Wenn Medikamente Schluckauf auslösen


Sanja Agatic

Symbolbild:Eine Person hält sich während eines Schluckaufs den Mund und den Oberbauch.
Hält Schluckauf ungewöhnlich lange an oder tritt er nach Beginn einer neuen Therapie auf, kann auch ein Blick auf die Medikation sinnvoll sein. Foto:stock.adobe.com/jedi-master

Schluckauf verschwindet meist nach wenigen Minuten. Hält er jedoch über Stunden oder sogar Tage an, lohnt sich auch ein Blickt auf die Medikamentenliste. Kortikosteroide, Benzodiazepine und einige Arzneimittel aus der Onkologie oder Psychiatrie werden mit anhaltendem Singultus in Verbindung gebracht.

Ein plötzlich einsetzender Schluckauf nach Beginn einer neuen Therapie wird zunächst kaum mit dem Arzneimittel in Verbindung gebracht. Dabei ist der Zusammenhang seit Jahren beschrieben. Besonders häufig tauchen Kortikosteroide und Benzodiazepine auf, daneben wurden auch verschiedene Zytostatika, Opioide, Antibiotika und dopaminerg wirkende Arzneistoffe als mögliche Auslöser gemeldet. Die Datenlage ist allerdings unterschiedlich gut: Bei vielen Wirkstoffen stützt sie sich auf Fallberichte oder Pharmakovigilanzdaten, eine eindeutige Kausalität lässt sich daher nicht immer nachweisen.

Dexamethason fällt besonders auf

Vergleichsweise gut untersucht ist Dexamethason. Das Glukokortikoid wird unter anderem in der Onkologie eingesetzt, etwa zur Vorbeugung von Übelkeit und Erbrechen während einer Chemotherapie. Gerade in diesem Zusammenhang wurde wiederholt über teils hartnäckigen Schluckauf berichtet.

In einer randomisierten Phase-II-Studie wurden Krebspatienten untersucht, die nach Dexamethason bereits Schluckauf entwickelt hatten. Erhielten sie in einem folgenden Chemotherapiezyklus stattdessen Methylprednisolon, nahm die Intensität des Schluckaufs deutlich ab. Wurde anschließend wieder auf Dexamethason gewechselt, verstärkten sich die Beschwerden erneut. Die antiemetische Wirkung unterschied sich dabei nicht wesentlich. Auffällig war zudem, dass in die Studie ausschließlich Männer eingeschlossen wurden, obwohl Frauen nicht ausgeschlossen waren.

Auch die Leitlinie der European Society für Medical Oncology (ESMO) führt Dexamethason und verschiedene Chemotherapeutika als mögliche Auslöser an. Bei steroidbedingtem Singultus nennt sie den Wechsel auf ein anderes Kortikosteroid als mögliche Behandlungsstrategie.

Vom Beruhigungsmittel bis zum Parkinsonpräparat

Die Liste möglicher Auslöser endet nicht bei Kortisonen – Benzodiazepine wie Diazepam oder Midazolam werden ebenfalls mit Singultus in Verbindung gebracht. Interessant dabei: Für Benzodiazepine werden je nach Dosis unterschiedliche Effekte beschrieben. Während niedrige Dosierungen Schluckauf begünstigen können, wurden höhere Dosierungen auch zu dessen Behandlung eingesetzt.

Hinweise gibt es außerdem für dopaminerge Arzneimittel. Pharmakovigilanzdaten aus der europäischen Datenbank EudraVigilance zeigten beispielsweise Meldungen von Schluckauf unter Dopaminagonisten bei Parkinsonpatienten. Auch für die Antipsychotikum Aripiprazol liegen wiederholt Fallberichte vor. In einer 2024 veröffentlichten Auswertung von 29 Fallberichten trat der Schluckauf meist innerhalb der ersten ein bis zwei Tage nach Beginn der Behandlung auf und verschwand häufig nach Absetzen des Arzneimittels dar.

Auch Opioide wie Morphin und Tramadol sowie einzelne Antibiotika wurden beschrieben. Für Azithromycin existieren beispielsweise Fallberichte, gesicherte Häufigkeitsangaben lassen sich daraus jedoch nicht ableiten.  

Nicht jeden Schluckauf dem Medikament zuschreiben

Ein zeitlicher Zusammenhang allein beweist noch keine unerwünschte Arzneimittelwirkung. Gerade bei länger anhaltendem Schluckauf kommen zahlreiche andere Ursachen infrage. Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, Stoffwechselstörungen sowie Erkrankungen des zentralen Nervensystems können den Reflex ebenfalls auslösen. Auch bei Krebspatienten können mehrere Faktoren gleichzeitig beteiligt sein.

Als persistierend gilt Singultus ab einer Dauer von mehr als 48 Stunden. Solche Verläufe sollten medizinisch abgeklärt werden. Die Arzneimittelanamnese gehört dabei zur Ursachenforschung: Wann haben die Beschwerden begonnen? Wurde kurz zuvor ein Präparat neu angesetzt, die Dosis erhöht oder eine Chemotherapie durchgeführt? Und tritt der Schluckauf nach jeder Einnahme oder jedem Therapiezyklus erneut auf?



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