Lieferengpass: Apotheken-Aufwand muss honoriert werden


Redaktion

Die Außenfassade des Apothekerhauses in der Spitalgasse.
Öffentlicher Apotheken übernehmen bei Lieferengpässen eine Schlüsselrolle: Sie organisieren Alternativen, beraten Patient:innen und sichern so die kontinuierliche Arzneimittelversorgung.TARA24

Österreichs öffentliche Apotheken bleiben ein zentraler Pfeiler der Arzneimittelversorgung insbesondere in Zeiten anhaltender Lieferengpässe. Gleichzeitig zeigt der erste Heilmittelreport der Sozialversicherung, dass der steigende wirtschaftliche Druck die flächendeckende Versorgung zunehmend gefährdet. Die Apothekerkammer fordert daher eine stärkere finanzielle Anerkennung der Leistungen der Apotheken.

Lieferengpässe gehören längst zum Alltag

Seit Jahren kämpfen öffentliche Apotheken mit Lieferproblemen bei zahlreichen Arzneimitteln. Der erstmals veröffentliche Heilmittelreport des Dachverbands der Sozialversicherungsträger bestätigt nun, welche zentrale Rolle Apotheken bei der Bewältigung dieser Engpässe spielen. Statt Medikamente lediglich abzugeben, müssen Apotheker:innen Alternativen suchen, Rücksprache mit Ärzt:innen halten oder wenn keine passende Fertigarznei verfügbar ist, magistrale Zubereitungen herstellen.

„Da sich die angespannte globale Produktions- und Lieferkettensituation nicht entspannen wird, werden wir Apothekerinnen und Apotheker weiterhin stark gefordert sein. In jeder Apotheke ist laufend jemand mit der Bewältigung von Lieferengpässen beschäftigt, von der Suche nach Alternativen über Rücksprachen mit Ärztinnen und Ärzten bis hin zu zeitaufändigen Eigenherstellungen“, betont Apothekerkammer-Vizepräsident Raimund Podroschko. Es fordert, dass diese personal- und zeitintensive Arbeit künftig nicht nur dokumentiert, sondern auch finanziell entsprechend honoriert wird.

Apotheken sind oft die erste Anlaufstelle

Mit rund 1.470 öffentlichen Apotheken und bis zu 600.000 Patientenkontakten täglich zählen Apotheken zu den meistgenutzten Einrichtungen des österreichischen Gesundheitssystems. Rund 6.000 unterschiedliche Arzneimittel befinden sich durchschnittlich lagernd in einer öffentlichen Apotheke. Insgesamt werden etwa 24.000 Medikamentenpackungen vorrätig gehalten. Zusätzlich erfolgt die Belieferung durch den pharmazeutischen Großhandel meist drei- bis viermal täglich. Dadurch können viele nicht lagernde Arzneimittel innerhalb weniger Stunden organisiert und an Patient:innen abgegeben werden. Diese logistische Leistung gewinnt angesichts zunehmender Lieferprobleme weiter an Bedeutung.

Sinkende Spannen treffen auf steigende Kosten

Während die Anforderungen an öffentliche Apotheken steigen, verschlechtert sich laut Apothekerkammer gleichzeitig ihre wirtschaftliche Situation. Die Spannen für verschreibungspflichtige Arzneimittel auf Krankenkassenkosten seien in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gesunken, von rund 28 Prozent auf etwa 11 Prozent. Gleichzeitig steigen Personal-, Energie-, Miet- und Softwarekosten kontinuierlich an. Nach Angaben der Apothekerkammer hat inzwischen jede vierte öffentliche Apotheke Schwierigkeiten, die Kosten für eine angestellte Leitung zu erwirtschaften.

„Wenn diese Entwicklung nicht gestoppt werden kann, dann wird der nächste Heilmittelreport ein Apothekensterben in Österreich thematisieren müssen“, warnt Gerhard Kobinger, Zweiter Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer.

Mehr als Arzneimittel abgeben

Die Zahlen des Heilmittelreports verdeutlichen, dass die Leistungen öffentlicher Apotheken weit über die reine Medikamentenabgabe hinausgehen. Die Suche nach Ersatzpräparaten, die Herstellung individueller Rezepturen, die Abstimmung mit Ärzt:innen sowie die Beratung von Patient:innen sind mittlerweile fester Bestandteil des Apothekenalltags. Gerade bei Lieferengpässen entscheidet dieses Zusammenspiel häufig darüber, ob Patient:innen ihre Therapie ohne Unterbrechung fortsetzen können.

OTS



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