Finasterid in der Rezeptur? Besser nicht!


Viktoria Anderle

Kapsel und Pulver
Magistrale Haarwässer enthalten Finasterid häufig in einer Konzentration von 0,15 Prozent, während Kapseln meist mit 1 mg Finasterid verordnet werden.Foto: Nyxoria/stock.adobe.com

Finasterid wird in einer Dosierung von 5 mg bei benigner Prostatahyperplasie eingesetzt. Bei erblich bedingtem Haarausfall bei Männern kommt üblicherweise eine Dosierung von 1 mg zum Einsatz. Trotz eines verfügbaren Fertigarzneimittels finden sich nach wie vor Verschreibungen zur magistralen Herstellung niedrig dosierter Kapseln oder Haarwässer. Aufgrund des teratogenen Risikos ist von der magistralen Herstellung jedoch abzuraten.

Finasterid hemmt die 5-alpha-Reduktase. Dieses Enzym wandelt Testosteron in den aktiveren Metaboliten Dihydrotestosteron um. Bei der benignen Prostatahyperplasie (gutartige Prostatavergrößerung) kann die Senkung der Dihydrotestosteronkonzentration zu einer Verkleinerung der Prostata und einer Verbesserung der Beschwerden beitragen.

Auch bei der androgenetischen Alopezie, dem erblich bedingten Haarausfall bei Männern, spielt Dihydrotestosteron eine entscheidende Rolle: Es verkürzt die Wachstumsphase der Haare und führt dazu, dass die Haarfollikel zunehmend kleiner werden. Finasterid kann diesen Prozess bei Männern verlangsamen. In Österreich ist eine Arzneispezialität (Propecia) mit 1 mg Finasterid pro Filmtablette zur Behandlung von Männern im Alter von 18 bis 41 Jahren zugelassen.

Von Verarbeitung in Rezeptur abgeraten

In der Rezeptur werden mitunter Finasterid-Kapseln zu 1 mg aus höher dosierten Filmtabletten oder finasteridhaltige Haarwässer hergestellt. Bereits 2019 wies die Landesgeschäftsstelle Steiermark der Apothekerkammer auf das damit verbundene Gefährdungspotenzial hin. Besonders problematisch ist die erforderliche Zerkleinerung der Tabletten: Dabei kann finasteridhaltiger Staub entstehen und eingeatmet werden oder mit der Haut in Kontakt kommen.

Auch das Neue Rezeptur-Formularium (NRF) rät wegen pharmazeutischer und toxikologischer Bedenken von der Verarbeitung zu niedriger dosierten Kapseln ab. Als wesentliches Risiko nennt das NRF ebenfalls die Inhalation von Stäuben. Da ein Fertigarzneimittel mit 1 mg Finasterid verfügbar ist, lässt sich die aus arbeitsschutztechnischer Sicht problematische Herstellung laut Kammerinformation kaum rechtfertigen.

Risiko für männliche Feten

Finasterid besitzt ein fruchtschädigendes Potenzial. Dihydrotestosteron ist während der Embryonalentwicklung an der Ausbildung der äußeren männlichen Geschlechtsorgane beteiligt. Wird seine Bildung durch Finasterid gehemmt, kann die Differenzierung dieser Strukturen gestört werden. Bei einer ausreichenden Exposition besteht daher das Risiko für Fehlbildungen der äußeren Geschlechtsorgane eines männlichen Fetus.

Schwangere Frauen und Frauen, die schwanger werden könnten, dürfen deshalb nicht mit dem Wirkstoff sowie mit zerbrochenen oder zerstoßenen Finasterid-Tabletten in Kontakt kommen. Finasterid kann über die Haut aufgenommen werden. Intakte Filmtabletten besitzen hingegen einen Überzug, der bei sachgerechter Handhabung einen Kontakt mit dem Wirkstoff verhindert. Genau dieser Schutz geht beim Teilen oder Zerstoßen für die Kapselherstellung verloren.

Für die Apotheke bedeutet das: Das Risiko betrifft insbesondere schwangere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterinnen im gebärfähigen Alter. 

Rote Hand Brief

Neben sexuellen Funktionsstörungen wie verminderter Libido, Erektions- und Ejakulationsstörungen wurden unter Finasterid auch depressive Verstimmungen, Depressionen und Suizidgedanken berichtet. In einem „Rote Hand Brief“ vom September 2025 wurde darüber informiert, dass Suizidgedanken als Nebenwirkung von Finasterid-Tabletten bestätigt wurden. Patienten, die Finasterid zur Behandlung der androgenetischen Alopezie einnehmen, sollen das Arzneimittel bei depressiver Verstimmung, Depression oder Suizidgedanken absetzen und ärztlichen Rat einholen.



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