Blutdruck richtig messen bei Medikamenteneinnahme


Sanja Agatic

Symbolbild: Ein Männlicher Arm trägt eine Blutdruck Manschette und misst seinen Blutdruck.
Der Blutdruck sollte zur Verlaufskontrolle möglichst immer unter denselben Bedingungen gemessen werden, idealerweise morgens vor der Einnahme des Blutdruckmedikaments.AdobeStock_408924169/Photo Sesaon

Wer Blutdrucksenker einnimmt, misst oft genau dann, wenn der Wert gerade am wenigsten aussagekräftig ist: kurz nach der Tablette, zwischen Kaffee, Alltag und Stress. Dabei entscheidet nicht nur das Gerät über die Zahl am Display, sondern vor allem der Zeitpunkt. Falsch gemessen kann ein normaler Blutdruck auffällig wirken.

Für die Beurteilung der Therapie ist die morgendliche Messung besonders wichtig: nach dem Toilettengang, vor dem Frühstück, vor Kaffee und vor der Einnahme der Blutdruckmedikamente. So lässt sich erkennen, ob der Blutdruck über Nacht und bis zur nächsten Dosis ausreichend kontrolliert bleibt. Die europäische Leitlinien empfehlen bei behandelten Patientinnen und Patienten morgendliche Messungen ausdrücklich vor der Medikamenteneinnahme.

Eine Messung direkt nach er Tablette ist meist wenig hilfreich. Viele Blutdruckmittel wirken nicht sofort, sondern erst nach 30 Minuten, nach mehreren Stunden oder gleichmäßig über den Tag. Wer fünf Minuten nach der Einnahme misst, überprüft also nicht die Wirkung des Medikaments, sondern eher den Ausgangswert.

So wird richtig gemessen

Während der Messung nicht sprechen, nicht mit dem Handy beschäftigen und möglichst still sitzen. Die Manschette gehört auf den nackten Oberarm, nicht über Kleidung. Der Arm liegt entspannt auf Herzhöhe, Rücken angelehnt, Füße flach am Boden. Kaffee, Nikotin, Sport und Alkohol sollten mindestens 30 Minuten vorher vermieden werden, auch eine volle Blase kann den Blutdruck erhöhen. Sinnvoll sind zwei Messungen im Abstand von einer Minute. Für ein verlässliches Bild wird häufig an drei bis sieben Tage gemessen, morgens und abends. Nach den Empfehlungen der European Society of Hypertension sollte der Blutdruck zu Hause idealerweise an sieben, mindestens jedoch an drei aufeinanderfolgenden Tagen gemessen werden. Morgens und abends jeweils zweimal im Abstand von einer Minute.

Es gibt Situationen, in denen Ärztinnen und Ärzte bewusst eine Messung zwei bis vier Stunden nach der Einnahme empfehlen. Etwa wenn eine Therapie neu begonnen wurde, die Dosis erhöht wurde oder Beschwerden wie Schwindel, Benommenheit oder Kreislaufprobleme auftreten. So lässt sich beurteilen, ob der Blutdruck nach der Tablette möglicherweise zu stark abfällt.

Reichen einzelne Messungen nicht aus oder bestehen starke Schwankungen, kann eine 24-Stunden-Blutdruckmessung sinnvoll sein. Dabei misst ein tragbares Gerät den Blutdruck tagsüber meist alle 15 bis 30 Minuten und nachts in größeren Abständen. So lässt sich beurteilen, wie sich der Blutdruck im Tagesverlauf entwickelt, ob die Medikamente über die gesamte Wirkdauer ausreichend wirken und ob der Blutdruck nachts wie erwartet absinkt. Die Untersuchung gilt als wichtiger Bestandteil der Bluthochdruckdiagnostik und hilft auch dabei, einen sogenannten Weißkittel-Bluthochdruck oder einen maskierten Bluthochdruck zu erkennen.

Was Werte verfälschen kann

Viele erhöhte Werte entstehen nicht durch eine schlechte Therapie, sondern durch schlechte Messbedingungen. Typische Störfaktoren sind Treppensteigen kurz davor, Stress, Schmerzen, Kälte, Reden während der Messung, gekreuzte Beine, eine zu kleine Manschette oder der Arm zu hoch oder zu tief gehalten wird.

Auch Arzneimittel können den Blutdruck beeinflussen: Dazu zählen etwa Ibuprofen, Diclofenac, Kortisonpräparate, manche Antidepressiva wie Venlafaxin, Duloxetin, Bupropion und Trizyklische Antidepressiva (TCA) wie Amitriptylin oder Nortriptylin, ADHS-Medikamente sowie abschwellende Nasensprays mit Xylometazolin oder Oxymetazolin. Wer trotz Blutdrucktherapie plötzlich höhere Werte misst, sollte daher nicht nur an seine Tabletten denken, sondern auch an neue Medikamente, Schmerzmittel oder Erkältungspräparate.

Nicht jeder hohe Wert bedeutet eine falsche Einstellung

Ein einzelner hoher Wert ist noch nicht aussagekräftig. Entscheidend ist der Verlauf. Zu Hause gelten Werte ab etwa 135/85 mmHg als erhöht, in der Ordination liegt die Grenze meist bei 140/90 mmHg, weil dort Aufregung den Blutdruck anheben kann. Die ESC-Leitlinie von 2024 betont die Bedeutung von Heim- und Langzeitmessungen, weil sie die Alltagsstituation besser abbilden als einzelne Ordinationswerte.

Wichtig: Bei wiederholten Werten über 180/120 mmHg, besonders mit Brustschmerz, Atemnot, neurologischen Ausfällen, stärker Übelkeit oder Sehstörungen, braucht es sofort medizinische Abklärung. Die Medikation sollte aber nicht eigenmächtig verändert oder abgesetzt werden.

Nicht jedes Medikament wirkt gleich schnell

Wie rasch der Blutdruck sinkt, hängt vom Wirkstoff ab. Ramipril beginnt meist innerhalb von ein bis zwei Stunden zu wirken, die stärkste Blutdrucksenkung wird jedoch erst nach mehreren Stunden erreicht. Sein Wirkoptimum erreicht es nach etwa vier bis sechs Wochen Einnahme. Bisoprolol benötigt ebenfalls einige Stunden, während Amlodipin besonders langsam wirkt und seine voll blutdrucksenkende Wirkung häufig erst nach ein bis zwei Wochen regelmäßiger Einnahme entfaltet. Auch Candesartan senkt Blutdruck zwar bereits am ersten Tag, die maximale Wirkung entwickelt sich aber erst nach mehreren Wochen.  



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