Führt ausreichender Schlaf zur besseren Ernährung?


Viktoria Anderle

Symbolbild: Eine Frau steht mit orangen Polster vor Kühlschrank und schaut ein Sandwich an.
Die Studie beschäftigte sich mit dem Zusammenspiel von Schlafverhalten, Chronotyp und Ernährungsgewohnheiten. rh2010/AdobeStock_136084720

Der frühe Vogel fängt offenbar nicht nur den Wurm, sondern auch eher Gemüse, Hülsenfrüchte und Olivenöl. Eine große Metaanalyse zeigt: Menschen mit ausreichendem Schlaf, guter Schlafqualität und einem frühen Chronotyp halten sich häufiger an eine mediterrane Ernährung. Die Ergebnisse liefern damit einen weiteren Hinweis darauf, dass Schlafverhalten und Ernährungsstil enger zusammenhängen könnten als gedacht.

Frühere Studien legen bereits nahe, dass ausreichender Schlaf und eine gute Schlafqualität mit einer günstigeren Ernährungsweise zusammenhängen. Die Forschenden weisen darauf hin, dass Menschen mit spätem Chronotyp demnach häufiger mehr Kalorien, Fett, Alkohol, Koffein, Fast Food und stark verarbeitete Lebensmittel sowie zuckerhaltige Getränke und Süßigkeiten konsumieren. Genau an diesem möglichen Zusammenspiel von Schlafverhalten, Chronotyp und Ernährung setzt die aktuelle Metaanalyse an.

62 Beobachtungsstudien

Ein Forschungsteam aus den USA hat in einem systematischen Review mit Metaanalyse untersucht, ob Schlafdauer, Schlafqualität und Chronotyp mit der Einhaltung einer mediterranen Ernährung zusammenhängen. Dafür werteten die Wissenschaftler:innen 62 Beobachtungsstudien mit insgesamt 328.493 Teilnehmer:innen aus. Die eingeschlossenen Personen waren zwischen 6 und 75 Jahre alt, der Body-Mass-Index lag je nach Studie zwischen 18,1 und 32,1 kg/m².

Frühaufsteher: 74 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit

Im Fokus stand dabei die sogenannte Adhärenz zur mediterranen Ernährung, also die Frage, wie konsequent sich Menschen an eine mediterrane Kost halten. Diese gilt mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Fisch und Olivenöl seit Langem als gesundheitsförderlich. Erfasst wurde dies in den Studien über verschiedene MedDiet-Scores.

Die Auswertung zeigte: Menschen mit ausreichender Schlafdauer hatten signifikant häufiger hohe MedDiet-Scores als Personen mit zu wenig Schlaf (Odds Ratio, OR: 1,39). Auch eine gute Schlafqualität war mit einer stärkeren Orientierung an der mediterranen Ernährung verbunden (OR: 1,38). Am deutlichsten fiel der Zusammenhang beim Chronotyp aus: Vor allem Menschen mit einem frühen Chronotyp, also klassische Frühaufsteher, hielten sich häufiger an eine mediterrane Ernährungsweise (OR: 1,74). Frühaufsteher haben somit eine rund 74 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit sich an eine Mediterrane Diät zu halten als „Nachteulen“.

Schlafverhalten und Ernährungsstil eng verbunden

Die Ergebnisse unterstreichen laut dem Forschungsteam die enge Verbindung zwischen Schlafverhalten und Ernährungsstil. Schlafdauer, Schlafqualität und Chronotyp könnten demnach wichtige Lebensstilfaktoren sein, wenn es um gesunde Ernährungsmuster geht. Besonders bei Menschen mit chronischen Erkrankungen könnte es sinnvoll sein, Schlafgewohnheiten und Ernährung gemeinsam zu betrachten und gegebenenfalls zu optimieren.

Die Forschenden betonen allerdings auch die Grenzen der Datenlage. Bei den eingeschlossenen Arbeiten handelte es sich ausschließlich um Beobachtungsstudien. Ob guter Schlaf zu einer mediterraneren Ernährung führt, ob eine mediterrane Ernährung den Schlaf verbessert oder ob beide von anderen Faktoren beeinflusst werden, lässt sich daraus nicht ableiten. Um kausale Zusammenhänge und mögliche biologische Mechanismen besser zu verstehen, seien weitere Langzeit- und Interventionsstudien nötig.

Das Paper „Sleep and the Mediterranean diet: A systematic review and meta-analysis“ erschien im Journal Sleep Medicine Reviews.

MEDWISS.Online



Newsletter

Bleiben Sie stets informiert!