Schlaflosigkeit erhöht das Schlaganfallrisiko


Viktoria Anderle

Junge Frau mit Schlafproblemen
Wer nachts häufig wach liegt, könnte ein deutlich erhöhtes Schlaganfallrisiko haben. Für Co-Autor Seidel steht daher fest: „Schlaf sollte in jedem Lebensalter Teil der Diskussion über Gehirngesundheit sein.“Foto: Sven Vietense/stock.adobe.com

Schlaflosigkeit beeinträchtigt nicht nur die Schlafqualität und die Leistungsfähigkeit am Tag, sondern kann auch mit erhöhten gesundheitlichen Risiken verbunden sein. Eine internationale Übersichtsarbeit unter Beteiligung der Medizinischen Universität Wien zeigt Zusammenhänge mit Schlaganfällen, Krankenhausaufnahmen sowie verschiedenen neurologischen und psychischen Erkrankungen.

Schlaflosigkeit (Insomnie) ist den Forschenden zufolge die häufigste Schlafstörung bei Erwachsenen. Bis zu jeder zweite Erwachsene erlebt vorübergehend Beschwerden, während eine chronische Insomnie nach internationalen Diagnosekriterien schätzungsweise 22 Prozent der Allgemeinbevölkerung betrifft. Bei Frauen ist das Risiko rund 50 Prozent höher als bei Männern. Unter älteren Menschen liegt die Prävalenz bei fast 30 Prozent.

Das Forschungsteam bündelte die verfügbare Evidenz aus sieben Bereichen: Demenz, Schlaganfall, Depression, suizidalem Verhalten, Sterblichkeit, Arbeitsunfällen und Krankenhausaufnahmen. Ergänzend erstellten die Forschenden neue systematische Reviews zu Schlaganfällen, Arbeitsunfällen und Krankenhausaufnahmen.

26 Prozent höheres Schlaganfallrisiko

Für die Analyse zum Schlaganfall wurden neun Studien mit insgesamt mehr als 1,3 Millionen Teilnehmer:innen identifiziert, sechs davon konnten in einer Metaanalyse zusammengeführt werden. Demnach war Insomnie mit einem um 26 Prozent höheren Schlaganfallrisiko verbunden. Für Krankenhausaufnahmen wurden fünf Studien ausgewertet; die Metaanalyse ergab bei Menschen mit Insomnie ein um 28 Prozent höheres Risiko auf eine Hospitalisierung.

Auch für weitere Bereiche der Gehirn- und psychischen Gesundheit zeigten sich Zusammenhänge. Mehrere systematische Reviews fanden Assoziationen zwischen Insomnie und Demenz, insbesondere der Alzheimer-Krankheit, sowie mit Depression und suizidalem Verhalten. Die Ergebnisse waren allerdings nicht bei allen untersuchten Endpunkten einheitlich.

„Schlaf sollte in jedem Lebensalter Teil der Diskussion über Gehirngesundheit sein. Wir sollten das Bewusstsein für Insomnie und ihre Behandlung stärken und dafür sorgen, dass Schlaf auch in Programmen zur Gesundheitsförderung in Gemeinden, Schulen und am Arbeitsplatz berücksichtigt wird“, sagt Co-Autor Stefan Seidel von der MedUni Wien. Der Neurologe und Schlafmediziner mit Lehrauftrag an der MedUni Wien ist ärztlicher Direktor der Klinik Pirawarth und initiierte in seiner Funktion als Mitglied der EAN diese Studie.

Zusammenhang heißt nicht gleich Ursache

Die Autor:innen betonen, dass die Ergebnisse keine direkte ursächliche Wirkung der Insomnie belegen. Unterschiede bei der Definition von Schlaflosigkeit sowie mögliche Einflussfaktoren wie die Einnahme von Schlafmedikamenten schränken die Aussagekraft einzelner Analysen ein. Die Ergebnisse sprechen jedoch dafür, Insomnie als möglichen Warnhinweis im Zusammenhang mit Gehirn- und psychischer Gesundheit stärker zu berücksichtigen.

Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Sleep Medicine Reviews unter dem Namen „Insomnia as risk factor for brain, mental and general health consequences: an umbrella systematic review“ veröffentlicht.

PRESSEINFORMATION MEDUNI WIEN



– Newsletter

Bleiben Sie stets informiert!