Impfungen schützen vor Infektionskrankheiten. Eine große Metaanalyse deutet nun darauf hin, dass einige Impfungen im Erwachsenenalter noch einen weiteren Nutzen haben könnten: Impfungen gegen Herpes Zoster, Influenza, Pneumokokken sowie Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten waren mit einem geringeren Demenzrisiko verbunden.
Demenz zählt zu den häufigsten Erkrankungen im höheren Lebensalter. Da wirksame Möglichkeiten zur Prävention bislang begrenzt sind, wird zunehmend untersucht, welche beeinflussbaren Faktoren das Erkrankungsrisiko senken könnten. Dazu zählen möglicherweise auch Impfungen.
Ein italienisches Forschungsteam untersuchte in einer systematischen Übersichtsarbeit mit Metaanalyse, ob häufig eingesetzte Impfungen im Erwachsenenalter mit einem geringeren Risiko für Demenz oder leichte kognitive Beeinträchtigungen verbunden sind. Dafür durchsuchten die Forschenden PubMed, Embase und Web of Science von Beginn der jeweiligen Datenbank bis zum 1. Januar 2025.
Berücksichtigt wurden ausschließlich Beobachtungsstudien, in denen geimpfte und ungeimpfte Erwachsene ab 50 Jahren miteinander verglichen wurden. Insgesamt flossen 21 Studien mit mehr als 104 Millionen Personen in die Auswertung ein.
Deutlicher Zusammenhang bei Herpes Zoster
Besonders auffällig waren die Ergebnisse zur Herpes-Zoster-Impfung. Bei geimpften Personen war das Risiko für jegliche Form der Demenz um 24 Prozent geringer als bei ungeimpften Personen. Das relative Risiko (RR) lag bei 0,76.
Noch stärker fiel der Zusammenhang mit der Alzheimer-Krankheit aus: Hier war das Risiko nach einer Herpes-Zoster-Impfung um 47 Prozent niedriger. Das RR betrug hier 0,53.
Auch Influenza und Pneumokokken untersucht
Eine Influenza-Impfung war ebenfalls mit einem geringeren Risiko für Demenz verbunden. Geimpfte Personen wiesen ein um 13 Prozent niedrigeres Risiko für jegliche Form der Demenz auf. Für die Alzheimer-Krankheit allein zeigte sich hingegen kein statistisch gesicherter Zusammenhang.
Bei der Pneumokokken-Impfung war das Risiko für die Alzheimer-Krankheit um 36 Prozent geringer. Der Zusammenhang mit dem Risiko für Demenz insgesamt erreichte nur knapp die Grenze der statistischen Signifikanz.
Auch Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten gingen mit einem niedrigeren Demenzrisiko einher. Für die kombinierte Impfung lag das Risiko für jegliche Form der Demenz um 33 Prozent niedriger als bei nicht geimpften Personen.
Wie könnten Impfungen das Demenzrisiko beeinflussen?
Die Forschenden führen mehrere mögliche Erklärungen an. Infektionen können systemische Entzündungsreaktionen und Entzündungsprozesse im Nervensystem auslösen. Impfungen könnten das Demenzrisiko somit indirekt beeinflussen, indem sie Infektionen und die damit verbundenen Entzündungsreaktionen verhindern.
Darüber hinaus wird diskutiert, ob Impfungen das angeborene Immunsystem längerfristig trainieren. Dadurch könnten Krankheitserreger und möglicherweise auch krankhaft veränderte Proteine wie Beta-Amyloid besser beseitigt werden. Infektionen erhöhen außerdem das Risiko für Gefäßereignisse wie Herzinfarkte und Schlaganfälle, die wiederum die Entstehung kognitiver Beeinträchtigungen begünstigen können.
Zusammenhang beweist noch keine Schutzwirkung
Die Ergebnisse zeigen eine Assoziation, belegen jedoch nicht, dass die Impfungen das Demenzrisiko unmittelbar senken. Da ausschließlich Beobachtungsstudien eingeschlossen wurden, können weitere Unterschiede zwischen geimpften und ungeimpften Personen das Ergebnis beeinflusst haben. Menschen, die Impfangebote wahrnehmen, könnten beispielsweise insgesamt gesundheitsbewusster leben oder medizinisch besser versorgt sein.
Zudem unterschieden sich die Ergebnisse der einzelnen Studien teilweise deutlich voneinander. Nach Ansicht der Autor:innen könnten Impfstrategien dennoch künftig einen Beitrag zur öffentlichen Demenzprävention leisten. Um eine ursächliche Schutzwirkung zu bestätigen, sind weitere Untersuchungen notwendig.
Das Paper ist unter dem Titel „Association between vaccinations and risk of dementia: a systematic review and meta-analysis“ im Journal Age and Ageing erschienen.
