Bibrocathol ist ein vergleichsweise alter Arzneistoff aus der Gruppe der Antiseptika. Am äußeren Auge entfaltet er eine desinfizierende, adstringierende und sekretionshemmende Wirkung. Zum Einsatz kommt er insbesondere bei chronischen Lidrandentzündungen, die nicht durch Bakterien verursacht werden.
Chemisch handelt es sich bei Bibrocathol um eine schwer wasserlösliche Verbindung, die Bismut und Brom enthält. Damit vereint der Arzneistoff zwei Elemente, die in pharmazeutischen Wirkstoffen vergleichsweise selten vorkommen.
Bibrocatholhaltige Augenmittel wurden bereits seit 1912 eingesetzt. Die Geschichte des Wirkstoffs reicht sogar noch etwas weiter zurück: Denn laut dem Fachlexikon RÖMPP wurde Bibrocathol 1908 von der Chemischen Fabrik von Heyden als Antiseptikum patentiert.
Wie wirkt Bibrocathol?
Bibrocathol wirkt vorwiegend lokal auf Schleimhäuten und oberflächlichen Wunden. Es wirkt antiseptisch, adstringierend und sekretionshemmend durch die Ausfällung von Eiweißen. Durch das Zusammenziehen oberflächlicher Gewebsschichten entsteht eine schützende Membran. Diese erschwert das Eindringen von Bakterien und kann gleichzeitig Entzündungsreaktionen sowie die Sekretbildung verringern.
Bei den wirksamen Strukturkomponenten handelt es sich um das Phenolderivat Tetrabrombrenzcatechin sowie das Bismuthydroxid. Aufgrund der schlechten Wasserlöslichkeit von Bibrocathol im Kammerwasser des Auges ist eine nennenswerte Aufnahme in den Blutkreislauf nicht zu erwarten. Seine Wirkung bleibt damit weitgehend auf den Anwendungsbereich am Auge lokal begrenzt.
Lidrandentzündung und gereiztes Auge
Zu den Einsatzgebieten zählen unspezifische, nicht erregerbedingte Reizzustände des äußeren Auges, chronische Lidrandentzündungen (Blepharitis chronica) und nicht infizierte frische Hornhautwunden.
Die in Österreich zugelassene Arzneispezialität (Bibrocathol-POS 20 mg/g Augensalbe) ist zur Behandlung chronischer Lidrandentzündungen vorgesehen, die nicht durch Bakterien verursacht werden. Bleiben die Beschwerden bestehen oder verschlechtern sie sich, ist eine ärztliche Abklärung erforderlich.
Nebenwirkungen und Risiken
Trotz seiner überwiegend lokalen Wirkung ist Bibrocathol nicht frei von Nebenwirkungen. Selten können Augen- und Lidirritationen auftreten, darunter Juckreiz, Brennen, Schmerzen, Rötungen, Tränenfluss oder Schwellungen. Auch allergische Reaktionen und Hautausschläge sind möglich. Nach dem Auftragen kann der Salbenfilm das Sehvermögen vorübergehend beeinträchtigen. Bis wieder klare Sicht besteht, dürfen daher keine Fahrzeuge gelenkt oder Maschinen bedient werden.
Bei einer Überempfindlichkeit gegen Bibrocathol oder einen anderen Bestandteil darf die Salbe nicht angewendet werden. Während der Behandlung sollen zudem keine Kontaktlinsen getragen werden. Für die Anwendung in der Schwangerschaft und Stillzeit liegen nur begrenzte Daten vor.
Rezeptpflichtige Arzneispezialität in Österreich
In Österreich ist Bibrocathol-POS 20 mg/g Augensalbe zugelassen. Ein Gramm Augensalbe enthält 20 mg des Wirkstoffs. Die Arzneispezialität ist rezeptpflichtig und für die Behandlung nicht bakteriell verursachter chronischer Lidrandentzündungen vorgesehen.
Erwachsene applizieren drei- bis fünfmal täglich einen etwa 0,5 cm langen Salbenstrang in den Bindehautsack oder auf die erkrankten Stellen des Lids. Der Anwendungszeitraum darf maximal 14 Tage betragen. Kinder ab einem Alter von sechs Jahren applizieren bis zu dreimal täglich den Salbenstrang für maximal 10 Tage.
