Hand-Fuß-Mund-Krankheit: Häufige Irrtümer


Sanja Agatic

Symbolbild: Nahaufnahme von Händen mit Bläschen.
Hand-Fuß-Mund-Krankheit verläuf meist unkompliziert, dennoch halten sich rund um Ansteckung, Therapie und Nachwirkung zahlreicher Irrtümer, die im Alltag immer wieder zu Unsicherheit führen.Foto:stock.adobe.com/Surasak

Kaum eine Kinderkrankheit sorgt für so viele Missverständnisse wie die Hand-Fuß-Mund-Krankheit. Vor allem rund um die Ansteckung, eine Behandlung und den Zeitpunkt der Rückkehr in Kindergarten oder Schule kursieren zahlreiche Irrtümer.

Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit ist eine hochansteckende Virusinfektion, die vor allem Säuglinge und Kleinkinder betrifft. Ausgelöst wird sie meist durch Coxsackie-A16- oder Enteroviren-A71-Viren und verursacht typischerweise Fieber sowie schmerzhafte Bläschen im Mund und einen Ausschlag an Händen und Füßen. In den meisten Fällen heilt die Erkrankung folgenlos ab.

Irrtum 1: Wer keine Bläschen hat, ist nicht mehr ansteckend

Einer der hartnäckigsten Irrtümer betrifft die Ansteckungsdauer. Die Viruslast ist in den ersten Krankheitstagen besonders hoch. Übertragen werden die Erreger durch Speichel, Nasensekret, Bläschenflüssigkeit und den Stuhl. Auch wenn Hautausschlag und Fieber längst verschwunden sind, können Betroffene die Viren noch mehrere Wochen über den Stuhl ausscheiden. Darauf weisen unter anderem das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) sowie die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) hin. Fieberfreie Kinder, die sich wieder wohlfühlen, dürfen in der Regel wieder in Kindergarten oder Schule gehen. Gute Händehygiene bleibt dennoch besonders wichtig.

Irrtum 2: Die Krankheit betrifft nur kleine Kinder

Die meisten Erkrankungen treten zwar bei Kindern unter fünf Jahren auf. Erwachsene sind jedoch keineswegs immun. Viele Infektionen verlaufen bei Erwachsenen unauffällig oder verursachen lediglich Halsschmerzen. Kommt es dennoch zu Symptomen, können diese sogar ausgeprägter sein als bei Kindern. Besonders Eltern, Großeltern oder Betreuungspersonen infizieren sich häufig im familiären Umfeld. Während Kinder oft nur wenige Bläschen entwickeln, berichten Erwachsene nicht selten über schmerzhafte Veränderungen an Händen und Fußsohlen, die den Alltag erheblich beeinträchtigen können.

Irrtum 3: Jedes Kind bekommt Ausschlag

Nicht jede Erkrankung verläuft gleich. Manche Kinder entwickeln zunächst nur Fieber und Appetitlosigkeit. Erst später entstehen schmerzhafte Bläschen im Mund oder kleine Hautveränderungen an Händen und Füßen. Gerade die Mundschleimhaut bereitet häufig die größten Probleme. Die schmerzhaften Aphten führen dazu, dass Kinder Essen und Trinken verweigern. Kühlende Getränke, Eis oder weiche Speisen werden meist besser toleriert als warme oder saure Lebensmittel.

Irrtum 4: Antibiotika heilen

Ein häufiger Denkfehler ist, dass Eltern aufgrund des Fiebers oder der Mundentzündung an eine bakterielle Infektion denken. Die Erkrankung wird durch Viren verursacht. Antibiotika können weder den Krankheitsverlauf verkürzen noch Komplikationen verhindern.

Irrtum. 5: Ibuprofen soll vermieden werden

Einer der Irrtümer bezieht sich auf Ibuprofen, da behauptet wird Ibuprogen verschlechtert den Verlauf der Hand-Fuß-Mund-Erkrankung. Für diese Aussage gibt es derzeit jedoch keine belastbaren wissenschaftliche Belege. Sowohl Paracetamol als auch Ibuprofen können bei Bedarf zur Behandlung von Schmerzen oder Fieber eingesetzt werden, sofern keine Gegenanzeigen bestehen. Maßgeblich sind Alter, Gewicht und individuelle Vorerkrankungen.

Im Gegensatz dazu darf Acetylsalicylsäure (ASS) bei Kindern unter zwölf Jahren nicht angewendet werden, da bei gleichzeitiger Virusinfektion das Risiko für ein Reye-Syndrom besteht.

Irrtum 6: Fingernägel sind nicht betroffen

Viele Eltern erschrecken einige Wochen nach der Erkrankung, wenn sich Finger- oder Fußnägel teilweise ablösen. Dieses Phänomen wird als Onychomadesis bezeichnet. Der Zusammenhang mit der Hand-Fuß-Mund ist seit Jahren bekannt. Eine systematische Übersichtsarbeit von Hardin und Haber beschreibt, dass sich das Nagelwachstum während der akuten Infektion vorübergehend verlangsamen kann. Etwa 4 bis 6 Wochen nach Beginn der Infektion lösen sich einzelne Nägel teilweie oder vollständig ab. Meist wachsen die Nägel ohne Behandlung vollständig nach. Es handelt sich somit um eine späte, meist harmlose Nagelkomplikation.

Hygienemaßnahmen

Gründliches Händewaschen mit Wasser und Seife gilt deshalb als die wirksamste Maßnahme, um die Weiterverbreitung zu reduzieren. Ebenso sinnvoll ist eine regelmäßige Reinigung häufig berührter Oberflächen und gemeinsam genutzter Spielsachen.

Was Studien über schwere Verläufe zeigen

In Europa verläuft die Erkrankung überwiegend mild. Anders sieht die Situation in Teilen Asiens aus, wo insbesondere Enterovirus A71 immer Wieder größere Ausbrüche verursacht. Eine umfangreiche Übersichtsarbeit von Xing sowie Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigen dass EV-A71 häufiger neurologische Komplikationen wie Hirnhautentzündungen oder Enzephalitiden verursachen kann. Solche schwere Verläufe bleiben in Österreich selten.

Warnzeichen sind anhaltend hohes Fieber, Trinkverweigerung, ausgeprägte Benommenheit, Krampfanfälle oder Atemprobleme. In diesen Fällen sollte umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden.



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