VAAÖ: „Apotheker:innen werden die neue Aufgabe mit nötigem Respekt ausüben“


Viktoria Anderle

Ergott-Badawi und Prdroschko im Mantel. Sie freuen sich.
Der VAAÖ begrüßt den ersten Schritt zum Impfen in Apotheken, betont aber auch: „Der derzeit vorgesehene Impfstoffumfang greift aus unserer Sicht zu kurz.“VAAÖ

Mit der kürzlich im Ministerrat vorgestellten Begutachtung nimmt das Impfen in Apotheken konkrete Formen an. Der Verband Angestellter Apotheker Österreichs (VAAÖ) begrüßt die geplante Kompetenzerweiterung, fordert aber einen breiteren Impfstoffumfang und praktikable Arbeitsbedingungen. „Insbesondere muss die Influenza-Impfung von Beginn an möglich sein“, hält die Interessenvertretung fest.

Im Frühjahr 2027 sollen die ersten FSME-Impfungen in Apotheken möglich werden. Vorgesehen sind außerdem Impfungen gegen Hepatitis B sowie Kombinationsimpfungen gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten. Das Angebot soll gesunden Personen ab dem vollendeten 14. Lebensjahr offenstehen und von entsprechend ausgebildeten Apothekerinnen und Apothekern auf freiwilliger Basis durchgeführt werden.

Welche Voraussetzungen braucht es aus Sicht der Angestellten? TARA24 hat bei VAAÖ-Präsident Raimund Podroschko und der ersten Vizepräsidentin Susanne Ergott-Badawi nachgefragt. Die Antworten zeigen Zustimmung zur neuen Aufgabe, aber auch konkrete Forderungen für die Umsetzung.

Für VAAÖ-Präsident Raimund Podroschko ist die Entwicklung das Ergebnis langjähriger Verhandlungen und berufspolitischer Arbeit:

„Der VAAÖ wird den weiteren Gesetzgebungsprozess detailliert begleiten und seine Positionen – entsprechend den Interessen der angestellten Apothekerinnen und Apotheker – in die Begutachtung einbringen.“

TARA24: Wie ist das Stimmungsbild unter den angestellten Kolleg:innen und innerhalb des VAAÖ bezüglich der bevorstehenden Umsetzung? Steht die Zustimmung im Vordergrund oder gibt es auch Unsicherheiten?

„Rund 3.000 Apothekerinnen und Apotheker haben österreichweit eine Impfausbildung absolviert – und das weit bevor die gesetzliche Berechtigung gesichert war. Das spricht für sich!“, betont der VAAÖ. Die Kolleginnen und Kollegen seien bereit, neue Verantwortungsbereiche in der Gesundheitsversorgung zu übernehmen und ihre Expertise für die Weiterentwicklung des Berufs einzusetzen.

„Und sie werden diese neue Aufgabe auch mit dem nötigen Respekt ausüben“, betont der VAAÖ. Dafür stehe auch das durchdachte Impfcurriculum. Entscheidend seien nun die rechtlichen Rahmenbedingungen: Die Interessenvertretung wolle im Gesetzgebungsprozess darauf achten, dass impfende Apothekerinnen und Apotheker umfassend geschützt werden.

TARA24: Wie beurteilt der VAAÖ die vorgesehene Impfstoffauswahl, insbesondere angesichts der vorerst fehlenden Influenza-Impfung?

„Der derzeit vorgesehene Impfstoffumfang greift aus Sicht des VAAÖ zu kurz.“ Der VAAÖ fordert deshalb, grundsätzlich alle nicht lebenden Impfstoffe in Apotheken verabreichen zu dürfen. Besonders die Influenza-Impfung müsse bereits zum Start einbezogen werden.

Durch die Einbindung der Apotheken könnten nach ihrer Einschätzung österreichweit mehr als 1.000 zusätzliche Impfstellen entstehen. Darin sieht die Interessenvertretung eine Möglichkeit, die niedrigen Durchimpfungsraten zu verbessern.

TARA24: Was braucht es im Arbeitsalltag, damit Angestellte die neue Aufgabe fachgerecht und sicher übernehmen können?

Die berufliche Praxis der Angestellten müsse der Maßstab für die Ausgestaltung sein. Dazu zählt der VAAÖ ausreichend Zeit für Beratung, Impfung, Nachbetreuung und Dokumentation sowie passende personelle Ressourcen. Auch die räumlichen und organisatorischen Voraussetzungen müssten praktikabel sein. Eine Grenze zieht der VAAÖ ausdrücklich: „Für das Impfangebot dürfen keinesfalls das Nachtdienstzimmer genutzt werden.“

Bereits absolvierte Impfausbildungen sollen nach Angaben des VAAÖ weitgehend anerkannt werden. Voraussichtlich seien ergänzende E-Learning-Module und ein Präsenzkurs zur Auffrischung von Injektionstechnik und Notfallmanagement notwendig. Die Vorbereitungen liefen bereits, ausreichend Kursplätze sollen zur Verfügung stehen. „Zusätzliche Verantwortung braucht auch die Sicherheit und die Voraussetzungen, um sie qualitätsvoll wahrnehmen zu können“, wird betont.

Die erste VAAÖ-Vizepräsidentin Susanne Ergott-Badawi verbindet die Erweiterung des Berufsbildes mit einer klaren Forderung: „Unser Ziel bleibt klar: mehr pharmazeutische Kompetenzen, mehr Verantwortung in der Gesundheitsversorgung, mehr Arbeitsplätze – und faire Arbeitsbedingungen für jene, die diese Verantwortung übernehmen.“

TARA24: Wie soll die Freiwilligkeit in der Praxis gewährleistet werden, wenn Angestellte nicht impfen möchten?

Ob sie die neue Tätigkeit übernehmen wollen, müssten Angestellte für sich selbst entscheiden können. „Jede angestellte Kollegin, jeder angestellte Kollege kann das für sich entscheiden, auf freiwilliger Basis.“ Österreichweit stehe aus Sicht des VAAÖ eine ausreichende Zahl an Apothekerinnen und Apothekern für ein flächendeckendes Angebot zur Verfügung. Bei arbeitsrechtlichen Fragen und für eine entsprechende Vertretung verweist der VAAÖ auf sein Juristenteam.



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