Wassermelone gilt auf Social Media derzeit als natürlicher Sonnenschutz. Verantwortlich dafür soll der hohe Gehalt an Lycopin sein, einen Pflanzenstoff, der die Haut von innen schützen soll. Dazu gibt es wissenschaftliche Untersuchungen, doch ihre Ergebnisse werden häufig missverstanden.
Wassermelonen bestehen zu rund 90 Prozent aus Wasser und gelten vor allem als erfrischender Durstlöscher. Weniger bekannt ist, dass das rote Fruchtfleisch Lycopin enthält, ein Carotinoid, dass Tomaten ihre rote Farbe verleiht und auch in Grapefruit, Papaya oder Guaven vorkommt. Daneben liefert die Frucht Citrullin, eine Aminosäure, die vor allem wegen ihrer möglichen Wirkung auf die Durchblutung untersucht wird.
Vor allem Lycopin hat das Interesse der Forschung geweckt. Als Antioxidants kann es sogenannte freie Radikale neutralisieren. Diese aggressiven Sauerstoffverbindungen entstehen unter anderem, wenn ultraviolette Strahlung auf die Haut trifft. Können sie nicht ausreichend abgefangen werden, schädigen sie Zellmembranen, Proteine und die Erbsubstanz der Haut. Genau an diesem Punkt setzt die Hypothese an, dass eine lycopinreiche Ernährung die Haut widerstandsfähiger gegen UV-Strahlung machen könnte.
Was Studien untersucht haben
Die meisten Untersuchungen beschäftigen sich allerdings nicht mit Wassermelonen, sondern mit Tomaten, Tomatenmark oder Lycopinpräparaten. Der Grund: Tomatenprodukte enthalten deutlich höhere und besser verfügbare Mengen Lycopin als Wassermelonen. Eine der bekanntesten Studien veröffentlichte das Team um den Dermatologen und Ernährungswissenschaftler Wilhelm Stahl bereits 2001. Die Teilnehmenden nahmen über zehn Wochen täglich Tomatenmark auf, das rund 16 mg Lycopin enthielt. Anschließend reagierte ihre Haut auf standardisierte UV-Bestrahlung mit einer geringeren Rötung als zu Beginn der Untersuchung. Die Forschenden werteten dies als Hinweis darauf, dass Lycopin die natürlichen Schutzmechanismen der Haut unterstützen kann.
Inzwischen wurden zahlreiche weitere Studien durchgeführt. Eine 2023 veröffentliche systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse, in die 21 klinische Studie einflossen, kam zu einem ähnlichen Ergebnis: Eine regelmäßige Aufnahme lycopinreicher Lebensmittel oder Lycopinpräparate kann UV-bedingte Hautrötungen messbar verringern und die sogenannte minimale Erythemdosis leicht erhöhen. Damit ist jene UV-Strahlungsmenge gemeint, die erforderlich ist, um eine sichtbare Hautrötung auszulösen. Steigt dieser Wert, reagiert die Haut etwas widerstandsfähiger auf Sonnenstrahlung. Gleichzeitig betonen die Autorinnen und Autoren dass der beobachtete Effekt vergleichsweise klein ausfällt und keinesfalls mit einem Lichtschutzfaktor einer Sonnencreme gleichgesetzt werden kann.
Aus den Studien lässt sich jedoch nicht ableiten, dass Lycopin Sonnencreme ersetzen könnte. Vielmehr scheint eine langfristig lycopinreiche Ernährung den natürlichen Eigenschutz der Haut geringfügig zu unterstützen. Dieser Effekt entwickelt sich außerdem nicht innerhalb weniger Stunden, sondern erst nach mehreren Wochen regelmäßiger Aufnahme.
Spielt Citrullin eine Rolle?
Neben Lycopin enthält Wassermelone Citrullin, eine Aminosäure, die im Körper zu Arginin umgewandelt wird. Arginin dient wiederum als Ausgangsstoff für Stickstoffmonoxid (NO). Dieses erweitert Blutgefäße und verbessert die Druchblutung. Deshalb wird Citrullin vor allem im Sportbereich und im Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht. Mit einem Schutz vor UV-Strahlung hat dieser Mechanismus allerdings nichts zu tun. Bislang gibt es keine belastbaren klinische Studien, die zeigen, dass Citrullin Sonnenbrand verhindert oder die Haut widerstandsfähiger gegen UV-Strahlen macht.
