Seit der totalen Sonnenfinsternis im Jahr 1999 wurde die Sonne in Österreich nicht mehr so stark verfinstert: Am 12. August ist eine partielle Sonnenfinsternis zu sehen. Wer dieses Spektakel beobachten möchte, muss nicht nur seine Augen schützen, sondern auch an die Handykamera denken.
Bei einer Sonnenfinsternis schiebt sich der Mond aus Sicht der Erde vor die Sonne. Sonne, Mond und Erde stehen somit auf einer Linie und der Schatten des Mondes fällt auf die Erde. Österreich liegt am 12. August außerhalb des schmalen Bereichs, in dem die Sonne vollständig verdeckt wird. Hierzulande ist daher eine partielle Sonnenfinsternis zu sehen. In Grönland, Island und Spanien sieht man eine eine totale Sonnenfinsternis.
In den frühen Abendstunden geht es los
In Wien beginnt das Schauspiel laut Planetarium Wien um 19:22 Uhr. Der Mond schiebt sich dabei von Westen her vor die Sonne. Gegen 20:13 Uhr sind rund 89 Prozent der Sonnenscheibe verdeckt. Da die Sonne bereits etwa eine Minute später untergeht, verschwindet sie noch während der Finsternis hinter dem Horizont.
Auch in den übrigen Bundesländern unterscheiden sich die Zeiten nur um wenige Minuten: In Bregenz beginnt beispielsweise die Sonnenfinsternis gegen 19:24 Uhr und erreicht um 20:17 Uhr ihr Maximum. Dort ist die Verfinsterung etwas stärker und auch nach dem Maximum noch bis etwa 20:38 Uhr zu sehen. In Graz beginnt sie ebenfalls gegen 19:24 Uhr. Das sichtbare Maximum wird kurz vor Sonnenuntergang gegen 20:11 Uhr erreicht.
Für die Beobachtung braucht es an allen drei Orten einen möglichst freien Blick zum westlichen Horizont. Da die Sonne sehr tief steht, können bereits Häuser, Bäume oder Berge die Sicht verdecken. Die genauen Zeiten hängen vom Standort ab.
Auch die Sonnensichel bleibt gefährlich
Selbst wenn der Mond einen Großteil der Sonne verdeckt, bleibt der ungeschützte Blick gefährlich. Ärzt:innen warnen daher ausdrücklich davor, die Sonnenfinsternis ohne geeigneten Schutz zu beobachten. Auch das Universitätsklinikum Freiburg weist in einer aktuellen Mitteilung auf mögliche dauerhafte Schäden an der Netzhaut hin.
„Auch bei einer fast vollständig verdeckten Sonne darf die Schutzbrille nicht abgenommen werden. Die verbleibende Sonnensichel kann die Stelle des schärfsten Sehens dauerhaft schädigen“, warnt Privatdozentin Dr. Felicitas Bucher, Oberärztin an der Klinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg.
Hornhaut und Augenlinse bündeln das einfallende Licht auf der Netzhaut. Die Strahlungsenergie trifft dabei vor allem auf die Makula, die Stelle des schärfsten Sehens. Nach heutigem Kenntnisstand entsteht die sogenannte solare Retinopathie hauptsächlich durch photochemische Prozesse. Energiereiches Licht kann reaktive Moleküle bilden, die Fotorezeptoren und weitere Zellen der Netzhaut schädigen. Besonders tückisch: Die Netzhaut besitzt keine Schmerzrezeptoren. Eine Schädigung fällt daher häufig erst später auf.
Bei Symptomen rasch ärztliche Hilfe suchen
Mögliche Beschwerden sind:
- verschwommenes oder unscharfes Sehen
- ein grauer, dunkler oder blinder Fleck im Zentrum des Gesichtsfeldes
- verzerrt oder wellig erscheinende Linien
- anhaltende Nachbilder
- Veränderungen der Farbwahrnehmung
- erhöhte Lichtempfindlichkeit
„Betroffene bemerken die Folgen manchmal sofort, häufig aber erst Stunden oder einen Tag später. Auch längere Verzögerungen möglich“, erklärt die Augenärztin. Bei entsprechenden Veränderungen sollte zeitnah eine augenärztliche Untersuchung erfolgen. Bei einer deutlichen Verschlechterung des Sehvermögens ist eine umgehende Abklärung erforderlich.
