Koffein macht nicht nur munter: Erkrankte Ameisen greifen offenbar gezielt zu koffeinhaltiger Nahrung, um sich zu heilen. Eine aktuelle Studie der Universität Graz zeigt, dass infizierte Tiere dadurch länger aktiv blieben und später starben, gleichzeitig wurde auch ihr Krankheitserreger ausgebremst.
Im Mittelpunkt der Untersuchung standen Waldameisen der Art Formica fusca, die auch in Österreich häufig vorkommen. Forschende der Universität Granz und Helsinki untersuchten, wie sich Koffein auf Tiere auswirkt, die mit dem Pilz Beauveria bassiana infiziert waren. Die Ergebnisse erschienen 2026 im Fachjournal Animal Behaviour.
Kranke Tiere bevorzugten Koffein
Im Labor konnten die Ameisen zwischen Futter mit und ohne Koffein wählen. Die verwendete Konzentration lag bei 100 mg Koffein pro Kilogramm Nahrung, etwa einem Zehntel des Koffeingehalts einer Tasse Kaffee. Entscheidend war die Wahl der Tiere: Infizierte Ameisen griffen deutlich häufiger zur koffeinhaltigen Nahrung als nicht erkrankte Tiere. Das blieb nicht ohne Folgen. Die infizierten Ameisen mit Zugang zu Koffein blieben länger aktiv und starben später als erkrankte Tiere ohne Koffein. Damit beobachten die Forschenden nicht nur eine veränderte Nahrungswahl, sondern einen messbaren gesundheitlichen Effekt.
Koffein bremste auch den Pilz
Ein weiterer Versuch lieferte einen möglichen Erklärungsansatz. Kam Beauveria bassiana direkt mit Koffein in Kontakt, entwickelte sich der Pilz langsamer. Koffein könnte den Ameisen somit auf zwei Ebenen zugutekommen: Durch seine Wirkung auf die Tiere selbst und durch die verlangsamte Entwicklung des Erregers. Die Ergebnisse passen zu einem bereits bekannten Phänomen. Frühere Untersuchungen an Formica fusca zeigten, dass die Tiere bei Pilzinfektionen ihre Ernährung verändern und bestimmte Nahrungsbestandteile gezielt nutzen können. In der Forschung wird ein solches Verhalten als Selbstmedikation diskutiert.
Der Lebensraum wird zur „Apotheke“
Für die Grazer Biologin Danae Nyckees zeigt sich darin eine bemerkenswerte Strategie: „Die Natur ist die Apotheke der Ameisen. Sie nehmen zur Bekämpfung von Krankheiten bestimmte Substanzen zu sich.“ Damit Tiere solche Stoffe nutzen können, müssen sie diese in ihrem natürlichen Lebensraum überhaupt vorfinden. Pflanzenvielfalt kann für Insekten daher nicht nur Nahrung bedeuten, sondern auch Zugang zu biologisch aktiven Substanzen bieten.
Die Studie ist unter dem Namen „Can caffeine improve the survival of the ant Formica fusca under pathogenic infection by the fungus Beauveria bassiana?“ im Journal Animal Behaviour erschienen.
