Alpha-Liponsäure gilt als Behandlungsoption bei diabetischer Polyneuropathie. Eine Cochrane-Analyse konnte jedoch weder bei den Symptomen noch bei neurologischen Einschränkungen einen relevanten Vorteil gegenüber Placebo nachweisen. Auch die Verträglichkeit unterschied sich nicht wesentlich von der Vergleichsgruppe.
Die Daten stammen aus einer Cochrane-Übersichtsarbeit, die die Wirksamkeit von Alpha-Liponsäure bei Erwachsenen mit symptomatischer diabetischer Polyneuropathie untersuchte. Ausgewertet wurden drei randomisierte, placebokontrollierte Studien mit insgesamt 816 Teilnehmern, die über mindestens sechs Monate behandelt wurden.
Häufige Komplikation bei Diabetes
Die diabetische Polyneuropathie zählt zu den häufigsten Folgeerkrankungen bei Diabetes mellitus. Schätzungen zufolge entwickelt rund ein Drittel der Betroffenen im Laufe der Erkrankung Nervenschäden. Typische Symptome sind Schmerzen, Kribbeln, Brennen oder Taubheitsgefühle, insbesondere an den Füßen. Die Erkrankung erhöht zudem das Risiko für diabetische Fußulzera und nicht traumatisch bedingte Amputationen.
Die Entstehung der diabetischen Polyneuropathie ist bislang nicht vollständig geklärt. Neben chronisch erhöhten Blutzuckerwerten werden Entzündungsprozesse und oxidativer Stress als mögliche Ursachen diskutiert.
Hoffnungsträger Alpha-Liponsäure
Alpha-Liponsäure, auch als Thioctsäure bekannt, ist eine natürlich vorkommende Schwefelverbindung mit antioxidativen Eigenschaften. Ihr wird zugeschrieben, körpereigene Antioxidantien zu regenerieren, Entzündungen zu reduzieren und die Glukoseaufnahme in die Zellen zu verbessern. Aufgrund dieser Wirkmechanismen wird sie seit Jahren zur Behandlung der diabetischen Polyneuropathie eingesetzt. Die Cochrane-Autoren wollten nun klären, ob sich dieser theoretische Nutzen auch in klinisch relevanten Verbesserungen für Patienten widerspiegelt.
Kein relevanter Einfluss auf Symptome
Als primären Endpunkt untersuchten die Forscher Veränderungen der neuropathischen Beschwerden sechs Monate nach Behandlungsbeginn. Zusätzlich wurden die Symptome nach 24 Monaten sowie neurologische Einschränkungen zu beiden Zeitpunkten analysiert.
Die Ergebnisse zeigen, dass Alpha-Liponsäure im Vergleich zu Placebo die Beschwerden der Patienten weder nach sechs noch nach 24 Monaten relevant verbessern konnte. Auch bei neurologischen Einschränkungen ergaben sich keine klinisch bedeutsamen Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen.
Auch bei den Nebenwirkungen kein Unterschied
Neben der Wirksamkeit untersuchten die Wissenschaftler auch die Sicherheit der Behandlung. Dabei zeigte sich kein relevanter Unterschied bei Nebenwirkungen, die zum Abbruch der Therapie führten. Die Analyse deutet somit darauf hin, dass Alpha-Liponsäure zwar keine zusätzlichen Risiken verursacht, gleichzeitig aber auch keinen nachweisbaren klinischen Nutzen gegenüber Placebo bietet.
Aussagekraft der Daten begrenzt
Die Autoren weisen allerdings auf mehrere Einschränkungen hin. Insgesamt standen lediglich drei Studien für die Analyse zur Verfügung. Zudem waren die Teilnehmerzahlen vergleichsweise klein und die Dosierungen unterschiedlich. Je nach Studie kamen täglich zwischen 600 und 1800 mg Alpha-Liponsäure zum Einsatz, sowohl oral als auch intravenös.
Darüber hinaus fanden sich methodische Unsicherheiten und teilweise breite Konfidenzintervalle, die die Aussagekraft der Ergebnisse einschränken. Die Evidenz wurde deshalb je nach Endpunkt als moderat bis niedrig bewertet.
Trotz dieser Limitationen liefern die derzeit verfügbaren Daten keinen Hinweis darauf, dass Alpha-Liponsäure die Symptome oder neurologischen Einschränkungen einer diabetischen Polyneuropathie im Vergleich zu Placebo relevant verbessert. Die Analyse wurde unter dem Titel „Alpha-lipoic acid for diabetic peripheral neuropathy“ in American Family Physician veröffentlicht und basiert auf einer Cochrane-Übersichtsarbeit.
