Amphetamine steigern Wachheit und Aufmerksamkeit, bergen jedoch auch ein Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial. Medizinisch kommen einzelne Vertreter vor allem bei der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und bei Narkolepsie zum Einsatz. Entscheidend sind eine klare Indikation, die richtige Dosierung und eine engmaschige ärztliche Kontrolle.
Amphetamine sind synthetisch hergestellte Psychostimulanzien aus der Gruppe der indirekten Sympathomimetika. Chemisch leiten sie sich vom Phenylethylamin ab und ähneln körpereigenen Catecholaminen wie Dopamin und Noradrenalin.
Zu den medizinisch eingesetzten Vertretern gehören unter anderem Dexamphetamin und Lisdexamfetamin. Lisdexamfetamin ist eine pharmakologisch zunächst inaktive Vorstufe, die im Körper zu Dexamphetamin umgewandelt wird. Methylphenidat und Modafinil wirken zwar ebenfalls stimulierend, sind chemisch gesehen aber kein Amphetamin. Methylphenidat besitzt ein Piperidin-Grundgerüst und bei Modafinil handelt es sich um ein Benzhydrylsulfinylacetamid.
Amphetamin („Speed“) und Methamphetamin („Crystal Meth“) zählen ebenfalls zu den Amphetaminen und sind vor allem als illegal hergestellte Rauschmittel bekannt. Mephedron ist chemisch hingegen ein synthetisches Cathinon, dessen Struktur und stimulierende Wirkung mit jener von Amphetaminderivaten vergleichbar sind.
Wie wirken Amphetamine?
Aufgrund ihrer chemischen Eigenschaften können Amphetamine die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Im zentralen Nervensystem erhöhen sie vor allem die Verfügbarkeit von Dopamin und Noradrenalin. Dies geschieht unter anderem durch eine verstärkte Freisetzung der Neurotransmitter aus den Nervenzellen und eine Beeinflussung ihrer Wiederaufnahme.
Dadurch nehmen Wachheit, Aufmerksamkeit und Antrieb zu, während Müdigkeit, Schlafbedürfnis und Hungergefühl abnehmen können. Chemisch synthetisierte Amphetamine sind daher auch unter dem Namen „Weckamine“ bekannt. Gleichzeitig wird der Sympathikus aktiviert. Mögliche Folgen sind eine erhöhte Herzfrequenz, ein Blutdruckanstieg und eine gesteigerte körperliche Leistungsbereitschaft.
Wofür werden Amphetamine eingesetzt?
Medizinisch werden Amphetaminderivate vor allem zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) eingesetzt. Lisdexamphetamin kann beispielsweise im Rahmen eines umfassenden Behandlungskonzepts infrage kommen, wenn eine vorherige Therapie mit Methylphenidat nicht ausreichend wirksam war. Neben der medikamentösen Behandlung gehören dazu üblicherweise auch psychologische, pädagogische und soziale Maßnahmen.
Ein weiteres Anwendungsgebiet ist die Narkolepsie. Die neurologische Erkrankung geht mit ausgeprägter Tagesschläfrigkeit und unkontrollierbaren Schlafattacken einher. Dexamphetamin kann die Wachheit fördern und dadurch die Symptomatik lindern. In Österreich ist Modafinil (Modasomil 100mg) zu Behandlung der Narkolepsie zugelassen. Die konkreten zugelassenen Anwendungsgebiete der Wirkstoffe unterscheiden sich je nach Präparat und Land.
Wegen ihrer appetithemmenden Wirkung wurden Amphetamine früher auch zur Gewichtsreduktion verwendet. Aufgrund des Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzials sowie möglicher kardiovaskulärer Risiken gilt diese Anwendung heute als überholt.
Nur mit Suchtgiftvignette in Österreich?
Bei amphetaminhaltigen Arzneimitteln gelten in Österreich unterschiedliche Vorgaben: Dexamphetamin (Philla) ist als Suchtgift eingestuft und benötigt bei einer Verschreibung auf einem Papierrezept zusätzlich eine Suchtgiftvignette.
