Raue, kleine Knötchen an Oberarmen oder Oberschenkeln werden oft als trockene Haut oder mangelnde Pflege abgetan. Dahinter steckt häufig Keratosis pilaris, eine harmlose, aber hartnäckige Verhornungsstörung. Hier gilt es zu beachten, dass gut gemeinte Hausmittel oder aggressive Peelings die Beschwerden sogar verschlimmern können.
Keratosis pilaris, umgangssprachlich auch Reibeisenhaut genannt, zählt zu den häufigsten Verhornungsstörungen der Haut. Schätzungen zufolge sind bis zu 40 Prozent der Erwachsenen und bis zu 80 Prozent der Jugendlichen zumindest zeitweise betroffen. Besonders häufig tritt sie bei Menschen mit trockener Haut, Neurodermitis oder einer genetischen Veranlagung auf.
Die Ursache liegt nicht in einer mangelnden Hygiene, sondern in einer gestörten Verhornung. Keratin, ein körpereigenes Strukturprotein, sammelt sich im Ausgang des Haarfollikels an und bildet dort kleine Hornpfropfen. Dadurch entstehen die typischen rauen Erhebungen, manchmal begleitet von Rötungen oder einer leichten Entzündung.
Trockene Luft verschlechtert den Zustand
Viele Betroffene berichten, dass sich die Beschwerden in der kalten Jahreszeit deutlich verschlechtern. Dafür gibt es einen nachvollziehbaren Grund: Kalte Luft draußen und trockene Heizungsluft in Innenräumen reduzieren den Feuchtigkeitsgehalt der Haut und schwächen ihre Barrierefunktion. Die ohnehin gestörte Verhornung fällt dadurch stärker auf. Im Sommer kann sich das Hautbild dagegen verbessern. UV-Strahlung und eine höhere Luftfeuchtigkeit führen bei manchen Betroffenen zu einer glatteren Hautoberfläche.
Der häufigste Fehler
Es kursieren zahlreiche Tipps im Internet gegen die Reibeisenhaut. Empfohlen werden grobe Zuckerpeelings bis hin zu intensiven Bürstenmassagen. Dermatolog:innen sehen diese Methoden jedoch kritisch. Mechanische Reizungen können die Hautbarriere zusätzlich schädigen und Entzündungen verstärken, ohne die Ursache zu beseitigen. Auch stark parfümierte Körperpflege oder alkoholhaltige Produkte können empfindliche Haut zusätzlich austrocknen. Das Ergebnis: Die Haut wirkt kurzfristig glatter, reagiert langfristig jedoch häufig mit noch stärkerer Rauigkeit.
Welche Wirkstoffe helfen können
Die wirksamste Behandlung besteht nicht darin, die Haut möglichst intensiv abzutragen, sondern die Verhornung gezielt zu regulieren und gleichzeitig die Hautbarriere zu stärken. Bewährt haben sich unter anderem:
- Urea (Harnstoff) in Konzentrationen zwischen fünf und zehn Prozent
- Milchsäure wirkt ebenfalls keratolytisch
- Salicylsäure kann Hornpforpfen lösen, sollte jedoch insbesondere bei Kindern oder empfindlicher Haut nur gezielt eingesetzt werden
- Glykolsäure kann bei regelmäßiger Anwendung die Hautstruktur verbessern
Eine Übersichtsarbeit von Wang und Kolleg:innen fasst zusammen, dass keratolytische Wirkstoffe wie Urea, Alpha-Hydroxysäuren und Salicylsäure derzeit die beste wissenschaftliche Evidenz für eine symptomatische Behandlung besitzen. Eine ursächliche Therapie existiert allerdings nicht.
Retinoide nicht für jeden geeignet
Wenn die Beschwerden ausgeprägt sind, können Dermatolog:innen auch Retinoide wie Tretinoin oder Adapalen verordnen. Sie normalisieren die Verhornung der Haarfollikel und können das Hautbild deutlich verbessern. Zu beachten ist das Retinoide die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen und während der Schwangerschaft kontraindiziert sind. Bei konsequenter Pflege kann sich ein verbessertes Hautbild meist nach sechs bis zwölf Wochen sichtbar machen.
Die amerikanische American Academy of Dermatology (AAD) empfiehlt deshalb eine langfristige Hautpflege statt ständig wechselnder Produkte. Wer regelmäßig zwischen verschiedenen Säuren, Retinol und mechanischen Peelings wechselt, riskiert eher Hautreizungen als eine Verbesserung.
Hautbarriere rückt in den Fokus
Während sich frühere Therapien vor allem auf das Entfernen überschüssiger Hornschichten konzentrierten, beschäftigen sich neuere Forschungsarbeiten zunehmen mit der gestörten Hautbarriere. Hinweise sprechen dafür, dass eine konsequente Stabilisierung der Barriere langfristig ebenso wichtig sein könnte wie die eigentliche Verhornungsregulation. Die Europäische Dermatologie-Leitlinie zu Ichthyosen und Verhornungsstörungen (European Dermatology Forum) betont deshalb den Stellenwert einer individuell angepassten Basispflege als festen Bestandteil jeder Behandlung.
