Sonnencreme vom Vorjahr: Wann sie zum Risiko werden kann


Sanja Agatic

Symbolbild: Weiße Sonnencremeflasche vor orangefarbenem Hintergrund. Mit Sonnencreme wurde daneben das Symbol einer Sonne gemalt.
Nicht jede Sonnencreme vom Vorjahr muss entsorgt werden. Entscheidend sind Lagerung, Haltbarkeit und die Stabilität der enthaltenen UV-Filter.Foto:stock.adobe.com/Fotomoment001

Die angebrochene Sonnencreme vom letzten Sommer landet auch heuer wieder in vielen Strandtaschen. Schließlich sieht sie noch gut aus, riecht normal und die Tube ist längst nicht leer. Doch schützt sie die Haut noch genauso zuverlässig wie beim Kauf?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Ob eine Sonnencreme vom Vorjahr noch verwendet werden kann, hängt nicht nur vom Alter des Produkts ab. Entscheidend sind vor allem die Lagerungsbedingungen, der Zustand der Formulierung und die enthaltenen UV-Filter.

Viele Verbraucher achten vor allem auf das Haltbarkeitsdatum. Für die tatsächliche Schutzwirkung spielt jedoch häufig die Lagerung eine wesentlich größere Rolle. Sonnencremes verbringen den Sommer selten im Badezimmerschrank. Stattdessen liegen sie stundenlang in der Strandtasche, am Pool oder im Auto. Gerade in Fahrzeugen können im Sommer Temperaturen von deutlich über 50 Grad Celsius erreicht werden. Solche Bedingungen belasten die Formulierung. UV-Filter, Emulgatoren und andere Inhaltsstoffe können mit der Zeit an Stabilität verlieren. Für Verbraucher entsteht dadurch ein praktisches Problem: Ob die Schutzwirkung tatsächlich beeinträchtigt wurde, lässt sich zu Hause nicht überprüfen. Die Sonnencreme kann weiterhin normal aussehen und riechen, obwohl einzelne Inhaltsstoffe bereits verändert sind.

Wann eine Sonnencreme entsorgt werden sollte

Nicht jede Sonnencreme vom Vorjahr gehört automatisch in den Müll. Bestimmte Veränderungen sollten jedoch ernst genommen werden. Ein neues Produkt ist empfehlenswert, wenn:

  • sich Öl und Wasser sichtbar voneinander trennen
  • die Creme ungewöhnlich riecht
  • sich die Farbe verändert hat
  • die Konsistenz körnig, bröckelig oder ungewöhnlich flüssig geworden ist
  • Flüssigkeit aus der Tube austritt

Auch ein Blick auf das sogenannte PAO-Symbol (Period After Opening) lohnt sich. Der geöffnete Tiegel mit der Angabe „12 M“ (zwölf Monate) oder „24 M“ (24 Monate) gibt an, wie lange das Produkt nach dem erstmaligen Öffnen verwendet werden sollte.

UV-Filter im Fokus

Bei älteren Sonnenschutzmitteln stellt sich nicht nur die Frag nach der Schutzwirkung. Auch die enthaltenen UV-Filter stehen seit Jahren im Fokus wissenschaftlicher Untersuchungen. Besonders häufig diskutiert wird Octocrylen. Der UV-Filter wird in vielen Sonnenschutzmitteln eingesetzt, um andere UV-Filter zu stabilisieren und dadurch eine zuverlässigen UV-Schutz zu gewährleisten. Forschende konnten zeigen, dass sich Octocrylen während längerer Lagerung teilweise zu Benzophenon abbauen kann. Benzophenon steht im Verdacht, gesundheitlich bedenkliche Eigenschaften zu besitzen.  Aufgrund der limitierten Datenlage wird Benzophenon als „möglicherweise krebserzeugend“ eingestuft.

Dieser Aspekt betrifft vor allem ältere Produkte, die bereits über einen längeren Zeitraum gelagert wurde. Doch Octocrylen ist nicht der einzige UV-Filter, der in den vergangenen Jahren genauer untersucht wurde. Auch Oxybenzon (Benzophenon-3), Homosalat und Octinoxat wurden von Behörden neu bewertet. Diskutiert werden unter anderem möglich hormonähnliche, hautreizende Wirkungen sowie Auswirkungen auf die Umwelt.

Die EU hat bereits reagiert

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse haben in den vergangenen Jahren auch regulatorische Folgen gehabt. Die Europäische Union passte 2022 die Vorschriften für mehrere UV-Filter an. Für Octocrylen wurde die maximale zulässige Konzentration in Treibgassprays von 10 auf 9 Prozent reduziert.  So kam das Scientific Committee on Consumer Safety (SCCS) der Europäischen Union 2021 zu dem Schluss, dass Octocrylengehalte bis zu 10 Prozent als sicher zu bewerten sind. Selbes gilt für mögliche kontaktallergische Eigenschaften. Auch hier wurden Gehalte von bis zu 10 Prozent als unbedenklich eingestuft.

Auch andere UV-Filter wurden hinsichtlich ihrer Sicherheit und zulässigen Einsatzkonzentration neu bewertet. Diese Anpassung bedeute nicht, dass ältere Sonnencremes automatisch gefährlich sind. Sie zeigen jedoch, dass Inhaltsstoffe laufen überprüft und Sicherheitsbewertungen regelmäßig aktualisiert werden.

Wenn Sonnenschutzmittel ins Meer gelangen

Die Diskussion um UV-Filter beschränkt sich längst nicht mehr auf die menschliche Gesundheit. Auch mögliche Auswirkungen auf Ökosysteme stehen zunehmend im Fokus. Gelangen Sonnenschutzmittel beim Baden ins Meer, können UV-Filter in Küstengewässer nachgewiesen werden. Studien deuten darauf hin, dass bestimmte UV-Filter Korallenlarven und andere Wasserorganismen beeinträchtigen können. Zwar gelten steigende Meerestemperaturen und der Klimawandel weiterhin als Haupturaschen für Korallenbleichen, dennoch werden auch Sonnenschutzmittel zunehmend wissenschaftlich untersucht. Für Urlauber bedeutet das: Die Inhaltsstoffe eines Sonnenschutzmittels bleiben nicht ausschließlich auf der Haut, sondern können auch in empfindliche Ökosysteme gelangen.



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