Rosacea: „Keine Hautpflege ist fatal“


Viktoria Anderle

Symbolbild: Eine junge rothaarige Frau hat Creme auf der Wange.
„Dermokosmetik ist mehr als Pflege: Sie stärkt die Hautbarriere und kann eine medikamentöse Therapie sinnvoll unterstützen“, betont Dr. Presto.iso100production/AdobeStock_879211846

Rötungen, Brennen und sichtbare Äderchen werden oft als empfindliche Haut abgetan. Tatsächlich können sie aber erste Anzeichen einer Rosacea sein. „Gar keine Hautpflege zu verwenden ist fatal“, betont die Ärztin Dr. Simone Presto, denn eine konsequente Basistherapie spielt bei der chronisch-entzündlichen Hauterkrankung eine zentrale Rolle.

Rosacea ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die vor allem das Gesicht betrifft. Typisch sind anfallsartige oder dauerhafte Rötungen an Wangen und Nase, sichtbare Gefäßerweiterungen (Teleangiektasien), kurzzeitiges Erröten der Haut (Flush) sowie entzündliche Papeln und Pusteln. In fortgeschrittenen Stadien können zudem Bindegewebs- und Talgdrüsenwucherungen auftreten.

„Der Keltenfluch“

„Das ist ganz wichtig zu sagen: Rosacea ist nicht infektiös. Diese Annahme hört man auch heute noch manchmal“, erklärt Dr. Simone Presto, Ärztin und medizinische Beraterin bei Dermasence. Die Expertin beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Hauterkrankungen und medizinischer Hautpflege.

Rosacea tritt meist zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr erstmals auf und wird besonders häufig bei Menschen mit heller Haut beobachtet. „Rosacea wird umgangssprachlich auch der Keltenfluch genannt, da sie bei hellhäutigen Menschen besonders häufig auftritt“, so Presto.

Nach Angaben der aktuellen S2k-Leitlinie spielen sowohl genetische Faktoren als auch Umwelteinflüsse bei der Entstehung der Erkrankung eine Rolle. Beteiligt sind unter anderem das angeborene und adaptive Immunsystem, Gefäßreaktionen sowie neuronale Mechanismen. Die genauen Auslöser der frühen Krankheitsentwicklung sind bislang jedoch nicht vollständig geklärt. Zu den bekannten Triggerfaktoren zählen Hitze, starke Kälte, heißer Wasserdampf, scharfe Speisen, Alkohol, intensive körperliche Belastung sowie bestimmte Kosmetika. Auch Demodex-Milben und bakterielle Faktoren werden als mögliche Einflussgrößen diskutiert.

Auf frühe Symptome achten

Die Erkrankung beginnt häufig schleichend. „In der Anfangsphase treten vorübergehende Reizungen auf. Die Gefäße sind vielleicht kurzzeitig gerötet, bilden sich aber wieder zurück“, beschreibt die Expertin. Dadurch könne Rosacea zunächst kaum von einer allgemein empfindlichen oder geröteten Haut unterschieden werden.

Im weiteren Verlauf können sich jedoch dauerhafte Gefäßveränderungen entwickeln. „Treten Symptome wie eine gerötete Gesichtshaut, Kribbeln oder sichtbare Äderchen nicht nur in besonderen Situationen wie Stress oder körperlicher Anstrengung auf, muss an eine mögliche Rosacea gedacht werden“, so Presto.

Auch Augen können betroffen sein

Rosacea tritt überwiegend im Erwachsenenalter auf. In seltenen Fällen können jedoch auch Kinder betroffen sein, wobei häufig eine okuläre Rosacea im Vordergrund steht oder sogar die einzige Manifestation der Erkrankung darstellt. „Hier ist es wichtig, bei anhaltend geröteten Augen nach Symptomen wie Flush im Gesicht, Hautsymptomen oder einer Familienanamnese zu fragen“, erklärt Presto.

Die okuläre Rosacea kann sich unter anderem durch gerötete Augen, Brennen, wiederkehrende Lidrandentzündungen oder ein Fremdkörpergefühl bemerkbar machen. Da die Erkrankung insbesondere bei Kindern häufig nicht sofort erkannt wird, sollten entsprechende Beschwerden ernst genommen werden.

Wann sollte weiter abgeklärt werden?

• anhaltend gerötete Augen ohne erkennbare Ursache
• wiederkehrende Lidrandentzündungen
• Brennen oder Fremdkörpergefühl der Augen
• Gesichtsrötungen oder Flush-Symptomatik
• bekannte Rosacea in der Familie
• sichtbare Hautveränderungen im Gesicht

„Wird eine dieser Fragen bejaht, sollte das Kind einem Augenarzt beziehungsweise Hautarzt vorgestellt werden“, empfiehlt die Expertin.

