Der US-Pharmakonzern Eli Lilly baut sein Engagement im Bereich psychedelischer Therapien gegen Depressionen aus. Mit der Übernahme des Biotechnologieunternehmens AtaiBeckley sichert sich der Konzern nicht nur den Zugriff auf einen fortgeschrittenen Wirkstoffkandidaten gegen therapieresistente Depression, sondern auf eine gesamte Pipeline innovativer Therapien für psychische Erkrankungen.
Für bis zu 3,8 Milliarden US-Dollar (3,33 Milliarden Euro) kauft das Unternehmen Eli Lilly vergangene Woche den US-Spezialisten AtaiBeckley. „Millionen von Menschen suchen immer noch nach Linderung und brauchen dringend eine Therapie, die wirkt“, erklärte Carole Ho, Leiterin der Neurologie-Sparte bei Lilly.
Psychedelika als „Breakthrough Therapy“
Das am weitesten fortgeschrittene Medikament von AtaiBeckley, das Nasenspray BPL-003, basiert auf einer synthetischen Form des Psychedelikums 5-MeO-DMT (Mebufoteninbenzoat). Es soll die Fähigkeit des Gehirns wiederherstellen, neue neuronale Verbindungen zu bilden.
Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) hat dem Mittel den Status einer „Breakthrough Therapy“ verliehen, was eine beschleunigte Entwicklung und Zulassung ermöglichen soll. Derzeit laufen die Vorbereitungen für die entscheidende klinische Phase-3-Studie. Nach Angaben des Unternehmens zeigte BPL-003 in einer Phase-2b-Studie eine rasche und über mehrere Monate anhaltende Verbesserung depressiver Symptome nach einer einzigen Behandlung unter klinischer Überwachung.
66,7 Prozent der Teilnehmenden der Phase-2-Studie sollen nach einer einmaligen intranasalen Gabe von BPL-003 sowohl in der 10-Milligramm- als auch in der 12-Milligramm-Gruppe bereits nach zwei Tagen ein antidepressives Ansprechen, definiert als eine Reduktion des MADRS-Scores um mindestens 50 Prozent gegenüber dem Ausgangswert. Nach zwölf Wochen hielten die Therapieeffekte bei 83 Prozent der Teilnehmenden (5 von 6) in der 10-Milligramm-Gruppe und bei 66,7 Prozent (4 von 6) in der 12-Milligramm-Gruppe an.
Weitere Wirkstoffkandidaten in Entwicklung
„Über unser gesamtes Portfolio hinweg wollen wir zeigen, dass psychiatrische Erkrankungen an ihrer biologischen Ursache behandelbar sind – und nicht nur ihre Symptome“, sagte Srinivas Rao, Mitgründer und Chief Executive Officer (CEO) von AtaiBeckley.
Neben BPL-003 übernimmt Lilly weitere klinische Entwicklungsprogramme von AtaiBeckley. Dazu zählt VLS-01, eine Buccalfilm-Formulierung von DMT zur Behandlung therapieresistenter Depression, die sich derzeit in einer Phase-2b-Studie befindet. Darüber hinaus entwickelt das Unternehmen mit EMP-01 eine Formulierung von MDMA, ein Amphetaminderivat, auch als Ecstasy bekannt, zur Behandlung sozialer Angststörungen. Ergänzt wird die Pipeline durch ein Forschungsprogramm zur Entwicklung neuartiger, nicht halluzinogener 5-HT2A-Rezeptor-Agonisten.
Ressourcen und globale Reichweite
Der Kaufpreis setzt sich aus einer Barzahlung von 6,75 Dollar je AtaiBeckley-Aktie zusammen. Damit wird das Unternehmen mit rund 2,8 Milliarden US-Dollar bewertet. Hinzu kommen mögliche Meilensteinzahlungen von bis zu einer Milliarde US-Dollar, falls bestimmte Entwicklungs- und Zulassungsziele erreicht werden. Die Barzahlung entspricht einem Aufschlag von rund 40 Prozent auf den durchschnittlichen Aktienkurs der vergangenen 30 Tage. Der Abschluss der Übernahme wird für das dritte Quartal erwartet.
Der Gründer und größte Aktionär von AtaiBeckley, der deutsche Investor Christian Angermayer, unterstützt das Vorhaben. Die Ressourcen von Lilly würden helfen, die Therapien schneller voranzutreiben, erklärte er. Auch AtaiBeckley-Chef Srinivas Rao begrüßte die Übernahme. Ziel sei es, psychiatrische Erkrankungen an ihrer biologischen Ursache und nicht nur symptomatisch zu behandeln. „Die Expertise und Reichweite von Lilly werden diese Arbeit für Menschen, deren Erkrankungen auf bestehende Behandlungen nicht angesprochen haben, voraussichtlich beschleunigen“, so Angermayer.
An der Börse reagierten die Aktien von AtaiBeckley mit einem Kurssprung auf die Nachricht, zuletzt notierten die Titel rund 32 Prozent im Plus. Die Aktien von Eli Lilly stiegen im Frühhandel in New York um 1,3 Prozent.
APA / PRESSEMITTEILUNG LILLY
