Wenn der Slushy zu Kopf steigt


Viktoria Anderle

Symbolbild: Buten Slushys in Regenbogenfarben neben Eis
Neben großen Mengen Zucker enthalten Slush-Getränke auch teilweise hohe Mengen Glycerin.exclusive-design/AdobeStock_509100438

Knallbunt, eiskalt und bei Kindern besonders beliebt: Slush Ice verspricht Abkühlung an heißen Tagen. Enthält das Getränk jedoch größere Mengen Glycerin, kann die Erfrischung sprichwörtlich zu Kopf steigen. Die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) warnt insbesondere bei Kindern vor möglichen Beschwerden.

Slush Ice, auch Slush oder Slushy genannt, ist ein halbgefrorenes Getränk, das meist aus Wasser, Zucker, Aromen und Farbstoffen hergestellt wird. Damit die charakteristische Konsistenz erhalten bleibt und das Getränk nicht zu einem festen Eisblock gefriert, setzen Hersteller häufig Glycerin ein.

Glycerin, auch Glycerol genannt, ist eine farb- und geruchslose, süß schmeckende Flüssigkeit. Chemisch zählt die Substanz zu den Alkoholen. Als Lebensmittelzusatzstoff E 422 ist Glycerin in der Europäischen Union unter anderem für aromatisierte Getränke zugelassen. Eine gesetzlich festgelegte Höchstmenge gibt es derzeit nicht. Es darf jedoch nur jene Menge eingesetzt werden, die für den technologischen Zweck erforderlich ist.

Vom Zusatzstoff zum Wirkstoff

Glycerin kommt natürlicherweise als Bestandteil pflanzlicher und tierischer Fette und Öle vor. Auch bei der alkoholischen Gärung entsteht es als Zwischenprodukt, weshalb beispielsweise Wein geringe Mengen enthält. In Lebensmitteln kann Glycerin unter anderem Feuchtigkeit binden, die Konsistenz beeinflussen oder als Trägerstoff dienen.

Die Substanz wird aber auch medizinisch eingesetzt: Aufgrund ihrer osmotischen Wirkung entzieht sie dem Gewebe Wasser und kann dadurch einen erhöhten Hirndruck senken. Laut dem deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wurde dieser pharmakologische Effekt bereits ab einer Dosis von 250 mg pro kg Körpergewicht beobachtet. Genau diese Wirkung kann beim Konsum stark glycerinhaltiger Slush-Ice-Getränke zum Problem werden.

Ein zu stark abgesenkter Hirndruck kann Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel oder Doppelsehen verursachen. Auch Durchfall und auffällige Benommenheit wurden im Zusammenhang mit hohen Glycerindosen beschrieben. Ob Beschwerden auftreten, hängt von der enthaltenen Glycerinkonzentration, der getrunkenen Menge und dem Körpergewicht ab.  

Kinder erreichen kritische Dosen schneller

Aufgrund ihres geringeren Körpergewichts nehmen Kinder mit derselben Getränkemenge deutlich mehr Glycerin pro kg Körpergewicht auf als Erwachsene. Das BfR untersuchte die Messwerte von 62 Slush-Ice-Proben aus Deutschland. Ein fünfjähriges Kind mit einem Körpergewicht von 20 kg konnte demnach bereits mit knapp 200 ml eines durchschnittlich belasteten Getränks die therapeutisch wirksame Dosis erreichen.

Die Glyceringehalte schwankten erheblich: In etwa einem Drittel der Proben war kein Glycerin nachweisbar. Knapp die Hälfte enthielt dagegen mehr als 25 g pro Liter. Für Konsument:innen ist üblicherweise nicht erkennbar, wie viel Glycerin sich im jeweiligen Slushy befindet.

Welche Fälle sind bekannt?

Laut BfR wurde 2024 in Deutschland ein Fall bekannt, bei dem Übelkeit, Durchfall und Fieber bei einem achtjährigen Kind möglicherweise mit Glycerin in Slush Ice zusammenhingen. International wurden zunächst zwei weitere Fälle aus den Jahren 2021 und 2022 gemeldet. Zudem beschreibt eine Publikation von Brothwell und weiteren Autor:innen aus dem Jahr 2025 insgesamt 21 Kinder, die zwischen 2009 und 2024 nach dem Konsum von Slush Ice in Großbritannien und Irland klinisch behandelt wurden. Ein ursächlicher Zusammenhang mit Glycerin ist laut BfR nicht gesichert, sollte jedoch in Betracht gezogen werden.

Neue Referenzdosis seit 2026

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) legte im Mai 2026 erstmals eine akute Referenzdosis von 125 mg Glycerin pro kg Körpergewicht fest. Sie bezeichnet jene Menge, die bei einem einmaligen Konsum ohne erkennbares Gesundheitsrisiko aufgenommen werden kann.

Berechnungen der EFSA zufolge könnte diese Referenzdosis bei den untersuchten Glyceringehalten in sämtlichen Altersgruppen überschritten werden. Ausgehend von einer vergleichsweise hohen, aber realistisch gemessenen Konzentration wären für Kleinkinder bereits 250 ml und für ältere Kinder 500 ml ausreichend, um die Referenzdosis auszuschöpfen. Diese Mengen lassen sich jedoch nicht auf jedes Produkt übertragen, da der Glyceringehalt stark variiert. Die EFSA empfiehlt der Europäischen Kommission, Höchstmengen für Glycerin in Getränken zu prüfen. Auf europäischer Ebene wird derzeit darüber beraten.  

Was gilt in Österreich?

Auch in Österreich existiert derzeit kein spezieller Höchstgehalt für Glycerin in Slush-Ice-Getränken. Nach Angaben der Kommunikationsplattform Verbraucher:innengesundheit werden die hierzulande verwendeten Fertigmischungen überwiegend importiert.

Eltern wird empfohlen, Kleinkindern keine glycerinhaltigen Slush-Ice-Getränke anzubieten. Ältere Kinder sollten nur kleine Portionen und diese lediglich gelegentlich konsumieren. Auch Erwachsene sollten große Mengen und ein rasches Trinken vermeiden. Die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) weist zudem darauf hin, dass Slush-Ice-Produkte neben Glycerin häufig viel Zucker enthalten.

Treten nach dem Konsum Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schwindel oder Benommenheit auf, sollte das Getränk nicht weiter konsumiert werden. Bei stärkeren oder anhaltenden Beschwerden ist medizinischer Rat einzuholen.



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