Basistherapie als unverzichtbarer Bestandteil

Die aktuelle Rosacea-Leitlinie empfiehlt eine konsequente Hautpflege als festen Bestandteil des Behandlungskonzeptes. Der Grund dafür liegt in der gestörten Hautbarriere, die als wesentliches Merkmal der Erkrankung gilt.

„Hier ist wichtig zu wissen, dass die Hautbarriere gestört ist. Deshalb ist die Hautpflege immer ein Teil der Therapie. Wir sprechen von einer Basistherapie beziehungsweise einer Dermokosmetik“, erklärt Presto.

Dr. Presto ist besonders wichtig zu betonen: „Gar keine Hautpflege zu verwenden ist fatal!“

Eine besondere Bedeutung erhält die Basistherapie, weil auch Arzneimittel Zeit benötigen, bis ihre volle Wirkung erreicht wird. „Selbst bei einer medikamentösen lokalen oder systemischen Therapie kann es bis zu sechs Monate dauern, bis sich die Symptome vollständig zurückgebildet haben. Eine adäquate Hautpflege hilft dabei, diese Zeit zu überbrücken“, sagt die Ärztin.

Darüber hinaus unterstützt eine intakte Hautbarriere die Verträglichkeit medizinischer Behandlungen und kann die Aufnahme von Wirkstoffen verbessern. „Eine gestärkte Hautbarriere ist vielfach erst die Voraussetzung dafür, dass Wirkstoffe optimal aufgenommen werden können“, ergänzt Presto.

Welche Wirkstoffe eignen sich für die Pflege?

Neben einer leichten Formulierung empfehlen Expertinnen und Experten vor allem Wirkstoffe, die die Hautbarriere stärken, Entzündungen reduzieren und Gefäßreaktionen abmildern.

Leichte Texturen bevorzugen

Viele Betroffene reagieren empfindlich auf reichhaltige und stark fettende Formulierungen. Daher werden leichte Texturen wie Fluide oder Gele häufig besser vertragen als klassische Salben.

Barrierestärkende und beruhigende Wirkstoffe

Da eine gestörte Hautbarriere als wesentlicher Bestandteil der Erkrankung gilt, sollten Pflegemaßnahmen gezielt auf deren Stabilisierung abzielen.

Süßholzwurzelextrakt (Glycyrrhiza glabra) besitzt hautberuhigende, entzündungshemmende und feuchtigkeitsspendende Eigenschaften. Der Pflanzenstoff kann dazu beitragen, Rötungen und Irritationen zu reduzieren. Bewährt haben sich außerdem hautberuhigende und regenerationsfördernde Wirkstoffe wie Dexpanthenol oder Ringelblumenextrakt (Calendula officinalis), die die Regeneration der Haut unterstützen können.

Gefäßstabilisierende Inhaltsstoffe

Gefäßstabilisierende Wirkstoffe können helfen, die für Rosacea typischen Rötungen abzumildern. Ein Beispiel ist Escin aus der Rosskastanie. Der Pflanzenstoff wird für seine gefäßstärkenden Eigenschaften geschätzt und kann die Gefäßfunktion unterstützen.

Antioxidativer Schutz

Oxidativer Stress wird als ein möglicher Faktor bei der Entstehung und Aufrechterhaltung entzündlicher Prozesse diskutiert. Antioxidative Pflanzenstoffe wie Flavonoide und Polyphenole können freie Radikale neutralisieren und dadurch die Haut zusätzlich schützen. Zu den antioxidativen Pflanzenextrakten zählen Hopfen (Humulus lupulus) und Rosmarin (Rosmarinus officinalis). Beide enthalten zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe, denen hautberuhigende und antioxidative Eigenschaften zugeschrieben werden.

Ganzjähriger UV-Schutz

Eine besondere Rolle kommt dem UV-Licht zu. „UV-Licht ist der Nummer-eins-Triggerfaktor für Rosacea. Neue Studien deuten auf eine wachstumsstimulierende Wirkung bei den Blutgefäßen hin“, erklärt Presto. „Es sollten daher ganzjährig Produkte mit Lichtschutzfaktor (LSF) verwendet werden. Hier kann ruhig zu einem LSF50+ gegriffen werden, auch im Winter“, betont Presto. Eine mögliche Vitamin-D-Unterversorgung sei dabei kein Gegenargument, der Hautschutz habe Vorrang.

Konsequente Pflegeroutine ist essenziell

Rosacea ist weit mehr als eine kosmetische Beeinträchtigung. Die chronisch-entzündliche Erkrankung geht mit einer gestörten Hautbarriere einher und erfordert eine langfristige Betreuung. Neben medikamentösen Therapien kommt der Basistherapie mit hautschonender Reinigung, konsequentem Lichtschutz und gezielt ausgewählten Wirkstoffen eine zentrale Bedeutung zu.



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