Zwar kann sich das Sehvermögen innerhalb von Wochen oder Monaten bessern, eine vollständige Erholung ist jedoch nicht sicher. Eine Behandlung, die bereits geschädigte Netzhautzellen zuverlässig wiederherstellt, gibt es laut Universitätsklinikum Freiburg nicht.
Sonnenbrille reicht nicht aus
Eine normale Sonnenbrille schützt nicht vor den intensiven Strahlen. Für den direkten Blick sind ausschließlich Sonnenfinsternisbrillen oder Solar-Viewer geeignet, die der internationalen Norm ISO 12312-2 entsprechen. Vor der Verwendung sollte kontrolliert werden, ob der Filter Kratzer, Löcher oder andere Schäden aufweist.
Nicht geeignet sind unter anderem:
- gewöhnliche Sonnenbrillen, unabhängig davon, wie dunkel sie sind
- rußgeschwärzte Gläser
- CDs oder DVDs
- Röntgenfilme
- Rettungsdecken
- selbst gebaute Sichtfilter
Auch die Nationale Luft- und Raumfahrtbehörde der Vereinigten Staaten (NASA) betont in ihrem Beitrag „Eclipse Viewing Safety“, dass bei einer partiellen Sonnenfinsternis zu keinem Zeitpunkt ohne geeigneten Augenschutz direkt zur Sonne geblickt werden darf. Ferngläser und Teleskope benötigen eigene Sonnenfilter, die vorne an der Optik befestigt werden. Eine Sonnenfinsternisbrille vor den Augen reicht bei solchen Geräten nicht aus, da das gebündelte Licht den Filter durchdringen und schwere Augenverletzungen verursachen kann.
Zerstört die Sonne die Handykamera?
Nicht nur das Auge kann Schaden nehmen. Auch der Bildsensor einer (Smartphone-)Kamera kann durch direktes und längeres Ausrichten auf die Sonne beschädigt werden. Das Objektiv bündelt das intensive Sonnenlicht auf dem Bildsensor. Dadurch können sich einzelne Bereiche stark erhitzen und die lichtempfindlichen Pixel sowie die darüberliegenden Filter dauerhaft beschädigt werden. Sichtbar wird das später etwa durch helle Flecken, Linien oder tote Pixel auf den Aufnahmen.
Technik-YouTuber Marques Brownlee stellte die Frage nach einer kaputten Handkamera bei einer Sonnenfinsternis bereits im April 2024. Daraufhin antwortete die National Aeronautics and Space Administration (NASA) auf X: „Wir haben unser NASA-Fototeam gefragt. Die Antwort lautet: Ja, der Sensor eines Smartphones kann wie jeder andere Bildsensor beschädigt werden, wenn er direkt auf die Sonne gerichtet wird. Das gilt besonders, wenn das Smartphone mit einem Vergrößerungsaufsatz ausgestattet ist.“
Sonnenfilter vor das Objektiv
Die NASA empfahl, einen geeigneten Sonnenfilter vor das Objektiv zu halten. Bei einem Smartphone kann dafür eine unbeschädigte Sonnenfinsternisbrille vollständig vor den Kameralinsen positioniert werden. Der Filter muss bereits vor dem Ausrichten auf die Sonne angebracht sein und während der gesamten Aufnahme dort verbleiben.
Für Kameras mit Wechselobjektiven oder optischer Vergrößerung gelten strengere Anforderungen: Hier sollte ein fachgerecht geeigneter Sonnenfilter vor der Optik befestigt und im Zweifelsfall astronomischer oder fotografischer Rat eingeholt werden. Durch den Sucher einer Spiegelreflexkamera darf ohne entsprechenden Objektivfilter keinesfalls geblickt werden.
