Wenn bei einem akuten Asthmaanfall die Luft knapp wird, muss rasch gehandelt werden. Ob intravenöses Magnesiumsulfat die Behandlung bei Kindern im Akutfall sinnvoll unterstützen kann, hat nun eine aktuelle Metaanalyse untersucht. Die Ergebnisse liefern Hinweise darauf, dass die Therapie das Risiko einer Krankenhausaufnahme senken und die Lungenfunktion verbessern könnte.
Asthma zählt zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindesalter. Bronchienerweiternde Medikamente und Kortikosteroide gelten bei akuten Asthmaanfällen als Standardtherapie. Welche Rolle intravenöses Magnesiumsulfat als ergänzende Zweitlinientherapie spielt, ist hingegen noch nicht abschließend geklärt.
Bisherige Evidenz systematisch ausgewertet
Ein internationales Forschungsteam hat deshalb die bisher verfügbare Evidenz zur intravenösen Gabe von Magnesiumsulfat bei Kindern mit akuten Asthmaanfällen systematisch zusammengefasst. Hierfür durchsuchten die Forschenden fünf medizinische Datenbanken nach randomisierten, kontrollierten Studien, in denen diese Therapie untersucht wurde. Im Fokus standen unter anderem die Hospitalisierungsrate, die Lungenfunktion sowie die Frage, wie häufig unerwünschte Nebenwirkungen auftraten.
Positive Effekte auf Hospitalisierung und Lungenfunktion
Für die Metaanalyse konnten schließlich elf randomisierte, kontrollierte Studien berücksichtigt werden. In vier der eingeschlossenen Studien war das Risiko einer Aufnahme in ein Krankenhaus nach der Gabe von intravenösem Magnesiumsulfat signifikant geringer als in den jeweiligen Kontrollgruppen.
Auch bei der Lungenfunktion zeigte sich ein positiver Effekt: Zwei Studien berichteten über eine signifikante Verbesserung der Peak-Expiratory-Flow-Rate (PEFR), einem Maß für den maximalen Atemstrom beim Ausatmen. Keinen statistisch signifikanten Vorteil fanden die Forschenden hingegen bei der Dauer des Krankenhausaufenthalts.
Cochrane-Übersichtsarbeit
Ähnliche Ergebnisse zeigte bereits die Cochrane-Übersichtsarbeit „Intravenous magnesium sulfate for treating adults with acute asthma in the emergency department“ aus dem Jahr 2014 bei Erwachsenen mit akuten Asthmaanfällen. Für den Review wurden 14 randomisierte, placebokontrollierte Studien mit insgesamt 2313 Patientinnen und Patienten ausgewertet, die trotz Standardtherapie mit Sauerstoff, inhalativen Beta-2-Sympathomimetika und intravenösen Kortikosteroiden nicht ausreichend auf die Behandlung angesprochen hatten.
Die Analyse ergab, dass eine einmalige intravenöse Gabe von 1,2 oder 2 g Magnesiumsulfat intravenös das Risiko einer Krankenhausaufnahme verringerte und die Lungenfunktion verbesserte. Abgesehen von der verbesserten Lungenfunktion fanden die Forschenden bei den meisten weiteren untersuchten Endpunkten keinen Vorteil gegenüber Placebo. Weder die Aufenthaltsdauer in der Notaufnahme oder im Krankenhaus noch die Aufnahme auf eine Intensivstation, die Wiederaufnahmerate, die Atemfrequenz oder der systolische Blutdruck unterschieden sich zwischen den Gruppen. Zu den häufigsten berichteten Nebenwirkungen zählten Hitzegefühl, Müdigkeit, Übelkeit, Kopfschmerzen und Blutdruckabfall. Die Evidenzqualität stuften die Autorinnen und Autoren für diese Ergebnisse als niedrig bis moderat ein.
Schwere Nebenwirkungen selten bei Kindern
Schwere unerwünschte Ereignisse traten im Zusammenhang mit der Behandlung bei den Kindern nur vereinzelt auf. Gleichzeitig weisen die Autorinnen und Autoren darauf hin, dass sich die eingeschlossenen Studien teilweise deutlich unterschieden. Dadurch konnten nicht alle untersuchten Endpunkte gemeinsam statistisch ausgewertet werden.
Nach Einschätzung des Forschungsteams sprechen die derzeit verfügbaren Daten dafür, dass intravenöses Magnesiumsulfat eine wirksame und zugleich gut verträgliche Zweitlinientherapie bei akuten Asthmaanfällen im Kindesalter sein könnte. Um Wirksamkeit und Sicherheit langfristig besser beurteilen zu können, seien jedoch weitere hochwertige klinische Studien erforderlich.
Das Paper „Intravenous magnesium sulfate for asthma exacerbations in children: Systematic review with meta-analysis“ erschien im Journal Paediatric Respiratory Reviews.
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