Wirtschaftliche Unsicherheit: Pharmabranche blickt zunehmend sorgenvoll in die Zukunft


Redaktion

Symbolbild: Tabletten auf verschiedenen Euroscheinen.
Das aktuelle Pharma-Branchenbarometer zeigt: Die wirtschaftliche Unsicherheit in der österreichischen Pharmabranche nimmt deutlich zu. Foto:stock.adobe.com/InfinitumProdux

Die Stimmung in der österreichischen Pharmabranche verschlechtert sich. Zwar werden die allgemeinen Standortbedingungen weiterhin überwiegend als durchschnittlich bewertet, doch bei der wirtschaftlichen Lage und den Zukunftsaussichten überwieget zunehmend die Skepsis. Zusätzliche Sorgen bereitet die angekündigte „Most-Favored-Nation“-Politik (MFN) der USA, die auch Auswirkungen auf den europäischen Arzneimittelmarkt haben könnte. Das zeigt das aktuelle Pharma-Branchenbarometer der PHARMIG.

Das PHARMA-Branchenbarometer, eine jährliche Umfrage unter den Mitgliedsunternehmen der Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs (PHARMIG), zeigt: 58 Prozent der befragten Unternehmen beurteilen die allgemeinen Rahmenbedingungen in Österreich als „befriedigend“, weitere 25 Prozent als „zufriedenstellend“. Verglichen mit den Zahlen aus dem Vorjahr sowie der Umfrage aus 2024 zeigt sich hier ein leicht positiver Trend, was den gesamthaften Blick auf die Rahmenbedingungen für die Pharmabranche betrifft. Bei der der Einschätzung der eigenen wirtschaftlichen Situation zeigt sich jedoch ein deutlich negativer Trend.

Deutlich pessimistischere Erwartungen

Nur noch 44 Prozent der Unternehmen bewerten ihre aktuelle wirtschaftliche Lage als gut. Zu Vergleich: 2024 lag dieser Wert noch bei 58 Prozent, im Vorjahr 52 Prozent. Gleichzeitig hat sich der Anteil jeder Betrieb, die ihre Situation als schlecht einstufen, innerhalb von zwei Jahren verdreifacht, von zwei Prozent im Jahr 2024 auf aktuell sechs Prozent. Noch kritischer fällt der Blick nach vorne aus. 40 Prozent der Befragten rechnen in den kommenden sechs Monaten mit einer ungünstigen Entwicklung ihres Unternehmens. In den beiden Vorjahren lag dieser Wert noch bei rund 22 Prozent beziehungsweise 23 Prozent. Gleichzeitig halbierte sich der Anteil der Unternehmen mit positiven Erwartungen innerhalb von zwei Jahren auf nur noch vier Prozent.

PHARMIG-Generalsekretär Alexander Herzog sieht darin ein Warnsignal: „Die aktuelle Befragung zeigt, dass die Unsicherheit in der Branche zunimmt. Wenn Unternehmen ihre wirtschaftliche Situation und Zukunftsaussichten zunehmend kritisch einschätzen, ist das ein deutliches Signal und es sollte dringend gegengesteuert werden.“

Sorge wegen„Most-Favored-Nation“-Politik

Ein zentrales Thema der Befragung ist die sogenannte „Most-Favored-Nation“-Politik (MFN) der USA. Diese sieht vor, Arzneimittelpreise stärker an den niedrigsten Preisen vergleichbarer Industrieländer auszurichten. Da europäische Preise damit direkten Einfluss auf den US-Markt hätten, befürchten die Branche auch Auswirkungen auf Österreich. 87 Prozent der Unternehmen erwarten durch einen verzögerten Zugang von Patient:innen zu neuen Therapien. 69 Prozent rechnen mit weniger Markteinführungen innovativer Medikamente, 65 Prozent mit sinkenden Investitionen in den Pharmastandort Österreich. Sogar 91 Prozent gehen davon aus, dass Erstattungs- und Finanzierungsprozesse dadurch länger dauern könnten.

„Die erwarteten Auswirkungen einer MFN-Preisreferenzierung geben Anlass zur Sorge. Wenn Investitionen zurückgehen und sich Prozesse verlangsamen, kann das langfristig Folgen für Forschung, Produktion und den Zugang zu innovativen sowie bewährten Therapien haben“, warnt Herzog.

Innovationen als Investition verstehen

Nach Ansicht der PHARMIG müsse Österreich seine Wettbewerbsfähigkeit gezielt stärken und die angekündigte Life-Sciences-Strategie rasch umsetzen. Innovationen dürften nicht ausschließlich, als Kostenfaktor betrachtet werden. „Sie sollten, wenn es um deren Erstattung geht, nicht als Kostenfaktor betrachtet werden, sondern als Investition in unsere Gesundheit, unsere Volkswirtschaft und unseren Standort“, betont Herzog.

Gleichzeitig warnt er vor einer dauerhaften Preisspirale bei Medikamenten: „Kurzfristig gespart kann durch diese Strategie langfristig teuer werden.“ Nur mit verlässlichen Rahmenbedingungen könne die Pharmaindustrie auch künftig Versorgungsicherheit, Innovation und Wertschöpfung in Österreich gewährleisten.

OTS PHARMIG



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