Lisdexamfetamin (Elvanse) wird zwar im Körper zu Dexamfetamin umgewandelt, gilt rechtlich jedoch rechtlich nicht als Suchtgift und kann daher ohne Suchtgiftvignette verordnet werden. Methylphenidat (Ritalin, Concerta) gehört chemisch nicht zu den Amphetaminen, zählt in Österreich aber ebenfalls zu den Suchtgiften und erfordert eine entsprechende Suchtgift-Verschreibung.
Welche Nebenwirkungen können auftreten?
Zu den häufigeren unerwünschten Wirkungen zählen Appetitminderung, Schlafstörungen, Nervosität, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Schwitzen, Tachykardie und ein Anstieg des Blutdrucks. Auch Reizbarkeit, innere Unruhe, Angst oder Stimmungsschwankungen sind möglich.
Bei höheren Dosierungen steigt das Risiko für Herzrhythmusstörungen, Hyperthermie, Krampfanfälle sowie psychotische Symptome mit Halluzinationen oder Wahnvorstellungen (Amphetamin-Psychosen). Besonders problematisch ist die Kombination mit mehrtägigem Schlafentzug. Bei entsprechend veranlagten Personen können psychotische Beschwerden allerdings auch unter therapeutischer Dosierung auftreten.
Vor und während der Behandlung sollten daher unter anderem Blutdruck, Puls, Körpergewicht und psychischer Zustand kontrolliert werden. Besondere Vorsicht ist bei bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Hyperthyreose sowie bestehenden psychotischen oder manischen Erkrankungen geboten.
Missbrauch und Abhängigkeit
Außerhalb einer medizinischen Behandlung werden Amphetamine unter anderem zur Leistungssteigerung, zum Wachbleiben, zur Appetithemmung oder wegen ihrer euphorisierenden Wirkung konsumiert. Dabei kann sich eine Toleranz entwickeln: Um dieselbe Wirkung zu erzielen, werden zunehmend höhere Mengen benötigt.
Das Risiko hängt unter anderem von der Dosis, der Dauer der Einnahme und der Applikationsform ab. Eine rasche Anflutung, etwa nach intranasaler oder intravenöser Anwendung, verstärkt die euphorisierende Wirkung und erhöht das Missbrauchspotenzial. Bei illegal hergestellten Produkten kommen schwankende Wirkstoffgehalte und mögliche Verunreinigungen als zusätzliche Gefahren hinzu.
Die Plattform „Medikamente und Sucht“ weist zudem darauf hin, dass manche Konsumierende dämpfende Substanzen wie Alkohol, Cannabis oder Opioide einsetzen, um nach hohen Amphetamindosen wieder zur Ruhe zu kommen. Dadurch können sich zusätzliche riskante Konsummuster entwickeln.
Was passiert beim Absetzen?
Nach dem Abklingen der stimulierenden Wirkung kann es zu einem sogenannten Crash mit starker Erschöpfung, gedrückter Stimmung und ausgeprägtem Schlafbedürfnis kommen. Bei längerem hoch dosiertem Konsum können nach dem Absetzen außerdem Reizbarkeit, Angst, Konzentrationsprobleme, Antriebslosigkeit und Suchtdruck auftreten. Auch schwere depressive Symptome sind möglich.
Bei einer Abhängigkeit sollte das Absetzen daher medizinisch begleitet werden. Neben der körperlichen und psychischen Stabilisierung ist es wichtig, mögliche Hintergründe des Konsums zu berücksichtigen. Dazu können depressive Erkrankungen, ADHS, Essstörungen, Schlafstörungen oder berufliche Überforderung zählen.
Amphetamine sind somit weder ausschließlich Arzneimittel noch ausschließlich Drogen. Bei klarer Indikation und fachgerechter Anwendung können sie einen wichtigen therapeutischen Nutzen haben. Außerhalb einer kontrollierten Behandlung können dieselben pharmakologischen Eigenschaften jedoch erhebliche gesundheitliche Risiken mit sich bringen.
