Während die überwiegende Mehrheit der Krankenhauspatient:innen mit akuten oder chronischen Schmerzen Analgetika erhält, spielen nicht-medikamentöse Therapieformen bislang nur eine untergeordnete Rolle. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie unter Mitwirkung der MedUni Graz.
„Das Schmerzmanagement bei stationären Patienten mit akuten und chronischen Schmerzen sollte multimodale analgetische und nicht-pharmakologische Interventionen umfassen. Empirische Daten zu den wirklich angewendeten Verfahren zum Schmerzmanagement bei Patienten mit akuten oder chronischen Schmerzen sind jedoch weiterhin begrenzt. Ziel dieser Studie war es, Interventionen bei stationären Patienten mit akuten versus chronischen Schmerzen zu beschreiben und zu vergleichen“, schrieben die Wissenschafter in der Fachzeitschrift „Pain Management Nursing“.
In der wissenschaftlichen Arbeit wurden die Daten von drei jährlichen Erhebungen des österreichischen Systems zur Messung der Pflegequalität (2021 bis 2023) analysiert. Geschulte Pflegekräfte hatten demografische Daten, medizinische Diagnosen, Pflegebedürftigkeit und die zum Zeitpunkt der Erhebung durchgeführten Schmerzinterventionen bei Spitalpatienten erhoben. Die Informationen bezogen sich schließlich auf 2118 Kranke mit akuten und 955 Personen mit chronischen Schmerzen.
Nicht-medikamentöse Verfahren unter zehn Prozent
Die Patienten mit chronischen Schmerzen waren im Vergleich zu Patienten mit akuten Schmerzen älter (73 bzw. 66 Jahre), pflegebedürftiger und wiesen häufiger Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf (46 Prozent versus 33 Prozent). Pharmakologische Behandlungen dominierten in beiden Gruppen, wobei sie bei akuten Schmerzen (90 Prozent) häufiger eingesetzt wurden als bei chronischen Schmerzen (86 Prozent). Die Akutschmerztherapie umfasste häufiger nichtsteroidale Antirheumatika, während Patienten mit chronischen Schmerzen mehr Opioide erhielten, stellten die Fachleute fest.
Physiotherapie kam in beiden Gruppen mit einer Häufigkeit von rund 40 Prozent vor. Psychologische beziehungsweise verhaltenstherapeutische Maßnahmen zur Schmerzbehandlung wurden in beiden Gruppen bei weniger als zehn Prozent der Patient:innen eingesetzt. In der Gruppe mit chronischen Schmerzen erhielten 69 von 955 Personen (7,2 Prozent) eine psychologische Therapie. In der Gruppe mit akuten Schmerzen waren es 38 von 1163 Personen (3,3 Prozent). Zwischen den beiden Gruppen zeigte sich jedoch kein statistisch signifikanter Unterschied, sodass Patient:innen mit akuten und chronischen Schmerzen vergleichbar häufig psychologisch oder verhaltenstherapeutisch behandelt wurden.
Entspannungsverfahren wie Yoga oder Achtsamkeitstraining waren ebenfalls ähnlich verteilt und kamen bei 39 Personen mit chronischen Schmerzen sowie bei 35 Personen mit akuten Schmerzen zum Einsatz. Die Ablehnung sämtlicher schmerzlindernder Maßnahmen war in beiden Gruppen selten: Weniger als ein Prozent der Patient:innen verzichtete auf jede Form der Schmerztherapie.
Überwiegend Medikamente
Das Fazit der Autoren: „Diese deskriptive Studie dokumentiert die aktuelle Schmerztherapiepraxis in österreichischen Krankenhäusern und zeigt eine überwiegende Abhängigkeit von Medikamenten bei gleichzeitig geringer Integration nicht-pharmakologischer Optionen sowohl bei akuten als auch bei chronischen Schmerzen.“ Die Ergebnisse könnten die Basis für Initiativen zur Qualitätsverbesserung darstellen.
APAMED
