Layering in der Hautpflege


Sanja Agatic

Symbolbild: Nahaufnahme verschiedener Creme-, Seren- und Geltexturen auf hellem Hintergrund.
Werden zu viele stark wirksame Wirkstoffe aufgetragen, kann das zu Hautreizungen führen.Foto:stock.adobe.com/Екатерина Клищевник

Toner, Serum, Booster, Creme und Sonnenschutz: Auf TikTok und Instagram bestehen Hautpflegeroutinen heute oft aus fünf oder mehr Schritten. Das sogenannte Layering gilt als Schlüssel zu gesunder Haut und maximaler Wirkung der Inhaltsstoffe. Doch nicht jede Kombination ist sinnvoll und manche Routinen können der Haut sogar schaden.

Layering bedeutet, mehrere Hautpflegeprodukte nacheinander aufzutragen. Ursprünglich stammt das Konzept aus der koreanischen Hautpflege, wo Produkte schichtweise aufgetragen werden, um unterschiedliche Hautbedürfnisse gezielt anzusprechen. Während der Trend oft mit einer möglichst großen Anzahl an Produkten gleichgesetzt wird, entscheidet in der Praxis jedoch nicht die Menge, sondern die Auswahl der Wirkstoffe über den Erfolg einer Routine.

Warum die Reihenfolge wichtig ist

Die Haut kann Wirkstoffe nicht unbegrenzt aufnehmen. Deshalb gilt in der Kosmetik die Grundregel: von leicht nach reichhaltig. Wässrige Produkte wie Toner, Essenzen oder Seren werden zuerst aufgetragen, gefolgt von Cremes und Ölen. Leichte Formulierungen können so direkt auf die Haut gelangen, während reichhaltigere Produkte anschließend die Verdunstung von Wasser reduzieren und die Hautbarriere unterstützen. Besonders wichtig ist die Reihenfolge bei Sonnenschutzmitteln. Sie sollten tagsüber immer den Abschluss der Pflegeroutine bilden, da ihre Schutzleistung durch darüber aufgetragene Produkte beeinträchtigt werden kann.

Einer der häufigsten Fehler in der Hautpflege ist die gleichzeitige Anwendung mehrerer hochaktiver Wirkstoffe. Viele Anwender:innen kombinieren beispielsweise Retinol, Fruchtsäure und hochdosiertes Vitamin C in einer einzigen Routine, in der Hoffnung auf schnellere Ergebnisse. Tatsächlich steigt dadurch vor allem das Risiko für Irritationen.

Welche Kombinationen sinnvoll sind

Nicht alle Wirkstoffe sollten gemeinsam angewendet werden, manche Kombinationen ergänzen sich jedoch sinnvoll. Ein klassisches Beispiel ist die Kombination aus Niacinamid und Hyaluronsäure. Während Hyaluronsäure Wasser bindet und die Haut mit Feuchtigkeit versorgt, unterstützt Niacinamid die Hautbarriere und kann Rötungen reduzieren. Auch Ceramide lassen sich gut mit den meisten Wirkstoffen kombinieren. Sie sind natürliche Bestandteile der Hautbarriere und helfen dabei, Feuchtigkeitsverlust zu reduzieren. Besonders bei der Anwendung von Retinol oder Fruchtsäuren können Ceramide dazu beitragen, die Haut widerstandsfähiger zu machen.

Vitamin C und Sonnenschutz gelten ebenfalls als sinnvolle Kombination. Antioxidantien wie Vitamin C können freie Radikale neutralisieren, die durch UV-Strahlung entstehen Der Sonnenschutz bleibt dabei jedoch unverzichtbar, da Vitamin C UV-Schäden nicht verhindern kann.

Kombinationen mit erhöhtem Reizpotenzial

Vorsicht ist dagegen bei mehreren stark aktiven Wirkstoffen geboten. Retinol und Alpha-Hydroxysäuren wie Glykol- oder Milchsäure fördern beide die Zellerneuerung. Werden sie gleichzeitig angewendet, kann dies die Hautbarriere überfordern und zu Brennen, Trockenheit oder Schuppungen führen.

Auch Kombinationen von Retinol und Benzoylperoxid wird häufig kritisch betrachtet. Benzoylperoxid kann die Stabilität bestimmter Retinoide beeinträchtigen und gleichzeitig das Risiko für Hautreizungen erhöhen. In der Praxis wird daher häufig empfohlen, die Wirkstoffe zeitlich zu trennen und beispielsweise Benzoylperoxid morgens sowie Retinol abends anzuwenden.

Bei hochkonzentrierten Säuren und reinem Vitamin C (L-Ascorbinsäure) kann die gleichzeitige Anwendung ebenfalls problematisch sein. Beide Produkte arbeiten in einem sauren pH-Bereich und können bei empfindlicher Haut Irritationen verstärken.

Mehr hilft nicht mehr

Ein häufiger Irrtum besteht darin, möglichst viele Wirkstoffe gleichzeitig verwenden zu wollen. Die Haut reagiert jedoch nicht nach dem Prinzip „mehr hilft mehr“. Im Gegenteil: Werden zu viele aktive Inhaltsstoffe kombiniert, steigt häufig das Risiko für Irritationen, während der zusätzliche Nutzen begrenzt bleibt. Dermatolog:innen empfehlen deshalb, neue Wirkstoffe schrittweise einzuführen. So lässt sich besser beurteilen, wie die Haut auf einzelne Inhaltsstoffe reagiert. Treten Rötungen, Brennen oder verstärkte Trockenheit auf, sollte die Routine vereinfacht werden.

Der Erfolg einer Pflegeroutine hängt nicht von der Anzahl der verwendeten Produkte ab, sondern davon, wie gut sie auf den individuellen Hautzustand abgestimmt ist. Entscheidend sind eine sinnvolle Reihenfolge, die richtige Wirkstoffkombination und eine intakte Hautbarriere.



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