Probiotika versus Präbiotika: Bakterien oder Bakterienfutter?


Sanja Agatic

Symbolbild: Verschiedene fermentierte Lebensmittel sind rund um eine Zeichnung des menschlichen Darms angeordnet.
Probiotika liefern lebend Mikroorganismen, Präbiotika dienen ausgewählten Darmbakterien als Nahrung.Foto:stock.adobe.com/airborne77

Nur ein Buchstabe trennt Probiotika von Präbiotika. Im Darm erfüllen sie jedoch grundverschiedene Aufgaben. Probiotika bringen lebende Mikroorganismen mit, Präbiotika liefern ausgewählten Darmbakterien Nahrung. Für die Auswahl ist dieser Unterschied wichtiger als eine möglichst lange Zutaten- oder Bakterienliste.

Probiotika: Der Stamm entscheidet

Probiotika sind lebende Mikroorganismen, meist Bakterien oder Hefen, die in ausreichender Menge einen gesundheitlichen Nutzen entfalten können. Zu den bekannten Vertretern gehören Laktobazillen, die auch natürlicherweise in fermentierten Lebensmitteln wie Joghurt, Kefir oder Sauerkraut vorkommen. Ausschlaggebend ist allerdings die genaue Bezeichnung, denn die Eigenschaften eines untersuchten Bakterienstamms lassen sich nicht automatisch auf andere Stämme derselben Art übertragen. Aussagen wie „enthält viele verschiedene Bakterien“ oder eine besonders hohe Keimzahl sagen daher für sich genommen noch wenig darüber aus, ob ein Präparat für einen bestimmten Zweck untersucht wurde.

Wie spezifisch solche Effekte sein können, zeigt die ProPAD-Studie von Carucci und Kolleg:innen aus dem Jahr 2022. Darin wurde Lacticaseibacillus rhamnosus GG bei Kindern mit atopischer Dermatitis untersucht. Die Forschenden prüften gezielt, welchen Einfluss dieser definierte Stamm auf den Krankheitsverlauf haben kann. Auch Navarro-López und Kolleg:innen untersuchten in einer randomisierten klinischen Studie nicht „Probiotika“ im Allgemeinen, sondern eine festgelegte Mischung bestimmter Bakterienstämme bei jungen Patient:innen mit moderater atopischer Dermatitis. Dabei wurden Veränderungen des SCORAD, mit dem der Schweregrad der Erkrankung erfasst wird, sowie der Einsatz topischer Kortikosteroide untersucht.

Die beiden Arbeiten zeigen damit vor allem eines: Bei Probiotika sind Studienergebnisse stammspezifisch. Ein Ergebnis mit Lacticaseibacillus rhamnosus GG ist kein Wirksamkeitsbeleg für jedes Präparat, auf dem „Laktobazillen“ steht.

Präbiotika bringen keine Bakterien mit

Präbiotika setzen an einer anderen Stelle an. Sie enthalten keine lebenden Mikroorganismen, sondern meist unverdauliche Nahrungsbestandteile, die bestimmten Darmbakterien als Substrat dienen und deren Wachstum oder Aktivität fördern können. Zu den bekanntesten gehört Onulin, dass etwa in Chicorée, Topinambur und Zwiebeln vorkommt. Auch Fructooligosaccharide, beispielsweise aus Knoblauch, Bananen, Roggen oder Hafer, sowie resistente Stärke können präbiotisch wirken. Letztere findet sich unter anderem in abgekühlten Kartoffeln oder Reis und in leicht unreifen Bananen.

Der Unterschied lässt sich damit klar zeihen: Probiotika liefern Mikroorganismen, Präbiotika liefern Nahrung für bestimmte Mikroorganismen.

Wenn beide Prinzipen zusammentreffen

Pro- und Präbiotika können auch miteinander kombiniert werden. Solche Kombinationen werden als Synbiotika bezeichnet, sofern sie die entsprechenden Voraussetzungen erfüllen. Dahinter steckt die Idee, Mikroorganismen zuzuführen und gleichzeitig Substrate bereitzustellen, die deren Aktivität beziehungsweise die vorhandene Mirkobiota unterstützen. Da bedeutet jedoch nicht, dass jede Kombination automatisch besser wirkt. Ebenso wenig lässt sich die Qualität eines Probiotkums allein an einer möglichst großen Zahl verschiedener Stämme oder einer hohen Bakterienmenge festmachen.

Bei einem Probiotikum lohn sich der Blick auf die exakte Stammbezeichnung und darauf, ob gerade dieser Stamm für den gewünschten Einsatz untersucht wurde. Die bloße Angabe einer Bakterienart reicht für eine solche Einordnung nicht immer aus. Bei Präbiotika steht dagegen das enthaltene Substrat im Mittelpunkt. Viele davon lassen sich bereits über eine abwechslungsreiche, ballaststoffreiche Ernährung aufnehmen, eine zusätzliche Supplementierung ist deshalb nicht notwendig.



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