Gerade in den Sommermonaten kommt es an der Tara häufig zu folgender Frage: „Ich fahre nächste Woche auf Badeurlaub und möchte meine Periode verschieben. Was kann ich tun?“ Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten, die jedoch von der individuellen Situation und einer möglichen hormonellen Verhütung abhängen. Fachleute betonen, dass Eingriffe in den Zyklus nur nach ärztlicher Rücksprache und nicht leichtfertig erfolgen sollten.
Tatsächlich gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Menstruation zu beeinflussen. Dabei muss jedoch zunächst unterschieden werden, ob die Frau bereits hormonell verhütet oder nicht.
Wenn bereits hormonell verhütet wird
Nimmt eine Frau bereits ein hormonelles Verhütungsmittel ein, kann die Entzugsblutung in vielen Fällen verschoben werden. Wie dies möglich ist, hängt jedoch vom jeweiligen Präparat ab.
Achtung: Es muss abgeklärt werden, ob es ein Einphasen- oder Mehrphasen-Präparat zur Verhütung eingenommen wird.
Bei manchen Verhütungsmitteln kann die Einnahmepause von sieben Tagen ausgelassen werden, wodurch die Entzugsblutung verzögert wird. Vereinzelt können dabei Schmier- oder Zwischenblutungen auftreten. Auch Verhütungsringe können nach dem Schema angewendet werden, die Anwendungspause nach drei Wochen wird dabei übergangen und ein neuer Ring eingesetzt.
So heißt es beispielsweise in der Gebrauchsinformation eines Arzneimittels mit Ethinylestradiol/Levonorgestrel (Selly Gynial): „Auch wenn es nicht empfohlen wird, können Sie Ihre Monatsblutung hinausschieben, indem Sie die Einnahmepause auslassen und direkt mit der Einnahme aus dem nächsten Folienstreifen Selly Gynial fortfahren und diesen bis zum Ende aufbrauchen. Während der Einnahme aus diesem zweiten Folienstreifen kann es zu leichten oder menstruationsähnlichen Blutungen kommen. Beginnen Sie mit der nächsten Blisterpackung nach der üblichen 7-tägigen Einnahmepause. Fragen Sie Ihren Arzt um Rat, bevor Sie sich entscheiden, die Blutung zu verschieben.“
Besondere Vorsicht ist bei Mehrphasenpräparaten geboten. Da sich die Hormonkonzentration der Tabletten im Verlauf des Zyklus verändert, sollten Änderungen des Einnahmeschemas unbedingt mit der behandelnden Gynäkologin oder dem behandelnden Gynäkologen abgesprochen werden. Eigenmächtige Anpassungen können die Verhütungssicherheit beeinträchtigen.
Keine hormonelle Verhütung
Auch Frauen, die nicht hormonell verhüten, können ihre Menstruation unter bestimmten Voraussetzungen verschieben. Dafür werden nach ärztlicher Verordnung gestagenhaltige Hormonpräparate eingesetzt. Zum Einsatz kommen dabei unter anderem Wirkstoffe wie Norethisteron oder Lynestrenol (Orgametril). Teilweise wird auch Dydrogesteron (Duphaston) zur Periodenverschiebung im off-label-use verwendet.
In einem Informationsblatt nennt ein Salzburger Gynäkologe folgendes Schema zum Hinausschieben der Regelblutung mit dem gestagenhaltigen Wirkstoff Lynestrenol: „Die Anwendung beginnt etwa drei Tage vor der erwarteten Menstruation und sollte nicht länger als zehn bis 14 Tage erfolgen. Die Blutung tritt in der Regel zwei bis drei Tage nach dem Absetzen des Präparats ein.“ Norethisteron wird etwa drei Tage vor der Menstruation zwei- bis dreimal täglich eingenommen. Laut der Wissensplattform Pharmawiki ist in der Schweiz das Präparat Primolut speziell für dieses Anwendungsgebiet zugelassen.
Welcher Wirkstoff geeignet ist und wann die Anwendung begonnen werden muss, hängt von der individuellen Situation ab und sollte immer ärztlich abgeklärt werden. Vor einer Verordnung müssen außerdem mögliche Risikofaktoren wie Thrombosen oder andere Vorerkrankungen berücksichtigt werden.
Wer plant seine Perioden zu verschieben, sollte daher frühzeitig (etwa einen Monat vor Urlaubsbeginn) einen Termin bei der Gynäkologin oder dem Gynäkologen vereinbaren.
Pflanzliche Alternativen
Auch mit pflanzlichen Zubereitungen kann versucht werden, die Menstruation zu beeinflussen oder zu verschieben. Eingesetzt werden hier vor allem Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus), Schafgarbe (Achillea millefolium) oder Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris).
Mit Capsella war früher zudem ein traditionell pflanzliches Arzneimittel auf Basis von Hirtentäschelkraut erhältlich. Es wurde zur Verminderung starker Monatsblutungen eingesetzt, ist jedoch mittlerweile in Österreich außer Handel. Drei bis fünf Tage vor der erwarteten Regelblutung wurde dreimal täglich eine Tablette eingenommen und die Einnahme während der Blutung fortgesetzt.
Die Evidenz für eine gezielte Verschiebung der Menstruation ist bei pflanzlichen Präparaten allerdings deutlich schwächer als bei hormonellen Methoden. Zudem ist die Wirkung deutlich weniger vorhersehbar. Selbst bei einem Effekt lässt sich die Periode meist nur um wenige Tage beeinflussen.
Nicht leichtfertig
Auch wenn eine Verschiebung der Menstruation grundsätzlich möglich ist, sollte sie die Ausnahme bleiben. Je nach gewählter Methode können Nebenwirkungen wie Depressionen, Venenthrombosen oder Zwischenblutungen auftreten. Individuelle Risikofaktoren müssen unbedingt berücksichtigt werden.
