Kopfhautpeelings und Silikone


Sanja Agatic

Symbolbild: Eine Hand fährt durch lange braune Haare.
Kopfhautpeelings lösen Ablagerungen und Hornschuppen, während Silikone die Haaroberfläche glätten und vor Reibung schützen.Foto:stock.adobe.com/Alessandro Grandini

Fettiger Ansatz, Schuppen, stumpfes Haar: Schnell fällt der Begriff „Build up“. Gemeint sind damit Rückstände von Talg, Hornzellen und Haarprodukten mit Silikonen, die sich auf der Kopfhaut oder dem Haar ablagern können. Doch nicht jede Schuppe lässt sich „einfach wegpeelen“.

Auf der Kopfhaut sammeln sich Talg, Schweiß, abgestoßene Hornzellen sowie Rückstände von Haarprodukten. Ein Kopfhautpeeling kann einen Teil davon entfernen. Wie es das tut, hängt von seiner Formulierung ab: Mechanische Peelings lösen Ablagerungen durch Reibung, chemische Varianten arbeiten mit keratolytischen Wirkstoffen.

Besonders Salicylsäure hat hier einen nachvollziehbaren Ansatz. Sie löst Verbindungen zwischen verhornten Zellen und erleichtert damit das Ablösen festsitzender Schuppen. In der Behandlung der seborrhoischen Dermatitis werden beispielsweise Shampoos mit Salicylsäure als keratolytische Option eingesetzt.

Ein Peeling löst Schuppen, nicht ihre Ursache

Das bedeutet nicht, dass jede schuppende Kopfhaut ein Peeling braucht. Bei einer seborrhoischen Dermatitis spielen unter anderem Talgproduktion, Malassezia-Hefen, die Hautbarriere und entzündliche Prozesse eine Rolle. Ein Peeling kann sichtbare Schuppen lösen, beseitigt diese Mechanismen aber nicht automatisch.

Was Salicylsäure leisten kann

Wie wichtig diese Unterscheidung ist, zeigt die 2025 im Journal of Cosmetic Dermatology veröffentliche prospektive Kohortenstudie „A Cohort Clinial Study in the Efficacy of Topiacl Salicylic Acid/Piroctone Olamine Dandruff Pre-Gel and Cleanser in Improving Symptoms of Moderate to Severe Seboorheic Dermatitis of the Scalp“. Untersucht wurden 20 Personen mit moderater bis schwerer seborrhoischer Dermatits der Kopfhaut. Zum Einsatz kamen ein Gel und eine Reinigungslotion mit einer Kombination aus Salicylsäure, Pirocton-Olamin und weiteren Bestandteilen. Die Behandlung verbesserte unter anderem Schuppen, Juckreiz, Rötungen und Fettigkeit.

Daraus lässt sich nicht ableiten, dass Salicylsäure allein diese Wirkung erzielt hat. Pirocton-Olamin besitzt antimykotische Eigenschaften und adressiert damit einen anderen Teil des Problems.

Eine ältere Vergleichsstudie, in 2002 veröffentlichten randomisierten, einfach verblindeten Studie „A randomised, single-blind, single-centre clinical efficacy of shampoos containing ciclopirox olamine (1,5 Percent) and salicylic acid (3 Percent), or ketoconazile (2 Percent, Nizoral) for the treatment of dandruff/seborrhoeic dermatitis“ von Squire und Goode wurden 64 Personen mit leichter bis mittelschwerer Schuppenbildung untersucht. Nach einer zweiwöchigen Auswaschphase folgten vier Wochen Behandlung und weitere zwei Wochen Nachbeobachtung. Es wurden ein Shampoo mit 1,5 Prozent Ciclopirox-Olamin und 3 Prozent Salicylsäure wurde mit 2-prozentigem Ketoconazol-Shampoo bei Schuppen und seborrhoischer Dermatitis verglichen.

Beide Behandlungen verbesserten die Beschwerden deutlich. Der praktische Nutzen eines solchen Produkts liegt also gerade in der Kombination: Salicylsäure löst Schuppen, während ein antimykotischer Wirkstoff an einem anderen Mechanismus der Erkrankung ansetzt.

Reibung löst Partikel

Mechanische Kopfhautpeelings mit Körnchen funktionieren anders als keratolytische Wirkstoffe: Sie entfernen lose Schuppen und Ablagerungen durch Reibung, greifen aber nicht gezielt in die Verhornung ein. Auf gesunder Kopfhaut kann sich das angenehm anfühlen, bei gereizter, entzündeter oder stark schuppender Haut kann zu viel Reibung die Beschwerden jedoch verstärken. Brennen, anhaltende Rötungen oder ein Spannungsgefühl sind daher kein Zeichen besonders gründlicher Reinigung, sondern sprechen für eine Irritation.

Silikone in der Haarpflege

Mit Kopfhautschuppen werden häufig auch Silikone in Verbindung gebracht. Dabei liegt ich eigentlicher Einsatzort überwiegend an der Haarfaser. Dimethicone gehört zu den verbreiteten Silikonen in Haarpflegeprodukten. Es legt sich auf die Haaroberfläche, glättet diese und kann die Faser vor abrasiver, also reibungsbedingter Belastung schützen. Das ist besonders bei blondiertem, gefärbtem, hitzegeschädigtem oder langem Haar relevant. Ist die äußere Schuppenschicht angegriffen, steigt die Reibung inzwischen den Haarfasern. Conditioner sollen die Oberfläche glätten und damit Kämmbarkeit und Handhabung verbessern.

Falsch: „Silikone ersticken das Haar“

Dass Silikone einen Film bilden können, ist also nicht immer ein Nachteil. Diese Filmschicht ist Teil ihrer Funktion. Die Behauptung, Silikone würden das Haar „ersticken“, ergibt physiologisch ohnehin wenig Sinn. Das sichtbare Haar besteht aus verhorntem, nicht lebendem Gewebe. Anders sieht es aus, wenn sich Pflegebestandteile wiederholt auf der Haarfaser ablagern. Dann kann feines Haar schwerer, glatter oder weniger griffig wirken. Das ist jedoch zunächst ein Reinigungsproblem der Haare und kein Grund, die Kopfhaut zu peelen.

Eine einfache Aufteilung macht deshalb mehr Sinn als eine pauschale „Detox“-Routine. Shampoo reinigt die Kopfhaut und Ansatz. Conditioner, Masken und reichhaltige Leave-ins können, sofern die Kopfhaut sie nicht benötigt, überwiegend in Längen und Spitzen verteilt werden.



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