Apothekerverband kritisiert Heilmittelreport 


Redaktion

Portrait Apothekerverband: Der Vorstand des Apothekerverbands steht im Stiegenhaus. Die drei Männer tragen Anzüge.
Der Österreichische Apothekerverband ist überzeugt, dass der Report kein umfassendes und objektives Bild der Heilmittelversorgung zeichnet.Renée Del Missier

Der Österreichische Apothekerverband übt scharfe Kritik an dem am 15. Juli vorgestellten Heilmittelreport des Dachverbands der Sozialversicherungen. Nach Ansicht des Verbands fehlen wesentliche Bezugsgrößen wie das Bevölkerungswachstum und der damit gestiegene Versorgungsbedarf. Zudem würden öffentliche Apotheken und ärztliche Hausapotheken unzulässigerweise gleichgesetzt. Insgesamt werfe der Report mehr Fragen auf, als er Antworten liefere.

„Der am 15. Juli vorgestellte ‘Heilmittelreport’ des Dachverbands der Sozialversicherungen wirft mehr Fragen auf, als er Antworten gibt“, eröffnet der Österreichische Apothekerverband seine Pressemitteilung. „Damit verfehlt er das selbst gesteckte Ziel, die ‘Rahmenbedingungen der Medikamentenversorgung’ … ‘verständlich zu machen’ und Vertrauen aufzubauen“, heißt es weiter.

Zahlen würden einseitig dargestellt werden, wesentliche Fakten ausgelassen. Der Verband ist sich sicher: „Ein umfassendes, objektives Bild, das einen Beitrag dazu leistet, das System der Heilmittelversorgung zu verstehen, wird damit nicht gezeichnet.“

Falsche Gleichsetzung

„Dass der Dachverband der Sozialversicherungen keine Unterscheidung zwischen öffentlicher Apotheke und ärztlicher „Hausapotheke“ trifft, ist in höchstem Maße irritierend. Mit der Addition der Anzahl der öffentlichen Apotheken und der ärztlichen Notabgabestellen im Heilmittelreport werden diese unzulässigerweise gleichgesetzt. Dabei ist einzig und allein die öffentliche Apotheke eine vollumfänglich Apotheke mit Nachtdiensten, einem Labor und einem Arzneimittelsortiment das durchschnittlich 6000 Präparate umfasst“, weist Thomas W. Veitschegger, Präsident des Österreichischen Apothekerverbands, auf die Bedeutung der öffentlichen Apotheke für die Versorgung der Bevölkerung hin.

Rückgang der Apothekenspannen um 13,3 Prozent

„In den letzten Jahren waren wir in Österreich und der EU mit Rekordwerten bei der Inflation konfrontiert. Das hat jeder Haushalt und jedes Unternehmen gespürt. Wer nach dieser Zeit eine Spannenentwicklung nicht in Beziehung zur Teuerungsrate darstellt, arbeitet im besten Fall ungenau. Der Dachverband führt eine Steigerung der „Apothekenspannen” von 23,4 Prozent im Zeitraum 2013 bis 2025 an. Demgegenüber steht eine Steigerung des VPI (Anm. Redaktion Verbraucherpreisindex) von 42,3 Prozent und damit ein realer Rückgang der Apothekenspannen von 13,3 Prozent“, erklärt Andreas Hoyer, 1. Vizepräsident des Österreichischen Apothekerverbands.

Wesentliche Bezugsgrößen fehlen

„Ähnlich wie bei der Spannenentwicklung wird auch bei der Entwicklung der Apothekenzahlen eine wesentliche Bezugsgröße weggelassen: Während der Report hier von einem Anstieg seit 2013 um 3,3 Prozent berichtet, wird nicht angeführt, dass Österreichs Bevölkerung im selben Zeitraum um 8,8 Prozent gewachsen und dementsprechend der Versorgungsbedarf gestiegen ist. Bei den hochpreisigen Medikamenten wird zudem außer Acht gelassen, dass öffentliche Apotheken diese lebenswichtigen Medikamente über Kredite vorfinanzieren müssen“, weist Alexander Hartl, 2. Vizepräsident des Österreichischen Apothekerverbands, auf weitere Lücken im Report hin.

„Wir erwarten uns vom Dachverband der Sozialversicherungen Impulse für die Weiterentwicklung der Heilmittel- und Gesundheitsversorgung. Dabei müssen die Apotheken mit all ihren Leistungen, Potenzialen aber auch ihren wirtschaftlichen Herausforderungen mitgedacht werden. Für konstruktive Gespräch dazu stehen wir jederzeit zur Verfügung“, so Verbandspräsident Veitschegger abschließend.

OTS APOTHEKERVERBAND



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