Diabetes: Lebensstil wohl wichtiger als Genetik


Redaktion

Symbolbild: Eine Schüssel gesundes Gemüse liegt vor einer Person die Blutzucker misst.
Rund die Hälfte aller Fälle von Typ-2-Diabetes könnte laut Studie durch einen gesünderen Lebensstil verhindert werden.AdobeStock_190155398/Africa Studio

Ob jemand an Typ-2-Diabetes erkrankt, hängt offenbar stärker vom Lebensstil ab als von einer genetischen Veranlagung. Zu diesem Ergebnis kommt ein US-Forschungsteam, das Daten von rund 330.000 Menschen mittleren Alters aus Großbritannien ausgewertet hat. Nach Einschätzung der Wissenschaftler:innen ließe sich etwa die Hälfte der Erkrankungsfälle durch einen gesünderen Lebensstil vermeiden.

„Typ-2-Diabetes (T2D) entsteht durch das Zusammenspiel genetischer Veranlagung und eines ungesunden Lebensstils, deren kombinierte Auswirkungen jedoch noch nicht ausreichend erforscht sind. Wir untersuchten, ob ungesunde, veränderbare Verhaltensweisen mit einem ähnlich erhöhten Risiko für die Entwicklung von T2D bei Personen mit unterschiedlichem genetischem Risiko einhergehen“, schrieben jetzt Cassandra Spracklen (Universität des US-Bundesstaats Massachusetts) und ihre Co-Autoren in „Diabetes“.

Langzeitdaten von 332.251 Menschen

Die Wissenschafter werteten die Langzeitdaten von 332.251 Menschen aus, deren Gesundheitsdaten in der britischen „Biobank“ verzeichnet sind. Die waren zu Beginn durchschnittlich 55 Jahre alt und hatten keinen Typ-2-Diabetes. Außerdem wurde das Blut der Teilnehmer auf genetische Veränderungen untersucht, welche ein erhöhtes Risiko für diese Form der Zuckerkrankheit, die etwa 90 Prozent der Fälle ausmacht, bedeuten können.

Die Probanden wurden danach zu je einem Drittel in eine Gruppe mit hohem, mittleren oder niedrigem genetischen Risiko eingeteilt. Das gleiche erfolgte unter Einrechnung der Lebensstilfaktoren: Rauchen, Gewicht (BMI), körperliche Aktivität und Ernährung. Auf dieser Grundlage ordneten sie die Teilnehmenden insgesamt einer gesunden, ungesunden oder mittleren Lebensstilgruppe zu. In dem Gesamt-Beobachtungszeitraum von im Mittel 13,6 Jahren wurde bei vier Prozent der Probanden ein neu auftretender Diabetes diagnostiziert.

Gewicht und Lebensstil beeinflussen Risiko

Die Ergebnisse waren eindeutig: Ein hohes genetisches Risiko versus einem niedrigen genetischen Risiko für Typ-2-Diabetes führte zu einer um den Faktor 2,58 größeren Häufigkeit, daran zu erkranken. Doch die „Umwelt“ in der Form von Lebensstilfaktoren war – allein genommen – viel wichtiger: Ein Körpergewicht im oberen Drittel der Probanden brachte im Vergleich zu Gewicht im unteren Drittel ein um den Faktor 6,83 größeres Risiko für Zuckerkrankheit hervor.

Noch größer war die Auswirkung von ungesundem Lebensstil und einem höheren genetischen Risiko. Ein niedriges genetisches Risiko und ein ungesunder Lebensstil bedeuteten im Vergleich zu einer niedrigen genetischen Gefährdung und einem gesunden Lebensstil eine 7,11-fach größere Häufigkeit von Diabetes. Genetische Veränderungen, die mit einer starken Neigung zu Typ-2-Diabetes in Verbindung stehen, plus ein ungesunder Lebensstil brachten gar das 17,33-Fache Risiko für Typ-2-Diabetes mit sich.

Lebensstil versus Genetik: 55 zu 45 Prozent

Laut den Wissenschaftern dürfte das Verhältnis zwischen Lebensstil und Genetik bei der Begünstigung des Entstehens von Typ-2-Diabetes bei 55 zu 45 Prozent liegen. Damit ist die „Umwelt“ wichtiger als alles andere und wäre damit prinzipiell gut beeinflussbar.

„Insgesamt stützen unsere Analysen die Annahme, dass zwar die Genetik eine wichtige Rolle für das Risiko, an T2D zu erkranken, spielt, Lebensstilfaktoren jedoch eine wesentlich größere Rolle einnehmen, insbesondere der Body-Mass-Index (BMI). Darüber hinaus konnten wir zeigen, dass Personen mit jedem Grad an genetischem Risiko ihr Erkrankungsrisiko durch veränderbare, gesunde Lebensstilgewohnheiten erheblich senken können“, schrieben die Wissenschafter.

APA



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