Hepatitis in Österreich: Das Ziel 2030 rückt in die Ferne


Redaktion

Symbolbild: Zwei Hände halten eine Papierleber.
Eine virusbedingte Hepatitis kann über Jahre unbemerkt bleiben. Während Hepatitis C heute heilbar ist, lässt sich Hepatitis B durch eine Impfung verhindern und medikamentös wirksam kontrollieren.Foto:stock.adobe.com/Ekaterina

Alle 30 Sekunden stirbt weltweit ein Mensch an den Folgen einer chronischen Virushepatitis. Obwohl wirksame Therapien, zuverlässige Tests und Impfungen verfügbar sind, bleibt die Infektion häufig unentdeckt und Österreich hinkt bei der geplanten Eliminierung hinterher.

Zum Welt-Hepatitis-Tag am 28. Juli rücken Fachleute eine Erkrankung in den Fokus, die trotz medizinischer Fortschritte weiterhin enorme Folgen hat: Hepatitis. Weltweit leben rund 287 Millionen Menschen mit chronischen Virushepatitiden. Mehr als 1,3 Millionen sterben jährlich an Hepatitis B oder C, zugleich kommen jedes Jahr fast zwei Millionen Neuinfektionen hinzu.

Hepatitis C heilbar, Hepatitis B kontrollierbar

Medizinisch stehen heute deutlich mehr Möglichkeiten zur Verfügung als noch vor wenigen Jahren. Eine Virushepatitis sei „vermeidbar, behandelbar und sogar heilbar“, betonen Markus Peck-Radosavljevic vom Klinikum Klagenfurt und Angelika Widhalm, Vorsitzende der Hepatitis Hilfe Österreich (HHÖ). Vor allem bei Hepatits C hat sich die Situation grundlegend verändert. Wird die Infektion rechtzeitig erkannt, kann sie geheilt werden. Eine chronische Hepatitis B ist dagegen bislang nicht heilbar. Moderne Medikamente können die Virusvermehrung jedoch wirksam unterdrücken und damit das Risiko schwerer Spätfolgen wie Leberzirrhose und Leberkrebs deutlich reduzieren.

Viele Betroffene wissen nichts von ihrer chronischen Infektion. Peck empfiehlt deshalb insbesondere Menschen mit Risikoprofil, das Thema im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung anzusprechen.

Hepatitis B: Impfung schützt doppelt

Bei Hepatitis B spielt Prävention eine besonders wichtige Rolle. Das Virus wird über Blut und andere Körperflüssigkeiten übertragen. Zu den Ansteckungswegen zählen unter anderem ein ungeschützter Sexualkontakt, gemeinsam verwendete Spritzen beim intravenösen Drogenkonsum sowie, die Übertragung bei der Geburt. Die Hepatitis-B-Impfung ist im österreichischen Kinderimpfprogramm enthalten. Ihre Bedeutung reicht über den Schutz vor Hepatitis B hinaus. „Eine vollständige Immunisierung gegen Hepatitis B schützt gleichzeitig vor dem gefährlichen Hepatitis-Delta-Virus, das nur gemeinsam mit Hepatitis B auftreten kann“, erklärt Peck.

Gerade Hepatitis Delta gilt als besonders gefährliche chronische Virusinfektion und kann in Kombination mit Hepatitis B rasch zu Leberkrebs führen. Wer bisher nicht gegen Hepatitis B geimpft wurde, sollte die Immunisierung nachholen.

Österreich verfehlt bislang den Weg zur Eliminierung

Bereits 2011 schloss sich Österreich der weltweiten Initiative an, Virushepatitis bis 2030 zu eliminieren. Dieses Ziel dürfte nach Einschätzung der Fachleute inzwischen in weite Ferne gerückt sein. Als wesentliche Voraussetzung gelten organisierte Screening-Programme. Ein nationaler Hepatitis-Aktionsplan, der deren Umsetzung vorantreiben könnte, fehlt in Österreich bislang.-

Widhalm verweist auf Deutschland, wo gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren einmalig kostenlos auf Hepatitis B und C getestet werden können. Ein vergleichbares Vorgehen wäre aus ihrer Sicht auch hierzulande sinnvoll: „Wir müssen endlich weg vom Tabu rund um Hepatitis B. Nur wer über Risiken und Chancen informiert ist, kann sich schützen oder rechtzeitig behandeln lassen.“

Nicht nur Viren belasten die Leber

Parallel zur Virushepatitis gewinnt eine zweite Lebererkrankung massiv an Bedeutung: die Fettleber, heute als Steatotic Liver Disease (SLD) bezeichnet. Sie tritt vor allem in Staaten mit westlichem Lebensstil zunehmend häufig auf. Peck bezeichnet sie als „neue Volkskrankheit Nr. 1“. Häufig steht die Erkrankung mit einem metabolischen Syndrom in Verbindung, etwa mit Übergewicht, Diabetes mellitus, Bluthochdruck und erhöhten Blutfetten oder wird durch Alkohol begünstigt. Entwickelt sich daraus eine entzündliche Form, können Leberzirrhose und schließlich Leberkrebs folgen.

In Österreich ist laut den Fachleuten etwa jeder dritte Mann und jede vierte Frau von einer Fettleber betroffen. Bei ein bis zwei Prozent liegt eine dadurch bedingte Leberentzündung vor. Die Steatohepatitis ist inzwischen weltweit der häufigste Grund für eine notwendige Lebertransplantation. Auch hier soll Früherkennung stärker in den Mittelpunkt rücken: Laut Widhalm bereitet die Österreichische Gesundheitskasse gemeinsam mit HHÖ und ÖGGH (Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie) ein Präventions- und Screeningprogramm samt Informationskampagne vor. Über Details soll zu einem späteren Zeitpunkt berichtet werden.

APA



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