FORUM!pharmazie: „Fördern wir die Mutigen beim Beschreiten neuer Wege“


Viktoria Anderle

Das Forum Präsidium
„Fördern und unterstützen wir doch die Mutigen beim Beschreiten neuer Wege“, sagt Monika Aichberger zum Impfen in Apotheken. Das FORUM!präsidium (von links): Jutta Polligger-Juvan, Monika Aichberger (FORUM!präsidentin) und Julia Kornfeind.FORUM!pharmazie

Die gesetzlichen Grundlagen für das Impfen in Apotheken wurden am 4. November im Ministerrat auf den Weg gebracht und zur Begutachtung vorgelegt. Der Start ist für Frühjahr 2027 geplant. Die Angestelltenvertretung FORUM!pharmazie begrüßt diesen Schritt, sieht aber noch Gesprächsbedarf bei der Impfstoffauswahl. „Ich bin mir sicher, dass wir gemeinsam in Sachen Prävention sehr viel bewegen können“, sagt FORUM!pharmazie-Präsidentin Monika Aichberger.

Personen ab dem vollendeten 14. Lebensjahr sollen künftig bestimmte Impfungen von entsprechend ausgebildeten Apothekerinnen und Apothekern erhalten können. Den Anfang soll im Frühjahr 2027 die FSME-Impfung machen. Vorgesehen sind außerdem Impfungen gegen Hepatitis B sowie Kombinationsimpfungen gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten. Die Teilnahme bleibt für Apothekerinnen und Apotheker freiwillig.

Wie wird der angekündigte Schritt unter den Angestellten aufgenommen? TARA24 hat bei Apothekerin Monika Aichberger, Präsidentin des FORUM!pharmazie und Vizepräsidentin der Landesgeschäftsstelle Oberösterreich der Österreichischen Apothekerkammer, nachgefragt. Im Gespräch geht es um die Stimmung unter den Kolleginnen und Kollegen, die Auswahl der Impfstoffe und die Voraussetzungen für die Umsetzung im Apothekenalltag.

TARA24: Wie erleben Sie die Stimmung unter den angestellten Kolleginnen und Kollegen sowie innerhalb des FORUM!pharmazie?

Monika Aichberger beschreibt die Reaktionen in ihrem Umfeld als positiv. Viele Apothekerinnen und Apotheker zeigten Interesse daran, künftig selbst in der Apotheke zu impfen. Für die Interessenvertretung ist die nun gestartete Begutachtung ein wichtiger Fortschritt auf dem Weg der Gesetzwerdung: „Wir vom FORUM!pharmazie freuen uns über diesen Meilenstein, da uns das Thema Impfen in Apotheken schon seit Jahren ein Anliegen ist.“

TARA24: Zum Start sind Impfungen gegen FSME, Hepatitis B sowie Kombinationsimpfungen gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten vorgesehen. Wie bewertet FORUM!pharmazie diese Auswahl, nachdem bisher besonders COVID-19 und Influenza diskutiert wurden?

Die Auswahl sei ein Anfang, bei der Einbindung der Influenza-Impfung sieht das FORUM!pharmazie jedoch noch Gesprächsbedarf. „Gerade für Influenza würde sich ein Impfangebot in der Apotheke sehr niederschwellig, treffsicher und kostensparender darstellen“, so Aichberger.

TARA24: Welche Hürden sehen Sie für Angestellte im Arbeitsalltag? Was braucht es bei Arbeitsplatzgestaltung, Ausbildung und rechtlicher Absicherung, um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestmöglich zu schützen?

„Wir sehen keine Hürden“, hält Monika Aichberger fest und richtet den Blick auf die Möglichkeiten der neuen Tätigkeit. Für die Umsetzung brauche es allerdings klare Rahmenbedingungen.

„Neben einer möglichst unbürokratischen Dokumentation sei insbesondere die rechtliche Absicherung in Haftungsfragen wesentlich. Diese müsse sowohl für Angestellte als auch für Selbständige gewährleistet sein.

Bezüglich der Ausbildungsbereitschaft verweist Aichberger auf die bereits rund 2.800 praxisnah ausgebildeten Kolleginnen. „Allein diese Zahl spricht für sich.“ Bei der Arbeitsplatzgestaltung ist laut Aichberger vor allem auf eine räumliche Trennung und die Wahrung der Privatsphäre zu achten.

TARA24: Welche Herausforderungen erwarten Sie bei der praktischen Umsetzung der Freiwilligkeit? Welche Schutzmechanismen oder arbeitsrechtlichen Garantien braucht es für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die impfen möchten oder diese Aufgabe nicht übernehmen wollen?

„Nicht jeder Betrieb wird das Angebot umsetzen können, und nicht alle Apothekerinnen und Apotheker werden diese neue Tätigkeit übernehmen wollen“, so die FORUM!pharmazie-Präsidentin. Das betreffe Angestellte ebenso wie Selbständige, erklärt sie weiters. Als notwendige Absicherung nennt Aichberger die Klärung der Haftungsfragen. Zugleich spricht sie sich dafür aus, interessierte Kolleginnen und Kollegen zu unterstützen: „Fördern und unterstützen wir doch die Mutigen beim Beschreiten neuer Wege.“

Welcher Ablauf sich in den Betrieben am besten bewährt, werde sich erst zeigen: „Ob geplante Impftermine über die Plattform der Apothekerkammer oder spontane Impfungen direkt in der Apotheke. Mit zunehmender Erfahrung könnten Unsicherheiten abgebaut werden und weitere Kolleginnen und Kollegen dazukommen“, ist sich Aichberger sicher. Sie fügt hinzu: „Bald wird es normal sein, das Impfen als eine Tätigkeit in den Apothekenalltag zu integrieren.“

Die Behandlung im Ministerrat bewertet die Präsidentin des FORUM!pharmazie insgesamt als wichtigen Auftakt: „Es ist ein bedeutender Schritt für die Apothekerschaft, dass der Gesetzesentwurf endlich in Begutachtung ist. Wir vom FORUM!Pharmazie werden die Begutachtunsgzeit aktiv nutzen, um uns für die Apothekerschaft einzubringen.“



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