In einer Phase-IV-Studie mit 363 Erwachsenen wurde Benzydamin als Spray und als 3-mg-Lutschtablette verglichen. Bei beiden Darreichungsformen setzte eine wahrnehmbare Schmerzlinderung rasch ein und hielt mehrere Stunden an. Bei 3-mg-Lutschtabletten gibt es Präparate, die ab sechs Jahren eingesetzt werden können, die konkrete Zulassung und Dosierung muss jedoch produktbezogen geprüft werden. Die Behandlung soll bei entsprechenden Präparaten sieben Tage nicht überschreiten.
Antiseptika: nicht die stärkere Wahl
Klassische Halstabletten enthalten häufig Amylmetacresol und 2,4-Dichlorbenzylalkohol. Beide Substanzen besitzen antiseptische Eigenschaften und wirken lokal im Mund und Rachenraum. Laboruntersuchungen zeigen antibakterielle sowie teilweise antivirale und antimykotische Effekte.
Das bedeutet allerdings nicht, dass bei jedem viralen Halskratzen möglichst viele antiseptische Wirkstoffe notwendig sind. Akute Halsschmerzen werden überwiegend symptomatisch behandelt. Auch die NICE-Leitlinie weist darauf hin, dass wirkstoffhaltige Lutschtabletten mit Lokalanästhetika, NSAR oder Antiseptika Schmerzen lindern können, der durchschnittliche Zusatznutzen insgesamt aber eher begrenzt ist.
