Blutdruck und Rauchverhalten zählen zu den wichtigsten Stellschrauben für ein langes Leben. Eine große internationale Studie zeigt, dass das Fehlen dieser zentraler Risikofaktoren die Lebenserwartung deutlich verlängern kann. Besonders Veränderungen im mittleren Alter bringen messbare gesundheitliche Vorteile.
Viele Herz-Kreislauf-Erkrankungen stehen in engem Zusammenhang mit beeinflussbaren Risikofaktoren. Dazu zählen insbesondere Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte, Rauchen, Diabetes sowie Über- oder Untergewicht. Schätzungen zufolge lassen sich rund 50 Prozent aller kardiovaskulären Erkrankungen weltweit auf diese fünf Faktoren zurückführen.
Zwei Millionen Menschen aus 39 Ländern
Eine aktuelle internationale Kohortenstudie hat nun untersucht, wie sich das Vorhandensein oder Fehlen dieser Risikofaktoren (arterielle Hypertonie, Hyperlipidämie, Untergewicht und Adipositas, Diabetes sowie Rauchen) auf die Lebenserwartung und das Erkrankungsrisiko auswirkt.
Die Analyse basiert auf Daten von mehr als zwei Millionen Menschen aus 133 Kohorten in 39 Ländern auf sechs Kontinenten. Untersucht wurde das Lebenszeitrisiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie die Gesamtsterblichkeit bis zu einem Alter von 90 Jahren. Das Lebenszeitrisiko ist definiert als die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens mindestens einmal von einer bestimmten Erkrankung betroffen zu sein.
Weniger gesunde Lebensjahre
Das Vorliegen aller fünf Risikofaktoren wirkt sich deutlich auf die Lebensqualität und -dauer aus. Liegen im Alter von 50 Jahren alle fünf Risikofaktoren vor, wird das Lebenszeitrisiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen signifikant beeinflusst.
Lebenszeitrisiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (bei Vorliegen aller fünf Risikofaktoren im Alter von 50 Jahren):
- Frauen: 24 Prozent
- Männer: 38 Prozent
Verlust an gesunden Lebensjahren (ohne Herz-Kreislauf-Erkrankung):
- Frauen: minus 13,3 Jahre
- Männer: minus 10,6 Jahre
Verlust an Gesamtlebenszeit:
- Frauen: minus 14,5 Jahre
- Männer: minus 11,8 Jahre
Umgekehrt zeigt sich ein klarer Vorteil für Personen ohne diese Risikofaktoren: Sie gewinnen im Schnitt mehr als zehn zusätzliche Lebensjahre ohne Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Prävention wirkt besonders im mittleren Alter
Besonders relevant sind Veränderungen im mittleren Lebensalter. Die Studie zeigt, dass eine Senkung des Blutdrucks zwischen 55 und 60 Jahren mit den meisten zusätzlichen Jahren ohne Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden ist. Auch ein Rauchstopp in diesem Lebensabschnitt hat einen deutlichen Effekt. Er geht mit den größten Zugewinnen an Lebenszeit insgesamt einher.
Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung präventiver Maßnahmen bei kardiovaskulären Erkrankungen. Vor allem die Kontrolle von Bluthochdruck und das Rauchverhalten haben einen erheblichen Einfluss auf die langfristige Gesundheit.
Die wissenschaftliche Arbeit ist unter dem Namen „Global Effect of Cardiovascular Risk Factors on Lifetime Estimates“ im Journal New England Journal of Medicine erschienen.
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