Entzündungen im Mundraum könnten Hinweise auf das kardiovaskuläre Risiko geben. Ein aktueller Umbrella-Review zeigt, dass eine apikale Parodontitis mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden ist. In der zusammengefassten Auswertung lag das relative Risiko um 32 Prozent höher, die Wahrscheinlichkeit für kardiovaskuläre Erkrankungen war um 83 Prozent erhöht.
Eine apikale Parodontitis ist eine Entzündung im Bereich der Zahnwurzelspitze, die meist infolge einer bakteriellen Infektion entsteht. Bereits seit Längerem wird untersucht, ob solche chronischen Entzündungsprozesse auch mit Erkrankungen außerhalb des Mundraums zusammenhängen.
Ein Forschungsteam aus Indien wertete deshalb die bestehende Evidenz zum Zusammenhang zwischen apikaler Parodontitis und kardiovaskulären Erkrankungen aus. Dafür wurden systematische Übersichtsarbeiten berücksichtigt, die bis Februar 2025 unter anderem über PubMed/MEDLINE, Scopus und EBSCO Host identifiziert worden waren.
Zehn systematische Reviews ausgewertet
Insgesamt flossen zehn systematische Reviews in den Umbrella-Review ein, darunter fünf Metaanalysen. Die darin untersuchten Populationen umfassten zwischen 1108 und 673.083 Studienteilnehmer. In den einzelnen Metaanalysen lagen die relativen Risiken (RR) zwischen 1,20 und 1,38 und die Odds Ratios (OR) zwischen 1,53 und 2,94.
In der zusammengefassten Auswertung zeigte sich bei Menschen mit apikaler Parodontitis ein um 32 Prozent erhöhtes relatives Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen (RR 1,32; p = 0,007). Auch die Wahrscheinlichkeit für eine kardiovaskuläre Erkrankung war erhöht (OR 1,83; p < 0,001)..
Hinweise auf klinisch relevanten Zusammenhang
Die Ergebnisse sprechen damit für einen konsistenten Zusammenhang zwischen apikaler Parodontitis und einem erhöhten kardiovaskulären Risiko. Nach Einschätzung der Studienautor könnte die Zahnerkrankung deshalb als klinischer Marker für eine erhöhte kardiovaskuläre Vulnerabilität betrachtet werden.
Eine direkte Ursache-Wirkungs-Beziehung lässt sich aus den vorhandenen Daten jedoch nicht ableiten. Die Heterogenität zwischen den eingeschlossenen Studien war mit I²-Werten zwischen 54 und 100 Prozent teilweise erheblich. Hinzu kamen Unterschiede bei den diagnostischen Kriterien der apikalen Parodontitis.
Die Autor sehen daher Bedarf für größere prospektive Kohortenstudien mit einheitlichen Definitionen und einer konsequenten Kontrolle möglicher Störfaktoren. Damit soll künftig besser geklärt werden, ob tatsächlich eine Dosis-Wirkungs-Beziehung besteht und welche biologischen Mechanismen den beobachteten Zusammenhang erklären könnten.
Das Paper wurde unter dem Titel „Association between cardiovascular diseases and apical periodontitis: An umbrella review with stratification of evidence and sensitivity analysis“ im Journal of Dentistry veröffentlicht.
MEDWISS.ONLINE
