Probiotika in der Säuglingsmilch: Schutz vor Allergien?


Viktoria Anderle

Symbolbild: Eine Babyflasche mit Rassel. Daneben steht ein Gefäß mit Milchpulver.
Nach Einschätzung der Autor:innen reichen die bisherigen Erkenntnisse nicht aus, um Probiotika oder Synbiotika routinemäßig zur Allergieprävention bei Säuglingen zu empfehlen.netrun78/AdobeStock_443287685

Probiotika werden Säuglingsnahrung mit der Hoffnung zugesetzt, das Darmmikrobiom positiv zu beeinflussen und Allergien vorzubeugen. Ein aktualisierter Cochrane Review dämpft diese Erwartung jedoch: Für Asthma, Heuschnupfen und Nahrungsmittelallergien ließ sich kein vorbeugender Nutzen nachweisen. Lediglich bei Ekzemen zeigte sich ein möglicher geringer Effekt, der sich in den methodisch hochwertigsten Studien allerdings nicht bestätigte.

Neben Muttermilch stellt Formulanahrung für viele Säuglinge eine wichtige Nahrungsquelle dar. Dabei handelt es sich um industriell hergestellte Säuglingsnahrung, die Muttermilch ergänzen oder ersetzen kann. Manche Produkte enthalten zusätzlich Probiotika, Präbiotika oder eine Kombination aus beiden.

Probiotika sind lebende Mikroorganismen, die in ausreichender Menge eine positive Wirkung auf das Darmmikrobiom entfalten können. Präbiotika sind unverdauliche Nahrungsbestandteile wie Inulin, Frukto-Oligosaccharide oder Galakto-Oligosaccharide. Sie dienen bestimmten Darmbakterien als Nahrung und sollen deren Wachstum fördern. Werden Probiotika und Präbiotika miteinander kombiniert, spricht man von Synbiotika.

Da das Darmmikrobiom an der Entwicklung des Immunsystems beteiligt ist, wird vermutet, dass eine frühe Gabe dieser Zusätze das spätere Allergierisiko beeinflussen könnte. Besonders interessant wäre ein solcher Effekt bei Kindern, die aufgrund familiärer Vorbelastungen ein erhöhtes Allergierisiko haben.

Mehr als 7000 Mutter-Kind-Paare berücksichtigt

Der aktualisierte Cochrane Review untersuchte, ob Probiotika oder Synbiotika, die Säuglinge innerhalb der ersten sechs Lebensmonate erhielten, allergischen Erkrankungen vorbeugen können. Die Zusätze wurden entweder separat verabreicht oder der Säuglingsnahrung beigemengt. Verglichen wurde die Gabe mit einem Placebo oder keiner entsprechenden Behandlung.

Insgesamt flossen 24 randomisierte kontrollierte Studien mit 7077 Mutter-Kind-Paaren in die Auswertung ein. 19 Untersuchungen kamen seit der vorherigen Fassung des Reviews neu hinzu. Die Datenlage reichte je nach untersuchter Erkrankung bis zum zweiten Lebensjahr, teilweise wurden die Kinder bis zum Alter von zehn Jahren beobachtet.

In einigen Studien erhielten bereits die Mütter während der Schwangerschaft oder Stillzeit Probiotika. Zwölf Studien untersuchten ausschließlich Säuglinge mit erhöhtem Allergierisiko, in 14 Studien wurden die Kinder zumindest teilweise gestillt. Synbiotika kamen lediglich in drei Studien zum Einsatz.

Präbiotika allein waren nicht Gegenstand des Reviews. Die Ergebnisse erlauben daher keine Aussage darüber, ob Säuglingsnahrung, die ausschließlich mit Präbiotika angereichert ist, Allergien vorbeugen kann.

Kein belegter Schutz vor Asthma oder Heuschnupfen

Laut Cochrane bewirkten Probiotika bis zum zweiten Lebensjahr wahrscheinlich keinen oder nur einen sehr geringen Unterschied beim Auftreten von Asthma, allergischer Rhinitis und Kuhmilchallergie. Auch hinsichtlich anderer Nahrungsmittelallergien ließ sich kein Vorteil nachweisen. Die Evidenz dazu ist allerdings sehr unsicher.

Für Synbiotika ist die Datenlage noch dünner. Zu deren Wirkung auf Asthma, allergische Rhinitis und Kuhmilchallergie lagen keine verwertbaren Daten vor. Bei Nahrungsmittelallergien zeigte sich wahrscheinlich kein oder nur ein geringer Unterschied gegenüber den Kontrollgruppen.

Möglicherweise weniger Ekzeme

Ein möglicher Nutzen zeigte sich lediglich bei Ekzemen. Die gemeinsame Auswertung von 18 Studien mit 3494 Kindern deutete darauf hin, dass Probiotika das Auftreten bis zum zweiten Lebensjahr geringfügig verringern könnten.

Dieser Zusammenhang erwies sich jedoch als wenig belastbar. Wurden nur die vier Studien mit geringem Verzerrungsrisiko ausgewertet, zeigte sich kein oder höchstens ein minimaler Unterschied. Die Forschenden sehen daher keine ausreichenden Belege dafür, Probiotika routinemäßig zur Vorbeugung von Ekzemen einzusetzen.

Für Synbiotika bleibt auch der mögliche Einfluss auf Ekzeme unklar, da nur wenige Studien vorlagen und deren Ergebnisse mit großer Unsicherheit behaftet waren.

Kein erkennbarer Vorteil für Risikogruppen

Auch Säuglinge mit einem erhöhten Allergierisiko profitierten nicht stärker als Kinder mit durchschnittlichem Risiko. Ebenso spielte es für die Ekzemhäufigkeit keine erkennbare Rolle, ob die Kinder zusätzlich gestillt wurden oder ausschließlich mit probiotisch angereicherter Formulanahrung ernährt wurden.

Kein Unterschied zeigte sich außerdem bei Säuglingen, deren Mütter bereits während der Schwangerschaft Probiotika eingenommen hatten. Auch für den häufig untersuchten Stamm Lactobacillus rhamnosus ließ sich kein besonderer Nutzen feststellen.

Keine routinemäßige Empfehlung

Schwerwiegende unerwünschte Wirkungen im Zusammenhang mit Probiotika oder Synbiotika wurden in den Studien nicht berichtet. Insgesamt traten unerwünschte Ereignisse in den Behandlungsgruppen nicht häufiger auf als in den Kontrollgruppen.

Die Aussagekraft des Reviews bleibt dennoch begrenzt. Viele Studien umfassten nur wenige Kinder und entsprechend wenige Allergiefälle. Zudem unterschieden sie sich hinsichtlich der eingesetzten Mikroorganismen, der Dosierung, der Dauer der Gabe und der Erfassung der Erkrankungen. Besonders häufig wurde das Auftreten von Ekzemen untersucht, während zu den anderen Allergien deutlich weniger Daten vorlagen.

Nach Einschätzung der Cochrane-Autor:innen reichen die bisherigen Erkenntnisse daher nicht aus, um Probiotika oder Synbiotika routinemäßig zur Allergieprävention bei Säuglingen zu empfehlen.

Der Cochrane Review ist unter dem Titel „Probiotics in infants for prevention of allergic disease“ in der Cochrane Database of Systematic Reviews erschienen.



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